Kei­ne höhe­ren Leis­tun­gen für Con­ter­gan-Opfer

Eine Rei­he von Con­ter­gan-Opfern ist vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mit dem Ver­such geschei­tert, wei­te­re – über die letz­tes Jahr erhöh­ten Beträ­ge hin­aus­ge­hen­de – Ent­schä­di­gungs­leis­tun­gen ein­zu­kla­gen. Die ein­ge­reich­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­den gegen die „Untä­tig­keit“ des Gesetz­ge­bers wur­de vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men.

Kei­ne höhe­ren Leis­tun­gen für Con­ter­gan-Opfer

Die bis­he­ri­gen Ent­schä­di­gungs­leis­tun­gen[↑]

In der Bun­des­re­pu­blik sind mehr als 2500 Kin­der von Müt­tern, die wäh­rend der Schwan­ger­schaft das von der Fir­ma Che­mie Grü­nen­thal GmbH her­ge­stell­te und am 1. Okto­ber 1957 auf den Markt ein­ge­führ­te tha­li­do­mid­hal­ti­ge Schlaf- und Beru­hi­gungs­mit­tel „Con­ter­gan“ ein­ge­nom­men hat­ten, mit schwe­ren Fehl­bil­dun­gen ihrer Glied­ma­ßen und ande­ren Kör­per­schä­den zur Welt gekom­men.

Am 10. April 1970 ver­pflich­te­te sich die Fir­ma Che­mie Grü­nen­thal zur ver­gleichs­wei­sen Rege­lung „aller denk­ba­ren Ansprü­che“ von Kin­dern und deren Eltern wegen Fehl­bil­dun­gen des Kin­des zur Zah­lung von 100 Mio. DM. Um den bei der Durch­füh­rung des Ver­gleichs zu erwar­ten­den Schwie­rig­kei­ten und Unsi­cher­hei­ten [1] zu begeg­nen und um die Hilfs­maß­nah­men durch eine Stif­tung auf eine mög­lichst brei­te finan­zi­el­le Basis zu stel­len, erging das am 17. Dezem­ber 1971 ver­kün­de­te und am 31. Okto­ber 1972 in Kraft getre­te­ne Gesetz über die Errich­tung einer Stif­tung „Hilfs­werk für behin­der­te Kin­der“ – StHG – [2]. Die Stif­tung wur­de zusätz­lich zu dem von der Fir­ma ein­ge­brach­ten Betrag mit zunächst 100 Mio. DM aus Bun­des­mit­teln aus­ge­stat­tet. Das Gesetz sah als Leis­tun­gen je nach der Schwe­re des Kör­per­scha­dens und der hier­durch her­vor­ge­ru­fe­nen Kör­per­funk­ti­ons­stö­run­gen eine Kapi­ta­lent­schä­di­gung in Höhe von min­des­tens 1.000 DM und höchs­tens 25.000 DM sowie eine monat­li­che Ren­te von min­des­tens 100 DM und höchs­tens 450 DM vor (§ 14 Abs. 2 Sät­ze 1 und 2 StHG). Unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen war auf Antrag eine Kapi­ta­li­sie­rung der Ren­te ins­be­son­de­re zum Erwerb von Grund­ei­gen­tum mög­lich (§ 14 Abs. 3 StHG). Die Leis­tun­gen der Stif­tung waren ein­kom­men­steu­er­frei und blie­ben bei der Ermitt­lung von Ein­kom­men und Ver­mö­gen nach ande­ren Geset­zen grund­sätz­lich außer Betracht (§ 21 StHG). Leis­tungs­pflich­ten ande­rer wur­den durch das Stif­tungs­ge­setz grund­sätz­lich nicht berührt (§ 22 StHG). Nach § 23 erlo­schen alle etwa bestehen­den Ansprü­che gegen die Fir­ma Che­mie Grü­nen­thal GmbH.

Im Jahr 1976 erklär­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (BVerfG, Urteil vom 08.06.1976 – 1 BvL 19/​75, 1 BvL 20/​75 und 1 BvR 148/​75, BVerfGE 42, 263) die Rege­lung zum Inkraft­tre­ten (§ 29 StHG) für ver­ein­bar mit dem Grund­ge­setz und wies eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen das Stif­tungs­ge­setz zurück. Er maß die Umfor­mung der pri­vat­recht­li­chen Ver­gleichs­for­de­run­gen in gesetz­li­che Leis­tungs­an­sprü­che unter Über­füh­rung der Ver­gleichs­sum­me in das Stif­tungs­ver­mö­gen am Maß­stab des Art. 14 Abs. 1 GG und befand ins­be­son­de­re, dass die Sub­stanz des Wert­an­spruchs der Betei­lig­ten prin­zi­pi­ell erhal­ten geblie­ben war [3]. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt wies außer­dem dar­auf hin, dass es dem Gesetz­ge­ber oblie­ge, auch in Zukunft dar­über zu wachen, dass die Leis­tun­gen der Stif­tung – sei es in Form von Ren­ten­er­hö­hun­gen oder in sons­ti­ger Wei­se – der über­nom­me­nen Ver­ant­wor­tung gerecht wer­den [4].

Der Gesetz­ge­ber war in der Fol­ge­zeit mehr­fach tätig. Mit dem ers­ten Ände­rungs­ge­setz vom 22. Juli 1976 [5] wur­den die Bun­des­mit­tel um 50 Mio. DM, mit dem zwei­ten Ände­rungs­ge­setz vom 31. Janu­ar 1980 [6] um wei­te­re 170 Mio. DM auf­ge­stockt. Seit 1997 wer­den die Ren­ten aus Bun­des­haus­halts­mit­teln finan­ziert. Mit ins­ge­samt neun Ände­rungs­ge­set­zen zum StHG [7] wur­den die Ren­ten line­ar erhöht. Dies erfolg­te seit 1984 in Anpas­sung an einen erheb­li­chen Anstieg der Lebens­hal­tungs­kos­ten und Net­to­ein­kom­men [8].

