Zuläs­sig­keit einer Zwi­schen­fest­stel­lungs­kla­ge

Eine Zwi­schen­fest­stel­lungs­kla­ge (§ 173 VwGO i.V.m. § 256 Abs. 2 ZPO) ist zu­läs­sig, wenn ein Rechts­ver­hält­nis zwi­schen den Be­tei­lig­ten strei­tig ist und von der Fest­stel­lung die­ses Rechts­ver­hält­nis­ses die Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che ab­hängt. Ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se im Sin­ne des § 43 Abs. 1 VwGO an der Fest­stel­lung ist in­so­weit nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts [1] nicht er­for­der­lich.

Zuläs­sig­keit einer Zwi­schen­fest­stel­lungs­kla­ge

Nach § 256 Abs. 2 ZPO kann bis zum Schluss der­je­ni­gen münd­li­chen Ver­hand­lung, auf die das Urteil ergeht, der Klä­ger durch Erwei­te­rung des Kla­ge­an­trags bean­tra­gen, dass ein im Lau­fe des Pro­zes­ses strei­tig gewor­de­nes Rechts­ver­hält­nis, von des­sen Bestehen oder Nicht­be­stehen die Ent­schei­dung des Rechts­streits ganz oder zum Teil abhängt, durch rich­ter­li­che Ent­schei­dung fest­ge­stellt wer­de. Zweck der Zwi­schen­fest­stel­lungs­kla­ge ist die Aus­deh­nung der Rechts­kraft auf das dem Anspruch zugrun­de lie­gen­de Rechts­ver­hält­nis, das sonst von der Rechts­kraft­wir­kung nicht erfasst wür­de [2]. Sie ist ein Ersatz dafür, dass die Ele­men­te der Ent­schei­dung zum Grund der Kla­ge nicht in Rechts­kraft erwach­sen. Vor­aus­set­zung ist daher, dass die Ent­schei­dung des Rechts­streits von dem Bestehen des Rechts­ver­hält­nis­ses abhängt. Ein wei­te­res (recht­li­ches) Inter­es­se an der als­bal­di­gen Fest­stel­lung ist dage­gen nicht erfor­der­lich. Das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se wird durch die Vor­greif­lich­keit ersetzt [3]. Vor­aus­set­zung der Zwi­schen­fest­stel­lungs­kla­ge nach § 256 Abs. 2 ZPO ist damit, dass ein Rechts­ver­hält­nis zwi­schen den Betei­lig­ten strei­tig ist, und dass von der Fest­stel­lung die­ses Rechts­ver­hält­nis­ses die Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che abhängt; dabei ist uner­heb­lich, dass die Haupt­kla­ge erst im Lau­fe des Ver­fah­rens „nach­ge­scho­ben“ wird [4].

Durch die Tren­nung hat sich dar­an nichts geän­dert. Ein Zwi­schen­fest­stel­lungs­an­trag, über den vor­ab ent­schie­den wird, ver­liert durch die Tren­nung nicht sei­nen unselbst­stän­di­gen Cha­rak­ter. Viel­mehr kann über den Fest­stel­lungs­an­trag durch Teil­ur­teil vor end­gül­ti­ger Klä­rung des Haupt­an­trags ent­schie­den wer­den [5]

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 12. Janu­ar 2012 – 7 C 5.11

  1. im An­schluss an stän­di­ge Recht­spre­chung des BGH u.a. BGH, Ur­teil vom 06.07.1989 – IX ZR 280/​88, NJW-RR 1990, 318 320; sowie BVerwG, Be­schluss vom 14.02.2011 – 7 B 49.10, NVwZ 2011, 509[]
  2. Ass­mann, in: Wieczorek/​Schütze, ZPO, 3. Aufl., § 256 Rn. 344; vgl. auch Urteil vom 09.12.1971 – 8 C 6.69, BVerw­GE 39, 135, 138[]
  3. BGH, Urteil vom 17.05.1977 – VI ZR 174/​74BGHZ 69, 37, 41; BAG, Urteil vom 26.08.2009 – 4 AZR 300/​08 – juris Rn.19[]
  4. BGH, Urteil vom 06.07.1989 – IX ZR 280/​88NJW-RR 1990, 318, 320[]
  5. vgl. BGH, Urtei­le vom 21.12.1954 – I ZR 13/​54 – LNR 1954, 13380, vom 27.10.1960 – III ZR 80/​58NJW 1961, 75 und vom 17.11.2005 – IX ZR 162/​04NJW 2006, 915[]