Ört­li­che Bau­pla­nung und der Lan­des­ent­wick­lungs­plan

Wel­che Aus­wir­kun­gen hat es auf einen Bebau­ungs­plan, dass er in sei­nen Fest­set­zun­gen vom Lan­des­ent­wick­lungs­plan abweicht? Die­se Fra­ge hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter jetzt zulas­ten des Bebau­ungs­plans ent­schie­den und in dem kon­kre­ten Fall den Bebau­ungs­plan Nr. 105 – E.ON Kraft­werk – der Stadt Dat­teln auf­ge­ho­ben. Die­ser soll­te die pla­nungs­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für das bereits in Bau befind­li­che größ­te Stein­koh­le Mono­block-Kraft­werk Euro­pas mit einer elek­tri­schen Leis­tung von ca. 1050 MW und einem Anteil von 0,73 % des deutsch­land­weit zuläs­si­gen CO2-Aus­sto­ßes schaf­fen. Geplant ist das Pro­jekt am süd-öst­li­chen Stadt­rand von Dat­teln unmit­tel­bar am Dort­mund-Ems-Kanal und an der Gren­ze zu Waltrop. Die nächs­ten Wohn­ge­bie­te lie­gen ca. 400–500m vom Plan­ge­biet ent­fernt. Der gegen den Bebau­ungs­plan gerich­te­te Nor­men­kon­troll­an­trag eines Waltro­per Land­wirts hat­te Erfolg.

Ört­li­che Bau­pla­nung und der Lan­des­ent­wick­lungs­plan

Die Pla­nung am vor­ge­se­he­nen Stand­ort ver­sto­ße, so das OVG Müns­ter in sei­ner Urteils­be­grün­dung, gegen Zie­le der Lan­des­pla­nung. Der Lan­des­ent­wick­lungs­plan sehe als Stand­ort für ein Groß­kraft­werk ein wei­ter von der Wohn­be­bau­ung ent­fernt lie­gen­des Gebiet im Nord­os­ten der Stadt vor. Hier­an sei die Kom­mu­ne jeden­falls bei einem Pro­jekt von lan­des­wei­ter Bedeu­tung gebun­den. Der Rat der Stadt Dat­teln habe auch die Vor­ga­ben des Lan­des­ent­wick­lungs­pro­gramms und des Lan­des­ent­wick­lungs­plans zur res­sour­cen- und kli­ma­schüt­zen­den Ener­gie­nut­zung nicht hin­rei­chend berück­sich­tigt. Die Stadt Dat­teln habe fer­ner das Gefähr­dungs­po­ten­ti­al des Kraft­werks und den Schutz der Bevöl­ke­rung im Fal­le eines nicht aus­zu­schlie­ßen­den Stör­falls in der Abwä­gung nicht aus­rei­chend beach­tet. Der Bebau­ungs­plan bewäl­ti­ge die von ihm aus­ge­lös­ten Kon­flik­te nicht im erfor­der­li­chen Umfang. Die Kom­mu­ne habe eine Kon­flikt­lö­sung viel­mehr in unzu­läs­si­ger Wei­se in nach­fol­gen­de Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren ver­la­gert. Den Inter­es­sen des Natur- und Land­schafts­schut­zes sei eben­falls nicht aus­rei­chend Rech­nung getra­gen wor­den. Der Umfang des geplan­ten Flä­chen­ver­brauchs von ca. 64 ha. sei nicht plau­si­bel. Frag­lich sei außer­dem, ob die Aus­wir­kun­gen des ca. 180 m hohen – auch die Abga­se ablei­ten­den – Kühl­tur­mes auf die benach­bar­te Wohn­be­völ­ke­rung und das Land­schafts­bild sowie die zu erwar­ten­den Luft- und Lärm­im­mis­sio­nen aus­rei­chend ermit­telt und abge­wo­gen wor­den sei­en.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 3. Sep­tem­ber 2009 – 10 D 121/​07.NE