Die Grund­was­ser­ent­nah­me für eine Papier­fa­brik

Sind für eine was­ser­recht­li­che Bewil­li­gung die UVP-Vor­prü­fung, die Pro­gno­se der nach­tei­li­gen Aus­wir­kun­gen auf den Was­ser- und Natur­haus­halt und die Ermes­sens­ent­schei­dung des Land­krei­ses auf einer belast­ba­ren fach­li­chen Grund­la­ge erfolgt und bereits vor­han­de­ne Schä­den auf Nach­bar­grund­stü­cken nicht auf die Grund­was­ser­ent­nah­me, son­dern auf ande­re Ursa­chen zurück­zu­füh­ren, ist die was­ser­recht­li­che Bewil­li­gung recht­mä­ßig und die Nach­barn dadurch nicht in ihren Rech­ten ver­letzt.

Die Grund­was­ser­ent­nah­me für eine Papier­fa­brik

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len die Kla­gen gegen eine sofort voll­zieh­ba­re was­ser­recht­li­che Bewil­li­gung des Land­krei­ses Fries­land, die eine Papier- und Kar­ton­fa­brik in Varel zu einer um 1,7 Mio. m³ erhöh­ten Grund­was­ser­ent­nah­me für die indus­tri­el­le Papier- und Kar­ton­her­stel­lung berech­tigt, abge­wie­sen. Die Papier- und Kar­ton­fa­brik wird seit län­ge­rem im Nor­den der Stadt Varel betrie­ben. Auf Grund­la­ge einer was­ser­recht­li­chen Bewil­li­gung aus dem Jahr 2004 ist sie bereits zu einer Grund­was­ser­ent­nah­me für betrieb­li­che Zwe­cke von bis zu 2,8 Mio. m³ pro Jahr berech­tigt. Die nun­mehr vom Land­kreis Fries­land erteil­te was­ser­recht­li­che Bewil­li­gung vom 16. Juli 2013 berech­tigt die Fabrik zu einer um 1,7 Mio. m³ erhöh­ten Grund­was­ser­ent­nah­me, mit­hin zu einer Was­ser­ent­nah­me von bis zu 4,5 Mio. m³ jähr­lich für 30 Jah­re. Die Bewil­li­gung ent­hält diver­se Neben­be­stim­mun­gen zu Beweis­si­che­rungs- und Moni­to­ring­maß­nah­men, die in einem zuge­hö­ri­gen umfang­rei­chen Durch­füh­rungs­plan näher gere­gelt wer­den. Der erhöh­te Grund­was­ser­be­darf ergibt sich im Zusam­men­hang mit Umbau und ange­streb­tem Betrieb einer vor­han­de­nen Papier­ma­schi­ne zu einer Mul­ti­pro­duk­ti­ons­an­la­ge mit erhöh­ter Pro­duk­ti­ons­leis­tung.

Gegen die was­ser­recht­li­che Bewil­li­gung wand­ten sich der Eigen­tü­mer eines Wohn­grund­stücks und ein Land­wirt. Bereits im umfang­rei­chen Bewil­li­gungs­ver­fah­ren hat­ten sie mit sach­ver­stän­di­ger Hil­fe Ein­wen­dun­gen vor­ge­tra­gen. Sie mei­nen, neben der Vor­prü­fung des Ein­zel­falls hät­te es auch einer voll­stän­di­gen Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung (UVP) bedurft. Die Bewil­li­gung sei rechts­wid­rig, weil die erhöh­te Grund­was­ser­ent­nah­me zu Beein­träch­ti­gun­gen des Was­ser- und Natur­haus­halts füh­re. Zudem wür­den ihre Rech­te und Inter­es­sen beein­träch­tigt, ohne dass dies durch die vor­ge­se­he­nen Inhalts- und Neben­be­stim­mun­gen der Bewil­li­gung aus­ge­gli­chen wer­den könn­te. Die zugrun­de lie­gen­de Gefähr­dungs­pro­gno­se sei angreif­bar und feh­ler­haft. Schon jetzt gebe es Schä­den an ihren Grund­stü­cken und ande­ren­orts, für die die bis­he­ri­ge Grund­was­ser­ent­nah­me ursäch­lich sei.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Olden­burg sei die was­ser­recht­li­che Bewil­li­gung recht­mä­ßig und ver­let­ze die Klä­ger nicht in ihren Rech­ten. Eine wei­ter­ge­hen­de UVP sei nicht gebo­ten gewe­sen. Die UVP-Vor­prü­fung, die Pro­gno­se der nach­tei­li­gen Aus­wir­kun­gen auf den Was­ser- und Natur­haus­halt und die Ermes­sens­ent­schei­dung des Land­krei­ses sei­en auf einer belast­ba­ren fach­li­chen Grund­la­ge erfolgt. Das zugrun­de lie­gen­de hydro­geo­lo­gi­sche Gut­ach­ten sei umfang­reich fach­be­hörd­lich und gut­ach­ter­lich über­prüft wor­den. Über­ein­stim­mend sei fest­ge­stellt wor­den, dass die von den Klä­gern befürch­te­ten nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen ent­we­der nicht auf­trä­ten, nicht kau­sal oder nach Maß­ga­be der Neben­be­stim­mun­gen aus­zu­glei­chen sei­en. Umfäng­li­che Unter­su­chun­gen, auch betref­fend die von den Klä­gern ange­zeig­ten Schä­den auf ihren Grund­stü­cken, beleg­ten, dass die­se nicht auf die Grund­was­ser­ent­nah­me, son­dern auf ande­re Ursa­chen (man­geln­de Grün­dungs­ver­hält­nis­se, jahr­zehn­te­lan­ge Moor­ent­wäs­se­rung zuguns­ten der Land­wirt­schaft und kli­ma­ti­sche Ein­flüs­se) zurück­zu­füh­ren sei­en. Das in Neben­be­stim­mun­gen ange­ord­ne­te Moni­to­ring und die Beweis­si­che­rung dien­ten der Über­prü­fung der Pro­gno­sen und ermög­lich­ten ein effek­ti­ves nach­träg­li­ches Ein­schrei­ten, um gege­be­nen­falls doch auf­tre­ten­de Beein­träch­ti­gun­gen aus­zu­glei­chen. Der Land­kreis habe sein was­ser­recht­li­ches Bewirt­schaf­tungs­er­mes­sen ord­nungs­ge­mäß aus­ge­übt und Alter­na­ti­ven zur Grund­was­ser­ent­nah­me und eine kür­ze­re Bewil­li­gungs­dau­er mit ver­tret­ba­ren Grün­den ver­wor­fen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg, Urtei­le vom 26. Febru­ar 2014 – 5 A 5671/​13 und 5 A 5741/​13