Das Gesetz über die Errich­tung einer Stif­tung „Hilfs­werk für behin­der­te Kin­der“ wur­de durch das aktua­li­sier­te Gesetz über die Con­ter­gan­stif­tung für behin­der­te Men­schen – Con­ter­gan­stif­tungs­ge­setz (Cont­StifG) – vom 13. Okto­ber 2005 [9] abge­löst. Nach­dem ein Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung, mit dem die Ren­ten line­ar ab 1. Juli 2008 um 5 % ange­ho­ben wer­den soll­ten [10], für erle­digt erklärt wor­den war, wur­den mit dem Ers­ten Gesetz zur Ände­rung des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes vom 26. Juni 2008 [11] die Beträ­ge der monat­li­chen Ren­ten ab 1. Juli 2008 auf min­des­tens 242 € und höchs­tens 1.090 € ver­dop­pelt. Damit ver­folg­te der Gesetz­ge­ber ins­be­son­de­re die Ziel­set­zung, die Fol­ge- und Spät­schä­den der Betrof­fe­nen – ver­ur­sacht durch jah­re­lan­ge kör­per­li­che Fehl­be­las­tun­gen – zu berück­sich­ti­gen [12]. Außer­dem wur­de die auf die Höhe der Grund­ren­te nach dem Bun­des­ver­sor­gungs­ge­setz bezo­ge­ne Anrech­nungs­re­ge­lung für Ren­ten auf­ge­ho­ben, um sicher­zu­stel­len, dass die Ver­dop­pe­lung der Ren­te auch als ech­te Zusatz­leis­tung bei den Betrof­fe­nen ankom­men wür­de [13]. Noch in die­sem Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren wur­de eine öffent­li­che Anhö­rung im Aus­schuss für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend als Grund­la­ge für wei­te­re Maß­nah­men zur Unter­stüt­zung der Betrof­fe­nen und zur Auf­ar­bei­tung des Con­ter­gan­skan­dals geplant [14].

Das Zwei­te Gesetz zur Ände­rung des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes vom 25. Juni 2009 [15] sieht ins­be­son­de­re zusätz­li­che jähr­li­che Son­der­zah­lun­gen vor, die die con­ter­gan­ge­schä­dig­ten Men­schen je nach Schwe­re ihrer Behin­de­run­gen gestaf­felt zwi­schen 460 € und 3.680 € [16] erst­mals ab dem Jahr 2009 zur frei­en Ver­fü­gung erhal­ten. Die Finan­zie­rung (§ 11 Satz 2 Nr. 1 Cont­StifG) erfolgt durch eine wei­te­re frei­wil­li­ge Zuwen­dung in Höhe von 50 Mio. Euro der Grü­nen­thal GmbH. Dar­über hin­aus wer­den Mit­tel in glei­cher Höhe aus dem Stamm­ver­mö­gen der Stif­tung und die dar­aus seit dem 1. Janu­ar 2009 erziel­ten Erträ­ge für die jähr­li­chen Son­der­zah­lun­gen ver­wen­det. Die Con­ter­gan­ren­te wird nun­mehr jeweils ent­spre­chend dem Pro­zent­satz ange­passt, um den sich die Ren­ten der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ver­än­dern (§ 13 Abs. 2 Sät­ze 4 und 5 Cont­StifG). Durch eine Ände­rung des Stif­tungs­zwecks (§ 2 Cont­StifG) soll die Pro­jekt­för­de­rung der Stif­tung (§§ 19 bis 21 Cont­StifG) künf­tig nur noch con­ter­gan­ge­schä­dig­ten Men­schen zugu­te kom­men und nicht mehr gene­rell behin­der­ten Men­schen. Die­se zielt dar­auf, durch För­de­rung oder Durch­füh­rung von For­schungs- und Erpro­bungs­vor­ha­ben Hil­fe zu gewäh­ren, um die Teil­ha­be der Betrof­fe­nen am Leben in der Gesell­schaft zu unter­stüt­zen und die durch Spät­fol­gen her­vor­ge­ru­fe­nen Beein­träch­ti­gun­gen zu mil­dern (§ 2 Nr. 2 Cont­StifG).

Nach § 8 Abs. 2 Satz 2 der neu­ge­fass­ten Richt­li­ni­en für die Gewäh­rung von Leis­tun­gen wegen Con­ter­gan-Scha­dens­fäl­len vom 30. Juni 2009 [17] ist bei der Höhe der Con­ter­gan­ren­te vom Schwe­re­grad der Fehl­bil­dung aus­zu­ge­hen, wie er bei der Geburt vor­lag oder ange­legt war – auch wenn sie erst spä­ter fest­ge­stellt wird -, unter Berück­sich­ti­gung der zu erwar­ten­den kör­per­li­chen Behin­de­rung.

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den[↑]

Die Beschwer­de­füh­rer, die in den Jah­ren 1959 bis 1962 gebo­ren wur­den, lei­den an Con­ter­gan­schä­den unter­schied­li­chen Aus­ma­ßes. Sie machen ver­schie­de­ne Scha­dens­pos­ten gel­tend, ins­be­son­de­re wegen ihrer beruf­li­chen Ein­schrän­kun­gen („Erwerbs­scha­den“, „Ren­ten­scha­den“) und ihres schä­di­gungs­be­ding­ten Mehr­be­darfs (unter ande­rem Kos­ten für Pfle­ge, Haus­halts­füh­rung, Umbau­maß­nah­men, erhöh­te Neben­kos­ten, Hilfs­mit­tel, erhöh­ten Klei­der­ver­schleiß). Des Wei­te­ren berich­ten sie über ihre Erfah­run­gen von sozia­ler Aus­gren­zung und über sich ver­schlim­mern­de Schmer­zen und Pro­ble­me auf­grund von Fol­ge- und Spät­schä­den. Sie ver­wei­sen auf die Höhe von Schmer­zens­geld- und Ent­schä­di­gungs­an­sprü­chen bei Schä­di­gun­gen in ver­gleich­ba­rem Umfang nach gel­ten­dem Arz­nei­mit­tel­recht. Ihre indi­vi­du­el­len For­de­run­gen belau­fen sich jeweils auf Grö­ßen­ord­nun­gen zwi­schen einer hal­ben und über 2 Mio. €.

Die Beschwer­de­füh­rer rich­ten ihre Ver­fas­sungs­be­schwer­den gegen „das Unter­las­sen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, gesetz­li­che Vor­schrif­ten inso­weit zu erlas­sen, dass ab dem 1. Janu­ar 1972 Per­so­nen, die durch das Medi­ka­ment Con­ter­gan geschä­digt wur­den, min­des­tens Leis­tun­gen in einer Höhe gewährt wer­den, inso­weit Arz­nei­mit­tel­ge­schä­dig­te nach pri­vat­recht­li­chen Vor­schrif­ten, ins­be­son­de­re den jewei­li­gen Arz­nei­mit­tel­ge­set­zen Ansprü­che hät­ten gel­tend machen kön­nen, wobei als unte­rer Maß­stab Leis­tun­gen nach dem Bun­des­ver­sor­gungs­ge­setz zu berück­sich­ti­gen sind“. Aus­drück­lich wen­den sie sich auch gegen das Ers­te und Zwei­te Gesetz zur Ände­rung des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes. Fer­ner rich­ten sie ihre Ver­fas­sungs­be­schwer­den gegen die Richt­li­nie zur Leis­tungs­ge­wäh­rung, weil sie für Leis­tun­gen kei­ne Spät- und Fol­ge­schä­den berück­sich­ti­ge.

