Sofor­ti­ge Voll­zie­hung und effek­ti­ver Rechts­schutz

Art. 19 Abs. 4 GG gewährt nicht nur das for­mel­le Recht und die theo­re­ti­sche Mög­lich­keit, die Gerich­te anzu­ru­fen, son­dern auch die Effek­ti­vi­tät des Rechts­schut­zes; der Grund­rechts­trä­ger hat einen sub­stan­ti­el­len Anspruch auf eine tat­säch­lich wirk­sa­me gericht­li­che Kon­trol­le 1. Der Rechts­schutz­ga­ran­tie des Art. 19 Abs. 4 GG kommt daher nicht nur die Auf­ga­be zu, jeden Akt der Exe­ku­ti­ve, der in Rech­te des Grund­rechts­trä­gers ein­greift, voll­stän­dig der rich­ter­li­chen Prü­fung zu unter­stel­len, son­dern auch irrepa­ra­ble Ent­schei­dun­gen, wie sie durch die sofor­ti­ge Voll­zie­hung einer hoheit­li­chen Maß­nah­me ein­tre­ten kön­nen, soweit als mög­lich aus­zu­schlie­ßen 2.

Sofor­ti­ge Voll­zie­hung und effek­ti­ver Rechts­schutz

Aller­dings kön­nen über­wie­gen­de öffent­li­che Belan­ge es recht­fer­ti­gen, den Rechts­schutz­an­spruch des Grund­rechts­trä­gers einst­wei­len zurück­zu­stel­len, um unauf­schieb­ba­re Maß­nah­men im Inter­es­se des all­ge­mei­nen Wohls recht­zei­tig in die Wege zu lei­ten. Dabei ist der Rechts­schutz­an­spruch umso stär­ker und darf umso weni­ger zurück­ste­hen, je schwer­wie­gen­der die auf­er­leg­te Belas­tung ist und je mehr die Maß­nah­men der Ver­wal­tung Unab­än­der­li­ches bewir­ken 3.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 8. Novem­ber 2010 – 1 BvR 722/​10

  1. vgl. BVerfGE 35, 263, 274; 35, 382, 401 f.; 93, 1, 13; stän­di­ge Recht­spre­chung
  2. vgl. BVerfGE 35, 263, 274
  3. vgl. BVerfGE 35, 382, 402