Rechts­an­wen­dungs­feh­ler eines Gerichts – und die Ver­fas­sungs­be­schwer­de

Nach § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG ist ein Beschwer­de­füh­rer gehal­ten, inner­halb der Beschwer­de­frist die Grund­rechts­ver­let­zung durch Bezeich­nung des angeb­lich ver­letz­ten Rechts und des die Ver­let­zung ent­hal­ten­den Vor­gangs sub­stan­ti­iert und schlüs­sig vor­zu­tra­gen.

Rechts­an­wen­dungs­feh­ler eines Gerichts – und die Ver­fas­sungs­be­schwer­de

Dabei hat er auch dar­zu­le­gen, inwie­weit durch die ange­grif­fe­ne Maß­nah­me das bezeich­ne­te Grund­recht ver­letzt sein soll 1. Wer­den gericht­li­che Ent­schei­dun­gen ange­grif­fen, so muss sich der Beschwer­de­füh­rer auch mit deren Grün­den aus­ein­an­der­set­zen 2.

Aus­le­gung und Anwen­dung des ein­fa­chen Rechts sind Sache der Fach­ge­rich­te; das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bean­stan­det nur die Ver­let­zung von Ver­fas­sungs­recht.

Die Schwel­le eines Ver­sto­ßes gegen Ver­fas­sungs­recht, den das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zu kor­ri­gie­ren hat, ist erst erreicht, wenn die Aus­le­gung oder Anwen­dung des Rechts durch die Fach­ge­rich­te Feh­ler erken­nen lässt, die auf einer grund­sätz­lich unrich­ti­gen Anschau­ung von der Bedeu­tung des Grund­rechts, ins­be­son­de­re vom Umfang sei­nes Schutz­be­reichs, beru­hen und auch in ihrer mate­ri­el­len Bedeu­tung für den kon­kre­ten Rechts­fall von eini­gem Gewicht sind 3.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 21. Sep­tem­ber 2016 – 1 BvR 1825/​16

  1. vgl. BVerfGE 99, 84, 87; 108, 370, 386[]
  2. vgl. BVerfGE 101, 331, 345; 105, 252, 264[]
  3. vgl. BVerfGE 89, 1, 9 f.; 99, 145, 160[]