Sie rügen eine Ver­let­zung ihrer Grund­rech­te aus Art. 1, Art. 2 Abs. 2, Art. 3 Abs. 1, Art. 14 GG und Art. 1 GG in Ver­bin­dung mit Art. 5 des Zusatz­pro­to­kolls der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on sowie ver­schie­de­ne Bestim­mun­gen des Über­ein­kom­mens der Ver­ein­ten Natio­nen über die Rech­te von Men­schen mit Behin­de­run­gen. Hier­zu tra­gen sie unter ande­rem vor, dass der Staat sei­ne Schutz­pflicht ver­letzt habe, weil im Schä­di­gungs­zeit­raum kei­ne geeig­ne­ten Arz­nei­mit­tel­ge­set­ze mit hin­rei­chen­der Kon­trol­le vor­han­den gewe­sen sei­en. Der Gesetz­ge­ber habe es ver­ab­säumt, die Leis­tun­gen an die Ent­wick­lun­gen im zivil­recht­li­chen Scha­dens­er­satz­recht, ins­be­son­de­re an das gel­ten­de Arz­nei­mit­tel­recht, anzu­glei­chen. Es stün­den ihnen min­des­tens Leis­tun­gen im Umfang des Bun­des­ver­sor­gungs­ge­set­zes und ande­rer Ansprü­che im sozia­len Ent­schä­di­gungs­recht zu. Ein selbst­be­stimm­tes Leben sei mit den gesetz­li­chen Leis­tun­gen nicht mög­lich. Spät- und Fol­ge­schä­den sei­en nicht abge­deckt. Die­se wür­den auch bei der Leis­tungs­ver­tei­lung nach der Richt­li­nie nicht erfasst, aber bei der Begut­ach­tung von Neu­fäl­len – gleich­heits­wid­rig – berück­sich­tigt.

Ver­fas­sungs­be­schwer­den teil­wei­se ver­fris­tet[↑]

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hielt die Ver­fas­sungs­be­schwer­den zumin­dest teil­wei­se für ver­fris­tet. § 93 BVerfGG sieht eine Frist bei Ver­fas­sungs­be­schwer­den gegen posi­ti­ve Akte der öffent­li­chen Gewalt vor [18]. Eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de wegen gesetz­ge­be­ri­schen Unter­las­sens ist dage­gen frist­los mög­lich. Aller­dings gilt dies nur im Fall eines ech­ten Unter­las­sens, wenn der Gesetz­ge­ber im Hin­blick auf einen ver­fas­sungs­recht­li­chen Auf­trag, der auch in der Ver­pflich­tung zur Nach­bes­se­rung bestehen kann, gänz­lich untä­tig geblie­ben ist.

Ent­hält ein Gesetz eine Rege­lung zu den gel­tend gemach­ten Ansprü­chen, hat der Gesetz­ge­ber nicht „unter­las­sen“ über die­se Ansprü­che zu ent­schei­den [19]. In einem sol­chen Fall ist eine auf Grund­rechts­ver­let­zun­gen gestütz­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen die – exis­ten­te – gesetz­li­che Vor­schrift zu erhe­ben [20]. Wer eine sol­che Rege­lung als unzu­rei­chend ansieht, ist gehal­ten, sie im Rah­men der Anfech­tung eines Voll­zie­hungs­ak­tes oder – sofern die Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen – unmit­tel­bar mit einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de inner­halb der Frist anzu­grei­fen [21], die auch durch eine spä­te­re Ände­rung der Rege­lung prin­zi­pi­ell nicht berührt wird.

Andern­falls trä­te neben die frist­ge­bun­de­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen ein Gesetz wahl­wei­se die wei­te­re unbe­fris­te­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de, die den Gesetz­ge­ber zum Erlass eines grund­rechts­ge­mä­ßen Geset­zes anhal­ten woll­te. Dies lie­fe auf eine Aus­schal­tung der im Inter­es­se der Rechts­si­cher­heit bestehen­den Frist zur Erhe­bung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de hin­aus und wür­de zu einer gesetz­lich nicht vor­ge­se­he­nen und daher unzu­läs­si­gen Aus­deh­nung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de füh­ren [22].

Seit der Umfor­mung der pri­vat­recht­li­chen Ver­gleichs­for­de­run­gen in gesetz­li­che Leis­tungs­an­sprü­che nach dem Gesetz über die Errich­tung einer Stif­tung „Hilfs­werk für behin­der­te Kin­der“ wur­den die Leis­tun­gen mehr­fach – wenn auch nur in gerin­gem Aus­maß – erhöht. Den Beschwer­de­füh­rern geht es in der Sache dar­um, dass die­se Rege­lun­gen nicht den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen genü­gen. Die zugleich gerüg­te Unter­las­sung stellt inso­weit nur die Kehr­sei­te der jeweils getrof­fe­nen Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers dar. Soweit der Unter­las­sens­vor­wurf den Zeit­raum ab dem 1. Okto­ber 1972 bis zum Inkraft­tre­ten des Ers­ten Geset­zes zur Ände­rung des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes erfasst, sind die Ver­fas­sungs­be­schwer­den unmit­tel­bar gegen die bis dahin gel­ten­den Geset­ze somit ver­fris­tet.

Man­geln­de Aus­schöp­fung der fach­ge­richt­li­chen Rechts­schutz­mög­lich­kei­ten[↑]

Den Ver­fas­sungs­be­schwer­den steht im Übri­gen der aus § 90 Abs. 2 BVerfGG her­ge­lei­te­te Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät ent­ge­gen. Er gebie­tet, dass ein Beschwer­de­füh­rer alle pro­zes­sua­len Mög­lich­kei­ten aus­schöpft, um eine Kor­rek­tur der gel­tend gemach­ten Ver­fas­sungs­ver­let­zung zu erwir­ken [23]. Die Beschwer­de­füh­rer haben nicht dar­ge­legt, war­um sie den Rechts­weg nicht beschrit­ten haben.

Der Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät gilt auch, wenn ein Spiel­raum der Ver­wal­tung fehlt [24]. Auch dann kann das Fach­ge­richt eine Klä­rung her­bei­füh­ren, ob und in wel­chem Umfang der Bür­ger durch die bean­stan­de­te Rege­lung kon­kret in sei­nen Rech­ten betrof­fen und ob sie mit der Ver­fas­sung ver­ein­bar ist; dabei ist im fach­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren nach den Vor­aus­set­zun­gen des Art. 100 Abs. 1 GG zur Fra­ge der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit gege­be­nen­falls eine Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ein­zu­ho­len [25]. Es ist inso­weit nicht ersicht­lich oder dar­ge­legt, dass der Zweck einer vor­ran­gi­gen Anru­fung der nach § 23 Cont­StifG zustän­di­gen Ver­wal­tungs­ge­rich­te nicht erreicht wer­den kann. Der Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät dient einer umfas­sen­den Vor­prü­fung des Beschwer­de­vor­brin­gens [26] und der Ver­mitt­lung der Fall­an­schau­ung ins­be­son­de­re der obers­ten Bun­des­ge­rich­te [27].

