Rück­for­de­rung von Blin­den­geld

Ist in einem Bescheid über die Gewäh­rung von Blin­den­geld der Hin­weis auf die Mit­tei­lungs­pflicht des Blin­des nicht in für die­sen wahr­nehm­ba­rer Form zugäng­lich gemacht wor­den, so han­delt der Blin­de nicht grob fahr­läs­sig, wenn er der zustän­di­gen Behör­de nicht sei­nen Umzug in ein Senio­ren­heim mit­teilt.

Rück­for­de­rung von Blin­den­geld

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Rück­zah­lung des zu Unrecht erhal­te­nen Blin­den­gel­des ver­neint. Die beklag­te Stadt bewil­lig­te dem blin­den Klä­ger ab Dezem­ber 2005 Blin­den­geld in Höhe von 410,00 € monat­lich. Die­ser befin­det sich seit Janu­ar 2008 in einem Senio­ren­heim. Eine Mit­tei­lung an das Sozi­al­amt hier­über unter­blieb, obwohl der Klä­ger in dem schrift­li­chen Bewil­li­gungs­be­scheid auf die ent­spre­chen­de Pflicht hin­ge­wie­sen wur­de. Nach­dem die Beklag­te im Jahr 2010 von dem Heim­auf­ent­halt erfah­ren hat­te, for­der­te sie den Klä­ger zur Rück­zah­lung des zu Unrecht gezahl­ten Blin­den­gel­des in Höhe von 14.166,00 € auf. Die hier­ge­gen erho­be­ne Kla­ge wies das Ver­wal­tungs­ge­richt ab. Dar­auf­hin hat der Klä­ger Beru­fung ein­ge­legt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung argu­men­tiert das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, der Klä­ger habe zwar das Blin­den­geld zu Unrecht erhal­ten, weil ein Anspruch auf die­se Leis­tung wäh­rend eines Heim­auf­ent­hal­tes nicht bestehe. Auch habe er gegen die Pflicht ver­sto­ßen, der Beklag­ten den Umzug in das Senio­ren­heim mit­zu­tei­len. Hier­für genü­ge die Ummel­dung bei der Mel­de­be­hör­de nicht. Jedoch habe er sei­ne Mit­tei­lungs­pflicht nicht grob fahr­läs­sig ver­letzt. Denn nach den gesetz­li­chen Vor­ga­ben zum Ver­bot der Benach­tei­li­gung behin­der­ter Men­schen sei­en Behör­den ver­pflich­tet, Schrift­stü­cke Blin­den in einer für sie wahr­nehm­ba­ren Form zugäng­lich zu machen. Dies sei nicht gesche­hen. Auch kön­ne nicht fest­ge­stellt wer­den, dass der Bewil­li­gungs­be­scheid dem blin­den Klä­ger von einem Ange­hö­ri­gen vor­ge­le­sen wor­den sei und er auf die­se Art von sei­ner Mit­tei­lungs­pflicht Kennt­nis erlangt habe. Des­halb sei er nicht in der Lage gewe­sen, die Beklag­te über sei­nen Umzug in ein Senio­ren­heim zu infor­mie­ren.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 25. Juni 2012 – 7 A 10286/​12.OVG