Rechts­mit­tel­ver­zicht als Ein­wil­li­gung in eine Sprung­re­vi­si­on

Erklärt eine Par­tei, für den Fall, dass der Geg­ner ein Revi­si­ons­ver­fah­ren betrei­ben will, auf die Ein­le­gung eines Rechts­mit­tels zu ver­zich­ten, kann die Erklä­rung nach §§ 133, 157 BGB ana­log als Zustim­mung zur Sprung­re­vi­si­on aus­ge­legt wer­den.

Rechts­mit­tel­ver­zicht als Ein­wil­li­gung in eine Sprung­re­vi­si­on

Gemäß § 134 Abs. 1 Satz 3 VwGO ist die Zustim­mung des Rechts­mit­tel­geg­ners zur Ein­le­gung der Sprung­re­vi­si­on, die im Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts zuge­las­sen wur­de, der Revi­si­ons­schrift bei­zu­fü­gen. Dabei hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Über­mitt­lung der Zustim­mungs­er­klä­rung an das Gericht per Tele­fax genü­gen las­sen unab­hän­gig davon, ob der Revi­si­ons­klä­ger die Zustim­mungs­er­klä­rung sei­ner­seits per Tele­fax oder auf ande­re Wei­se emp­fan­gen hat 1. Denn es besteht kein Grund, die­sen Über­mitt­lungs­weg nicht für die Zustim­mungs­er­klä­rung des Geg­ners und deren Wei­ter­lei­tung zuzu­las­sen, nach­dem auch die Ein­le­gung der Revi­si­on selbst per Tele­fax zuläs­sig ist 2. Soweit der 2. und der 6. Senat des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts hier­zu eine gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung ver­tre­ten hat­ten 3, haben sie auf Anfra­ge des 9. Senats mit­ge­teilt, dass sie dar­an nicht fest­hal­ten.

Das von der Klä­ge­rin im hier ent­schie­de­nen Fall vor­ge­leg­te Schrei­ben, nach dem die Beklag­te bereit ist, für den Fall, dass die Klä­ge­rin ein Revi­si­ons­ver­fah­ren betrei­ben will, auf die Ein­le­gung eines Rechts­mit­tels zu ver­zich­ten, ent­hält zwar kei­ne wört­li­che Zustim­mung zur Ein­le­gung der Sprung­re­vi­si­on. Das Schrei­ben kann aber im Sin­ne der Zustim­mung zur Ein­le­gung der Sprung­re­vi­si­on aus­ge­legt wer­den (§§ 133, 157 BGB ana­log), weil dar­in ein Rechts­mit­tel­ver­zicht erklärt wird, der sich auch auf den Ver­zicht auf die Beru­fung bezieht. Die­ser wie­der­um ist nach § 134 Abs. 5 VwGO die Fol­ge der Zustim­mung zur Sprung­re­vi­si­on. Dem Schutz der Beklag­ten, sie vor ent­spre­chen­der Unkennt­nis zu bewah­ren, ist damit genü­ge getan 4.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 5. Mai 2015 – 9 C 6.2014 -

  1. BVerwG, Urteil vom 19.02.2015 – 9 C 10.14[]
  2. stRspr, zu § 161 Abs. 1 SGG, vgl. BSG, Urtei­le vom 19.03.1997 – 6 RKa 36/​95NZS 1998, 152; vom 22.04.1998 – B 9 SB 7/​97 R 17 f.; vom 13.03.2001 – B 3 KR 12/​00 RBSGE 88, 1, 2 f.; vom 07.07.2011 – B 14 AS 153/​10 RBSGE 108, 289 Rn. 13; und vom 12.07.2012 – B 3 KR 18/​11 RBSGE 111, 200 Rn. 8[]
  3. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 25.08.2005 – 6 C 20.04, Buch­holz 310 § 134 VwGO Nr. 52 Rn. 14 ff.; vom 18.01.2006 – 6 C 21.05, Buch­holz 310 § 134 VwGO Nr. 53 Rn. 5 ff; und vom 18.09.2008 – 2 C 125.07 1, 9[]
  4. zur Aus­le­gung von pro­zes­sua­len Wil­lens­er­klä­run­gen vgl. BVerwG, Urteil vom 27.04.1990 – 8 C 70.88, Buch­holz 310 § 74 VwGO Nr. 9 S. 5 m.w.N.[]