Über­prü­fungs­maß­stab bei gesetz­ge­be­ri­scher Untä­tig­keit[↑]

Unab­hän­gig davon sind die Ver­fas­sungs­be­schwer­den nach Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts aber auch nicht begrün­det.

Nur in sel­te­nen Aus­nah­me­fäl­len las­sen sich der Ver­fas­sung kon­kre­te Pflich­ten ent­neh­men, die den Gesetz­ge­ber zu einem bestimm­ten Tätig­wer­den zwin­gen. Ansons­ten bleibt die Auf­stel­lung und nor­ma­ti­ve Umset­zung eines Schutz­kon­zepts dem Gesetz­ge­ber über­las­sen. Ihm kommt ein wei­ter Einschätzungs‑, Wer­tungs- und Gestal­tungs­spiel­raum zu [28]. Nach dem Grund­satz der Gewal­ten­tei­lung und dem demo­kra­ti­schen Prin­zip der Ver­ant­wor­tung des vom Volk unmit­tel­bar legi­ti­mier­ten Gesetz­ge­bers muss die­ser die regel­mä­ßig höchst kom­ple­xe Fra­ge ent­schei­den, wie eine aus der Ver­fas­sung her­zu­lei­ten­de Schutz­pflicht ver­wirk­licht wer­den soll [29]. Die Ent­schei­dung, wel­che Maß­nah­men gebo­ten sind, kann vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nur begrenzt nach­ge­prüft wer­den. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt kann erst dann ein­grei­fen, wenn der Gesetz­ge­ber sei­ne Pflicht evi­dent ver­letzt hat [30]. Einen Ver­fas­sungs­ver­stoß durch unter­las­se­ne Nach­bes­se­rung eines Geset­zes kann das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ins­be­son­de­re erst dann fest­stel­len, wenn evi­dent ist, dass eine ursprüng­lich recht­mä­ßi­ge Rege­lung wegen zwi­schen­zeit­li­cher Ände­rung der Ver­hält­nis­se ver­fas­sungs­recht­lich untrag­bar gewor­den ist, und wenn der Gesetz­ge­ber gleich­wohl wei­ter­hin untä­tig geblie­ben ist oder offen­sicht­lich fehl­sa­me Nach­bes­se­rungs­maß­nah­men getrof­fen hat [31].

Eine evi­den­te Ver­let­zung von Pflich­ten mit Ver­fas­sungs­rang, um die es hier allein gehen kann, ist, so das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, jedoch nicht ersicht­lich:

Kein Ver­stoß gegen das Recht auf Leben und kör­per­li­che Unver­sehrt­heit, Art. 2 GG[↑]

a) Aus Art. 2 Abs. 2 GG folgt eine Schutz­pflicht des Staa­tes, die auch eine Risi­ko­vor­sor­ge gegen Gesund­heits­ge­fähr­dun­gen umfasst [32]. Die Ver­fas­sung gebie­tet, dass sich der Staat schüt­zend und för­dernd vor das Leben des Ein­zel­nen stellt [33].

Soweit die Beschwer­de­füh­rer auf die man­geln­de staat­li­che Arz­nei­mit­tel­kon­trol­le hin­wei­sen, rügen sie kei­ne aktu­el­le, son­dern eine lan­ge zurück­lie­gen­de Schutz­pflicht­ver­let­zung. Ob inso­weit die Begrün­dungs­an­for­de­run­gen bezüg­lich einer evi­den­ten Ver­fas­sungs­ver­let­zung vor­lie­gen, kann dahin­ste­hen, da die Beschwer­de­füh­rer nicht dar­le­gen, wor­aus sie einen Anspruch auf Ent­schä­di­gung gegen den Staat her­lei­ten, wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die­ser unter­lie­gen soll und ob sie inso­weit den Rechts­weg beschrit­ten haben. Eine umfas­sen­de unmit­tel­ba­re Staats­un­rechts­haf­tung ist von Ver­fas­sungs wegen grund­sätz­lich nicht gefor­dert [34]. Mit dem Gesetz über die Errich­tung einer Stif­tung „Hilfs­werk für Kin­der“ war auch kein Schuld­an­er­kennt­nis durch den Gesetz­ge­ber ver­bun­den.

Soweit sich die Beschwer­de­füh­rer auf Art. 2 Abs. 2 und Art. 1 Abs. 1 GG beru­fen, um die aktu­ell nöti­gen Leis­tun­gen für ein „selbst­be­stimm­tes Leben“ ein­zu­for­dern, erfolgt kei­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zum Exis­tenz­mi­ni­mum. Die­ses betrifft nur die Min­dest­vor­aus­set­zun­gen, die zur Auf­recht­erhal­tung eines men­schen­wür­di­gen Daseins erfor­der­lich sind [35]. Aus Art. 2 Abs. 2 folgt regel­mä­ßig kein ver­fas­sungs­recht­li­cher Anspruch auf Bereit­stel­lung bestimm­ter Gesund­heits­leis­tun­gen [36]. Hier­zu wären ins­be­son­de­re auch sub­stan­ti­ier­te Aus­füh­run­gen zu den jewei­li­gen kon­kre­ten Ver­pflich­tun­gen Drit­ter, ins­be­son­de­re der Trä­ger der Sozi­al­hil­fe oder ande­rer Sozi­al­leis­tun­gen (vgl. § 18 Abs. 2 Cont­StiftG), erfor­der­lich.

Ange­sichts des ergän­zen­den Cha­rak­ters der Leis­tun­gen und deren Ver­bes­se­run­gen durch das Ers­te und Zwei­te Gesetz zur Ände­rung des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes wird jeden­falls nicht evi­dent erkenn­bar, dass das Unter­maß­ver­bot in Bezug auf die genann­ten Grund­rech­te ver­letzt wur­de.

Kein Ver­stoß gegen das Eigen­tums­recht, Art. 14 GG[↑]

Soweit die Beschwer­de­füh­rer unter Beru­fung auf Art. 14 Abs. 1 GG eine Anglei­chung ihrer Ansprü­che an den der­zei­ti­gen Stand des zivil­recht­li­chen Scha­dens­rechts for­dern, liegt kei­ne sub­stan­ti­ier­te Grund­rechts­rü­ge vor.

