Zwil­ling – Teu­fels­werk oder Glücks­brin­ger?

Das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge hat den Asyl­an­trag einer Frau aus Nige­ria, die sich als Zwil­ling in der Gefahr sah, in ihrer Hei­mat im Rah­men eines Opfer­ri­tu­als getö­tet zu wer­den, als offen­sicht­lich unbe­grün­det abge­lehnt. Zu Recht, wie jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz in einem Eil­ver­fah­ren befand.

Zwil­ling – Teu­fels­werk oder Glücks­brin­ger?

Die Antrag­stel­le­rin reis­te nach ihren Anga­ben 2008 in das Bun­des­ge­biet ein und stell­te in der Fol­ge einen Asyl­an­trag. Sie habe kei­ne Eltern mehr, aber eine Zwil­lings­schwes­ter, mach­te sie gel­tend. In dem Dorf, in dem sie gelebt habe, wür­den alle fünf Jah­re von einer bestimm­ten Grup­pe im Rah­men von Fei­er­lich­kei­ten Zwil­lin­ge auf einem Altar geop­fert, indem man ihr Blut ablas­se. Des­halb habe sie auf den Rat ihres Onkels ihre Hei­mat ver­las­sen. Da sie Chris­tin sei, habe sie kei­ne nähe­re Kennt­nis über die besag­te Grup­pe. Nach­dem das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge den Asyl­an­trag als offen­sicht­lich unbe­grün­det abge­lehnt hat­te, bean­trag­te die Antrag­stel­le­rin beim Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz im Rah­men eines Eil­ver­fah­rens die Aus­set­zung des Sofort­voll­zugs der Ableh­nungs­ent­schei­dung, infol­ge der sie ver­pflich­tet war, bin­nen einer Woche aus­zu­rei­sen.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz hat den Antrag jedoch abge­lehnt, da die von der Antrag­stel­le­rin beschrie­be­ne Ver­fol­gungs­ge­fahr nicht glaub­haft sei. Zum einen sei schon nicht nach­voll­zieh­bar, wes­halb die Antrag­stel­le­rin als Chris­tin der besag­ten Grup­pe zum Opfer hät­te fal­len sol­len. Da Men­schen­op­fer in Nige­ria ver­bo­ten und straf­bar sei­en, hät­te sie sich außer­dem unter den Schutz der Poli­zei stel­len kön­nen. Vor allem aber sei Fol­gen­des zu sehen: Bei der Volks­grup­pe der Yoru­ba, der die Antrag­stel­le­rin nach ihren Anga­ben ange­hö­re, gebe es über­durch­schnitt­lich vie­le Zwil­lin­ge und bis in die Mit­te des 19. Jahr­hun­derts sei­en die­se als Teu­fels­werk ange­se­hen wor­den, so dass oft­mals eines der Zwil­lings­kin­der, manch­mal auch bei­de und mit­un­ter sogar die Mut­ter nach der Geburt getö­tet wor­den sei­en. Seit der Mit­te des 19. Jahr­hun­derts habe sich die Sicht­wei­se jedoch ins Posi­ti­ve ver­kehrt. Man habe begon­nen, Zwil­lin­ge beson­ders zu ver­eh­ren und im heu­ti­gen Nige­ria wür­den sie als Geschenk Got­tes und Glücks­brin­ger ange­se­hen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz, Beschluss vom 2. März 2010 – 6 L 105/​10.MZ