1:0 für die Hartz­platz­hel­den

Für Ama­teur­fuß­ball­spie­le besteht nach einem ges­tern ver­kün­de­ten Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs kein wett­be­werbs­recht­li­cher Leis­tungs­schutz. Ein Fuß­ball­ver­band muss es daher hin­neh­men, wenn kur­ze Film­aus­schnit­te von Ama­teur­fuß­ball­spie­len sei­ner Mit­glie­der im Inter­net öffent­lich zugäng­lich gemacht wer­den.

1:0 für die Hartz­platz­hel­den

Hin­ter­grund des Karls­ru­her Urteils ist die Inter­net-Site "Hartz­platz­hel­den", auf der die Beklag­te ein durch Wer­be­ein­nah­men finan­zier­tes Inter­net­por­tal betreibt, in das Besu­cher von Ama­teur­fuß­ball­spie­len selbst auf­ge­nom­me­ne Fil­me ein­stel­len kön­nen, die ein­zel­ne Sze­nen des Spiel­ge­sche­hens von ein- bis ein­ein­halb­mi­nü­ti­ger Dau­er wie­der­ge­ben. Die Film­aus­schnit­te kön­nen von ande­ren Inter­net­nut­zern kos­ten­los auf­ge­ru­fen und ange­se­hen wer­den.

Der Klä­ger, der Würt­tem­ber­gi­sche Fuß­ball­ver­band e.V., ist der Ansicht, dass ihm als Ver­an­stal­ter der Spie­le in sei­nem Ver­bands­ge­biet das aus­schließ­li­che Recht zu deren gewerb­li­cher Ver­wer­tung zusteht. Er hat daher von der Beklag­ten unter dem Gesichts­punkt der unzu­läs­si­gen Leis­tungs­über­nah­me, der wett­be­werbs­wid­ri­gen Behin­de­rung sowie des Ein­griffs in sein Recht am ein­ge­rich­te­ten und aus­ge­üb­ten Gewer­be­be­trieb Unter­las­sung ver­langt.

Die Kla­ge hat­te vor dem erst­in­stanz­lich hier­mit befass­ten Land­ge­richt Stutt­gart zunächst Erfolg1, eben­so auch vor dem Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, dass die Beru­fung gegen das land­ge­richt­li­che Urteil zurück­ge­wie­sen hat2.

Der Bun­des­ge­richts­hof sah dies nun jedoch anders, ver­nein­te ein aus­schließ­li­ches Ver­wer­tungs­recht des kla­gen­den Fuß­ball­ver­ban­des ver­neint und wies die Kla­ge dem­entspre­chend ab. Maß­geb­lich dafür war, dass die Ver­öf­fent­li­chung der Film­aus­schnit­te ent­ge­gen der Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Stutt­gart nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs kei­ne nach § 4 Nr. 9 Buchst. b UWG unlau­te­re Nach­ah­mung eines geschütz­ten Leis­tungs­er­geb­nis­ses dar­stellt. Die vom Klä­ger erbrach­te Leis­tung der Orga­ni­sa­ti­on und Durch­füh­rung der Fuß­ball­spie­le bedarf im Übri­gen nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs kei­nes sol­chen Schut­zes. Der Klä­ger kann sich über die ihm ange­hö­ri­gen Ver­ei­ne eine ent­spre­chen­de wirt­schaft­li­che Ver­wer­tung der Fuß­ball­spie­le in sei­nem Ver­bands­ge­biet dadurch hin­rei­chend sichern, dass Besu­chern der Fuß­ball­spie­le Film­auf­nah­men unter Beru­fung auf das Haus­recht unter­sagt wer­den. Unter die­sen Umstän­den hat der Bun­des­ge­richts­hof ein beson­de­res Aus­schließ­lich­keits­recht von Sport­ver­bän­den auch unter den wei­te­ren vom Klä­ger her­an­ge­zo­ge­nen Gesichts­punk­ten ver­neint.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. Okto­ber 2010 – I ZR 60/​09 – Hart­platz­hel­den

  1. LG Stutt­gart, Urteil vom 08.05.2008 – 41 O 3/​08 KfH, CR 2008, 528 = MMR 2008, 551 []
  2. OLG Stutt­gart, Urteil vom 19.03.2009 – 2 U 47/​08,
    CR 2009, 386 = MMR 2009, 395 []