Für die Aus­ge­stal­tung der gesetz­li­chen Leis­tun­gen ist der Maß­stab des Art. 14 Abs. 1 GG des­halb her­an­zu­zie­hen, weil die ursprüng­li­chen Ansprü­che der Berech­tig­ten aus dem Ver­gleichs­ver­trag mit der Fir­ma Che­mie Grü­nen­thal unter den Eigen­tums­schutz des Grund­ge­set­zes fie­len [37]. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat aber bereits fest­ge­stellt, dass das Stif­tungs­ge­setz ohne Ver­stoß gegen die Ver­fas­sung die pri­vat­recht­li­chen Ver­gleichs­an­sprü­che durch gesetz­li­che Ansprü­che ersetzt hat. Die Sub­stanz des Wert­an­spruchs der am Ver­gleich Betei­lig­ten wur­de durch das Stif­tungs­ge­setz erhal­ten [38]. Es hat­te bei die­ser Bewer­tung berück­sich­tigt, dass die Ver­gleichs­sum­me für alle Betei­lig­ten auf 100 Mio. DM limi­tiert war und die­ser Betrag die Sum­me aller Ein­zel­an­sprü­che nicht abge­deckt hät­te. Die Gesamt­for­de­run­gen aus dem Gesetz blie­ben nicht hin­ter den Ansprü­chen aus dem Ver­gleich zurück, da die Ver­mö­gens­mas­se für Ent­schä­di­gungs­an­sprü­che bei Stif­tungs­grün­dung auf ins­ge­samt 150 Mio. DM erhöht und wei­te­re 50 Mio. DM für För­de­rungs­maß­nah­men zur Ver­fü­gung gestellt wur­den. Wei­te­re Vor­tei­le durch die gesetz­li­che Lösung lagen ins­be­son­de­re in dem geord­ne­ten Ver­tei­lungs­ver­fah­ren mit zeit­ge­rech­ter Rea­li­sie­rung der Ansprü­che, in der Ein­be­zie­hung aller Geschä­dig­ten und der Nicht­an­rech­nung auf ande­re Sozi­al­leis­tun­gen. Ein­wen­dun­gen der Beschwer­de­füh­rer, dass schon bei Stif­tungs­grün­dung nicht aus­rei­chen­de Leis­tun­gen erbracht wor­den sei­en oder der Ver­gleich nich­tig gewe­sen sei, sind nicht geeig­net, die­se Fest­stel­lun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts in Fra­ge zu stel­len.

Die kon­kre­ten For­de­run­gen der Beschwer­de­füh­rer las­sen sich nicht mit dem im Urteil des Ers­ten Senats vom 8. Juli 1976 [39] ent­hal­te­nen Hin­weis begrün­den, dem Gesetz­ge­ber oblie­ge es, auch in Zukunft dar­über zu wachen, dass die Leis­tun­gen der Stif­tung – sei es in Form von Ren­ten­er­hö­hun­gen oder in sons­ti­ger Wei­se – der über­nom­me­nen Ver­ant­wor­tung gerecht wer­den.

Es ist nicht ersicht­lich, dass der Gesetz­ge­ber sei­ne Über­wa­chungs­pflicht offen­sicht­lich fehl­sam wahr­ge­nom­men hät­te. Nach­dem er über die Jah­re hin­weg Anpas­sun­gen bei einem erheb­li­chen Anstieg der all­ge­mei­nen Lebens­hal­tungs­kos­ten und Net­to­ein­kom­men vor­ge­nom­men hat­te, reagier­te er mit dem Ers­ten Gesetz zur Ände­rung des Con­ter­gan­ge­set­zes in einem ers­ten Schritt dar­auf, dass der Bedarf der Betrof­fe­nen wegen der zunächst nicht abseh­ba­ren Fol­ge- und Spät­schä­den gestie­gen ist [40]. Wei­te­re Ver­bes­se­run­gen der finan­zi­el­len Lage der Betrof­fe­nen führ­te das Zwei­te Gesetz zur Ände­rung des Con­ter­gan­ge­set­zes her­bei. Durch die Ände­rung des Stif­tungs­zwecks in § 2 Nr. 2 Cont­StifG schuf der Gesetz­ge­ber auch die Grund­la­ge für For­schungs­vor­ha­ben über die durch Spät­fol­gen her­vor­ge­ru­fe­nen Beein­träch­ti­gun­gen und deren Mil­de­rung.

Es ist, so das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt wei­ter, nicht ersicht­lich, dass die vom Gesetz­ge­ber bei der Umfor­mung der Ver­gleichs­an­sprü­che gefun­de­ne Gesamt­lö­sung im Nach­hin­ein – durch die Ver­bes­se­run­gen der frist­ge­mäß ange­grif­fe­nen Geset­ze – ent­wer­tet wor­den wäre. Eben­so wenig ist ein Sub­stanz­ver­lust der im Stif­tungs­ge­setz ein­ge­räum­ten Ansprü­che, die ihrer­seits auch den Schutz des Art. 14 Abs. 1 GG genie­ßen [41], erkenn­bar.

Es ist nicht ersicht­lich, dass der Gesetz­ge­ber bei der Bestim­mung von Inhalt und Schran­ken des Eigen­tums den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit und die Anfor­de­run­gen an einen gerech­ten Aus­gleich [42] des­halb ver­letzt hät­te, weil die Beschwer­de­füh­rer ohne die gesetz­li­che Umfor­mung ihrer zivil­recht­li­chen Ansprü­che zwi­schen­zeit­lich bes­ser stün­den. Die Beschwer­de­füh­rer haben inso­weit nicht dar­ge­legt, dass die erst nach Abschluss des Ver­gleichs erfolg­ten Ände­run­gen des Schuld­rechts oder des Arz­nei­mit­tel­ge­set­zes auf die Ver­gleichs­for­de­run­gen anwend­bar gewe­sen wären. Auch set­zen sich die Beschwer­de­füh­rer nicht damit aus­ein­an­der, inwie­weit sie von der Fir­ma Grü­nen­thal nach Erschöp­fung der Ver­gleichs­sum­me wei­ter­ge­hen­de Leis­tun­gen wegen ihrer Fol­ge- und Spät­schä­den hät­ten durch­set­zen kön­nen als im Rah­men des Zwei­ten Geset­zes zur Ände­rung des Con­ter­gan­ge­set­zes.

Allein aus der Ziel­set­zung des Gesetz­ge­bers, auf die Spät- und Fol­ge­schä­den zu reagie­ren, kann kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Ver­pflich­tung nach Art. 14 Abs. 1 GG zu einem bestimm­ten Leis­tungs­um­fang abge­lei­tet wer­den.

Kein Ver­stoß gegen den Gleich­heits­grund­satz, Art. 3 GG[↑]

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ver­mag auch im Hin­blick auf die nach dem heu­ti­gen Arz­nei­mit­tel­recht übli­chen Ent­schä­di­gun­gen kei­nen Ver­stoß gegen Art. 3 Abs. 1 GG erken­nen:

Im Rah­men sei­nes Gestal­tungs­auf­trags ist der Gesetz­ge­ber grund­sätz­lich frei bei sei­ner Ent­schei­dung, an wel­che tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se er Rechts­fol­gen knüpft und wie er von Rechts wegen zu begüns­ti­gen­de Per­so­nen­grup­pen defi­niert. Eine Gren­ze ist erreicht, wenn durch die Bil­dung einer recht­lich begüns­tig­ten Grup­pe ande­re Per­so­nen von der Begüns­ti­gung aus­ge­schlos­sen wer­den und sich für die­se Ungleich­be­hand­lung kein in ange­mes­se­nem Ver­hält­nis zu dem Grad der Ungleich­be­hand­lung ste­hen­der Recht­fer­ti­gungs­grund fin­den lässt [43]. Ein dem Art. 3 Abs. 1 GG genü­gen­der Ver­gleich muss in einem Gesamt­ver­gleich die erheb­li­chen Unter­schie­de ana­ly­sie­ren und bewer­ten und dabei die typi­scher­wei­se zusam­men­tref­fen­den Vor- und Nach­tei­le beach­ten [44]. Der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz ent­hält kein ver­fas­sungs­recht­li­ches Gebot, ähn­li­che Sach­ver­hal­te in ver­schie­de­nen Ord­nungs­be­rei­chen mit ande­ren sys­te­ma­ti­schen und sozi­al­ge­schicht­li­chen Zusam­men­hän­gen gleich zu regeln [45]. Auch kann nie­mand allein dar­aus, dass einer Grup­pe aus beson­de­rem Anlass beson­de­re Ver­güns­ti­gun­gen zuge­stan­den wer­den, für sich ein ver­fas­sungs­recht­li­ches Gebot her­lei­ten, genau die­sel­ben Vor­tei­le in Anspruch neh­men zu dür­fen [46].

Die von den Beschwer­de­füh­rern zum Ver­gleich her­an­ge­zo­ge­nen Geset­ze betref­fen ande­re Sach­ver­hal­te und wei­sen dem­nach ande­re sach­li­che Kri­te­ri­en für eine staat­li­che Hil­fe auf. Die Beschwer­de­füh­rer las­sen bei ihrem Ver­gleich mit der aktu­el­len Schmer­zens­geld­recht­spre­chung und dem gel­ten­den Arz­nei­mit­tel­ge­setz wesent­li­che Punk­te unbe­rück­sich­tigt. Es erfolgt kei­ne aus­rei­chen­de Aus­ein­an­der­set­zung mit dem zeit­li­chen Gel­tungs­be­reich. So ist etwa die mit Art. 1 § 84 des Geset­zes zur Neu­ord­nung des Arz­nei­mit­tel­rechts vom 24. August 1976 [47] ein­ge­führ­te Gefähr­dungs­haf­tung nach Art. 3 § 21 des­sel­ben Geset­zes nicht für Schä­den ein­schlä­gig, die durch Arz­nei­mit­tel ver­ur­sacht wur­den, die vor Inkraft­tre­ten des Geset­zes abge­ge­ben wor­den sind. Es wäre inso­weit auch auf den Cha­rak­ter der Gefähr­dungs­haf­tung als Indi­vi­du­al­haf­tung ein­zu­ge­hen, die auf einer Risi­ko­zu­rech­nung beruht [48] und deren Ein­füh­rung die Ver­pflich­tung des Unter­neh­mers zur Deckungs­vor­sor­ge (vgl. § 94 AMG) beding­te. Dem­ge­gen­über dient die Ren­te der Con­ter­gan­stif­tung nicht der Ent­schä­di­gung für die erlit­te­nen Miss­bil­dun­gen, son­dern der Hil­fe im Leben [49].

Bei dem Ver­gleich mit den Höchst­be­trä­gen in § 88 AMG wei­sen die Beschwer­de­füh­rer zwar dar­auf hin, dass danach eine indi­vi­du­el­le Kapi­ta­lent­schä­di­gung bis zu 600.000 € und eine Ren­te bis monat­lich 3.000 € mög­lich sei, wäh­rend dem ledig­lich monat­li­che Con­ter­gan­ren­ten von inzwi­schen min­des­tens 242 € und höchs­tens 1090 € gegen­über­ste­hen. Inso­weit fehlt jedoch eine nähe­re Aus­ein­an­der­set­zung mit den in § 88 Satz 1 Nr. 2 AMG gere­gel­ten Höchst­sum­men im Fall der Tötung oder Ver­let­zung meh­re­rer Men­schen durch das glei­che Arz­nei­mit­tel, die nur für 200 Schwerst­ge­schä­dig­te einen Scha­dens­aus­gleich im Umfang der indi­vi­du­el­len Haf­tungs­höchst­gren­zen gewähr­leis­ten. Seit Inkraft­tre­ten des Stif­tungs­ge­set­zes haben dem­ge­gen­über ins­ge­samt 2872 Berech­tig­te Leis­tun­gen aus der Stif­tung erhal­ten [50]. Die Höchst­be­trä­ge des Arz­nei­mit­tel­ge­set­zes für den Kapi­tal­be­trag (120 Mio. €) oder den Ren­ten­be­trag (jähr­lich 7,2 Mio. €), bei deren Ein­füh­rung sich der Gesetz­ge­ber sogar an dem Aus­maß im Con­ter­gan-Gesche­hen ori­en­tier­te [51], wären den Gesamt­leis­tun­gen der Con­ter­gan­stif­tung gegen­über­zu­stel­len, die im Zeit­raum 1972 bis 2007 den Betrag von 437,84 Mio. € [52] erreich­ten. Die­se Leis­tungs­bi­lanz wird durch die Ren­ten­er­hö­hung ab Juli 2008 sowie durch die seit 2009 gewähr­ten jähr­li­chen Son­der­zah­lun­gen zwi­schen 460 Euro und 3680 Euro wei­ter ver­bes­sert. Neben der Höhe der Leis­tun­gen ist auch zu berück­sich­ti­gen, dass es sich um ein­kom­men­steu­er­freie (§ 17 Cont­StifG) Zusatz­leis­tun­gen han­delt, die bei der Ermitt­lung oder Anrech­nung von Ein­kom­men, sons­ti­gen Ein­nah­men und Ver­mö­gen nach ande­ren Geset­zen außer Betracht blei­ben; dies gilt seit dem Ers­ten Gesetz zur Ände­rung des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes, mit dem der frü­he­re § 18 Abs. 1 Satz 2 Cont­StifG auf­ge­ho­ben wur­de, auch für Ren­ten. Fer­ner wur­de mit dem Zwei­ten Gesetz zur Ände­rung des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes eine Dyna­mi­sie­rung der Ren­ten in § 13 Abs. 2 ein­ge­führt.

Wei­ter ver­weist das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt sodann auf sei­ne Recht­spre­chung, wonach statt der iso­lier­ten Betrach­tung indi­vi­du­el­ler Rechts­po­si­tio­nen nur eine Gesamt­be­trach­tung für sach­ge­recht gehal­ten wird [53]. Die Rechts­po­si­ti­on der Geschä­dig­ten erhält ihren Cha­rak­ter gera­de durch die Ein­bin­dung in eine rela­tiv gro­ße Schick­sals­ge­mein­schaft. Inso­fern stellt auch die Mög­lich­keit von Neu­an­trä­gen (§ 12 Abs. 2 Cont­StifG) durch die Auf­he­bung der Aus­schluss­frist eine zu berück­sich­ti­gen­de Ver­bes­se­rung der Rechts­la­ge dar.

Auch mit den wei­te­ren genann­ten Geset­zen ist eine Ver­gleich­bar­keit nach Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nicht ersicht­lich:

Soweit sich die Beschwer­de­füh­rer auf § 5 SGB I beru­fen, gibt die­se Rege­lung zum Sozia­len Ent­schä­di­gungs­recht nach § 2 Abs. 1 Satz 2 SGB I selbst kei­nen eige­nen Anspruch, son­dern setzt eine Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers vor­aus.

Die Ver­sor­gung nach dem Bun­des­ver­sor­gungs­ge­setz steht einem Geschä­dig­ten grund­sätz­lich des­halb zu, weil er im Krieg Gesund­heit oder Leben für die All­ge­mein­heit geop­fert hat [54]. Ein sol­ches Son­der­op­fer im Inter­es­se des Staa­tes ist bei den hier vor­lie­gen­den Schä­di­gun­gen nicht gege­ben.

Die Ent­schä­di­gungs­pflicht der öffent­li­chen Hand nach dem Opfer­ent­schä­di­gungs­ge­setz tritt aus Soli­da­ri­tät für den von einer Gewalt­tat betrof­fe­nen Bür­ger ein [55], weil der Staat kei­nen wirk­sa­men Schutz vor kri­mi­nel­ler Hand­lung gegen Leib oder Leben geben konn­te [56]. Dabei begrenzt der Gesetz­ge­ber die Ent­schä­di­gungs­pflicht grund­sätz­lich auf vor­sätz­li­che, rechts­wid­ri­ge und tät­li­che Angrif­fe (§ 1 Abs. 1 OEG).

Die Imp­fop­fer­ent­schä­di­gung beruht auf dem Rechts­in­sti­tut der Auf­op­fe­rung für das gemei­ne Wohl. Der Staat ver­langt dem Impf­pflich­ti­gen ein Son­der­op­fer ab, näm­lich die Dul­dung eines nicht ganz risi­ko­frei­en Ein­griffs, der die Gesund­heit gefähr­den kann. Die Maß­nah­me soll nicht allein den Geimpf­ten per­sön­lich schüt­zen, son­dern dar­über hin­aus die Krank­heit, die durch Anste­ckung ver­brei­tet wird, im Inter­es­se der All­ge­mein­heit ein­däm­men [57]. Die gesam­te Bevöl­ke­rung ist mit­hin Nutz­nie­ßer der indi­vi­du­el­len Imp­fung [58]. Die vor­ma­li­ge Impf­ver­pflich­tung mit Zwangs­cha­rak­ter ist zwar wei­test­ge­hend durch die Impf­emp­feh­lung ersetzt wor­den. Gleich­wohl legt die­se dem Ein­zel­nen mit staat­li­cher Auto­ri­tät nahe, sich dem Ein­griff zum Schutz der All­ge­mein­heit zu unter­zie­hen [59]. Durch die Imp­fop­fer­ent­schä­di­gung soll das staat­lich initi­ier­te Risi­ko des Ein­zel­nen im Scha­dens­fall ver­rin­gert wer­den. Soweit die Beschwer­de­füh­rer auf den Leis­tungs­um­fang nach dem Sieb­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch hin­wei­sen, unter­schei­den sich die gesetz­li­chen Grund­la­gen des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes von der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung durch ihre ver­fas­sungs­recht­li­che Ver­an­ke­rung, ihre Finan­zie­rung, ihre Leis­tungs­vor­aus­set­zun­gen und ihre Leis­tungs­for­men.

Hin­sicht­lich der Ver­wei­sung auf den Leis­tungs­um­fang des HIV-Hil­fe­ge­set­zes sieht das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt einen wesent­li­chen Unter­schied hin­sicht­lich der finan­zi­el­len Grund­la­gen. Da dort ein vom übri­gen Staats­ver­mö­gen getrenn­tes, beson­ders haf­ten­des Ver­mö­gen zur Ver­fü­gung stand, ist ein erheb­li­cher sach­li­cher Unter­schied zum Stif­tungs­ge­setz erkenn­bar [60].

Kein Ver­stoß gegen die UN-Behin­der­ten-Kon­ven­ti­on[↑]

Soweit die Beschwer­de­füh­rer auf Rech­te nach dem Über­ein­kom­men der Ver­ein­ten Natio­nen über die Rech­te von Men­schen mit Behin­de­run­gen hin­wei­sen, weist das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt dar­auf hin, dass die­ses Über­ein­kom­men mit Gesetz vom 21. Dezem­ber 2008 [61] in der Qua­li­tät eines Bun­des­ge­set­zes trans­for­miert wur­de. Mit den Ver­fas­sungs­be­schwer­den kön­nen aber nur Rech­te mit Ver­fas­sungs­rang gel­tend gemacht wer­den [62].

Berück­sich­ti­gung von Spät­schä­den und Fol­ge­schä­den[↑]

Die Rüge der Beschwer­de­füh­rer, dass Spät- und Fol­ge­schä­den nicht aus­rei­chend berück­sich­tigt wer­den, betrifft nicht nur die im Gesetz fest­ge­leg­te Leis­tungs­hö­he, son­dern auch den Ver­tei­lungs­maß­stab. § 13 Abs. 2 Satz 1 Cont­StifG rich­tet die Höhe der Leis­tun­gen an der Schwe­re des Kör­per­scha­dens und der hier­durch her­vor­ge­ru­fe­nen Kör­per­funk­ti­ons­stö­run­gen aus. Die Beschwer­de­füh­rer grei­fen jedoch nicht die­se gesetz­li­che Rege­lung an, son­dern rügen aus­drück­lich die Vor­ga­be der Richt­li­nie (§ 8 Abs. 2 Satz 2), wonach bei der Scha­dens­be­wer­tung aus­zu­ge­hen sei „vom Schwe­re­grad der Fehl­bil­dung, wie er bei Geburt vor­lag oder ange­legt war“. Damit wür­de das Scha­dens­bild der Betrof­fe­nen nicht aus­rei­chend erfasst.

Inso­weit haben die Beschwer­de­füh­rer, wie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt aus­drück­lich fest­stellt, den Rechts­weg nicht erschöpft. Sie müss­ten gegen die jewei­li­ge Ver­wal­tungs­ent­schei­dung vor­ge­hen [63]. Die Fach­ge­rich­te kön­nen selbst inzi­dent dar­über ent­schei­den, ob eine Richt­li­nie mit dem ein­fa­chen Gesetz oder dem Ver­fas­sungs­recht ver­ein­bar ist [64].

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 26. Febru­ar 2010 – 1 BvR 1541/​09 und 1 BvR 2685/​09

  1. vgl. die Begrün­dung des Regie­rungs-Ent­wurfs BT-Drs. VI/​926, S. 6[]
  2. BGBl. I S. 2018[]
  3. vgl. BVerfGE 42, 263, 301[]
  4. vgl. BVerfGE 42, 263, 312[]
  5. BGBl. I S. 1976[]
  6. BGBl. I S. 111[]
  7. zuletzt Neun­tes Gesetz zur Ände­rung des Geset­zes über die Errich­tung einer Stif­tung „Hilfs­werk für behin­der­te Kin­der“ vom 21. Juni 2002, BGBl. I S. 2190[]
  8. vgl. Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs der Bun­des­re­gie­rung zum Neun­ten Gesetz zur Ände­rung des StHG, BR-Drs. 102/​02, S. 3 ff.[]
  9. BGBl. I S. 2967[]
  10. vgl. BR-Drs. 94/​08[]
  11. BGBl. I S. 1078[]
  12. vgl. Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs der Frak­tio­nen der CDU/​CSU und SPD, BT-Drs. 16/​8743, S. 4[]
  13. vgl. BT-Drs. 16/​8743, S. 4 f.[]
  14. vgl. Beschluss­emp­feh­lung und Bericht des Aus­schus­ses für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend, BT-Drs. 16/​9025, S. 3[]
  15. BGBl. I S. 1534[]
  16. sie­he Bekannt­ma­chung der Neu­fas­sung der Richt­li­ni­en für die Gewäh­rung von Leis­tun­gen wegen Con­ter­gan-Scha­dens­fäl­len vom 30. Juni 2009, Anla­ge 4, BAnz. S. 2313[]
  17. BAnz. S. 2313[]
  18. vgl. BVerfGE 16, 119, 121[]
  19. vgl. BVerfGE 13, 284, 287; BVerfG, Beschluss vom 04.12.1998 – 2 BvR 2126/​96, NVwZ-RR 1999, 281[]
  20. vgl. BVerfGE 29, 268, 273[]
  21. vgl. BVerfGE 56, 54, 71[]
  22. vgl. BVerfGE 23, 229, 238[]
  23. vgl. BVerfGE 84, 203, 208; 104, 65, 70 f.[]
  24. vgl. BVerfGE 58, 81, 104 f.[]
  25. vgl. BVerfGE 1, 97, 103 f.; 79, 29, 34; st.Rspr.[]
  26. vgl. BVerfGE 51, 386, 396[]
  27. vgl. BVerfGE 4, 193, 198; 51, 386, 396[]
  28. vgl. BVerfGE 77, 170, 214; 79, 174, 202; 88, 203, 262; 96, 56, 64; 106, 166, 177; 121, 317, 356[]
  29. vgl. BVerfGE 56, 54, 81[]
  30. vgl. BVerfGE 56, 54, 80 f.; 77, 170, 214 f.; 79, 174, 202; 85, 191 , 212; 92, 26, 46; BVerfG, Beschlüs­se vom 26. Mai 1998 – 1 BvR 180/​88, NJW 1998, 3264 ff.; und vom 29.07.2009 – 1 BvR 1606/​08[]
  31. vgl. BVerfGE 56, 54, 81 f.[]
  32. vgl. BVerfGE 56, 54, 78; 121, 317, 356[]
  33. vgl. BVerfGE 39, 1, 42; 121, 317, 356[]
  34. vgl. BVerfGE 61, 149, 198; BVerfG, Beschlüs­se vom 20.11.1997 – 1 BvR 2068/​93, NVwZ 1998, 271 f.; und vom 27.12.2005 – 1 BvR 1359/​05, NJW 2006, 1580 f.[]
  35. vgl. BVerfGE 99, 246, 259; 82, 60, 85[]
  36. vgl. BVerfGE 115, 25, 44[]
  37. vgl. BVerfGE 42, 263, 294, 303[]
  38. vgl. BVerfGE 42, 263, 301 f.[]
  39. BVerfGE 42, 263, 311[]
  40. BT-Drs. 16/​8743, S. 4[]
  41. vgl. BVerfGE 42, 263, 303[]
  42. vgl. BVerfGE 42, 263, 295; 112, 93, 109[]
  43. vgl. BVerfGE 82, 126, 146; 99, 165, 178[]
  44. vgl. BVerfGE 12, 151, 167; 29, 221, 237; 84, 348, 362; 96, 1, 8[]
  45. vgl. BVerfGE 40, 121, 139 f.; 43, 13, 21; 75, 78, 107[]
  46. vgl. BVerfGE 49, 192, 208[]
  47. BGBl. I S. 2445[]
  48. vgl. Bericht des Aus­schus­ses für Jugend, Fami­lie und Gesund­heit, BT-Drs. 7/​5091 S. 20 zu § 78 A[]
  49. vgl. BVerfGE 42, 263, 303, 309[]
  50. sie­he Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung vom 5. Juni 2009, BT-Drs. 16/​13308 auf die Klei­ne Anfra­ge BT-Drs. 16/​13086, Fra­ge Nr. 7[]
  51. vgl. Gesetz­ent­wurf zur Neu­ord­nung des Arz­nei­mit­tel­rechts vom 7. Janu­ar 1975, BT-Drs. 7/​3060 S. 62 zu § 81[]
  52. vgl. BT-Drs. 16/​13308 Anla­ge 1, S. 19[]
  53. vgl. BVerfGE 42, 263, 301, 303[]
  54. vgl. BSGE 54, 206, 210[]
  55. vgl. BSGE 52, 281, 287[]
  56. vgl. BSGE 54, 206, 208 f.; 52, 281, 287 m.w.N.[]
  57. vgl. BSGE 42, 172, 175[]
  58. vgl. BSG, SozR 3850 § 54 Nr. 2[]
  59. vgl. BSGE 50, 136, 140, 141[]
  60. vgl. BVerfGE 41, 126, 181[]
  61. BGBl II S. 1419[]
  62. vgl. BVerfGE 41, 88, 106; 74, 102, 128[]
  63. vgl. BVerfGE 2, 237, 243; 18, 1, 15[]
  64. vgl. BVerfGE 12, 180, 199[]