Anga­ben zum PKW-Kraft­stoff­ver­brauch

"Modell" im Sin­ne des § 5 Abs. 1 Pkw-EnVKV ist nach § 2 Nr. 15 der Pkw-Ener­gie­ver­brauchs­kenn­zeich­nungs­ver­ord­nung (Pkw-EnVKV) die Han­dels­be­zeich­nung eines Fahr­zeugs, bestehend aus Fabrik­mar­ke, Typ sowie gege­be­nen­falls Vari­an­te und Ver­si­on eines Per­so­nen­kraft­wa­gens. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass nach § 2 Nr. 6 Pkw-EnVKV in Ver­bin­dung mit Art. 2 Nr. 6 der Richt­li­nie 1999/​94/​EG dann, wenn unter einem Modell meh­re­re Vari­an­ten und/​oder Ver­sio­nen zusam­men­ge­fasst sind, der Wert für die CO2-Emis­sio­nen die­ses Modells auf der Grund­la­ge der Vari­an­te oder Ver­si­on mit den höchs­ten offi­zi­el­len CO2-Emis­sio­nen inner­halb die­ser Grup­pe anzu­ge­ben sind.

Anga­ben zum PKW-Kraft­stoff­ver­brauch

Die in Anhang IV Unter­ab­satz 3 der Richt­li­nie 1999/​94/​EG ent­hal­te­ne Bestim­mung, wonach der Kraft­stoff­ver­brauch nicht ange­ge­ben wer­den muss, wenn in der Wer­be­schrift ledig­lich auf die Fabrik­mar­ke und nicht auf ein bestimm­tes Modell ver­wie­sen wird, recht­fer­tigt nicht den Umkehr­schluss, dass in einem sol­chen Fall immer­hin die CO2-Emis­sio­nen ange­ge­ben wer­den müs­sen.

Nach § 5 Abs. 1 Pkw-EnVKV haben Her­stel­ler und Händ­ler, die Wer­be­schrif­ten ver­wen­den, sicher­zu­stel­len, dass dort Anga­ben über die offi­zi­el­len spe­zi­fi­schen CO2-Emis­sio­nen der betref­fen­den Model­le neu­er Per­so­nen­kraft­wa­gen nach Maß­ga­be von Abschnitt I der Anla­ge 4 die­ser Ver­ord­nung gemacht wer­den. Nach die­sem Abschnitt – I sind für das in der Wer­be­schrift genann­te Fahr­zeug­mo­dell Anga­ben über die offi­zi­el­len spe­zi­fi­schen CO2-Emis­sio­nen im kom­bi­nier­ten Test­zy­klus zu machen (Nr. 1 Satz 1), wobei die Anga­ben auch bei flüch­ti­gem Lesen leicht ver­ständ­lich, gut les­bar und eben­so her­vor­ge­ho­ben sein müs­sen wie der Haupt­teil der Wer­be­bot­schaft (Nr. 2). Wird für meh­re­re Model­le gewor­ben, sind ent­we­der die Wer­te für jedes Modell anzu­füh­ren oder es ist die Spann­brei­te zwi­schen den ungüns­tigs­ten und den güns­tigs­ten offi­zi­el­len spe­zi­fi­schen CO2-Emis­sio­nen im kom­bi­nier­ten Test­zy­klus anzu­ge­ben (Nr. 1 Satz 2). Nach Abschnitt – I Nr. 3 der Anla­ge 4 der Pkw-EnVKV ist eine Anga­be der CO2-Wer­te nicht erfor­der­lich, wenn nicht für ein bestimm­tes Modell, son­dern ledig­lich für die Fabrik­mar­ke gewor­ben wird.

Ein Ver­let­zungs­un­ter­las­sungs­an­spruch ist aller­dings nur dann begrün­det, wenn die bean­stan­de­te Wer­bung der Beklag­ten auch schon gegen die zum Zeit­punkt ihres Erschei­nens im Som­mer 2011 gel­ten­den Bestim­mun­gen der Pkw-Ener­gie­ver­brauchs­kenn­zeich­nungs­ver­ord­nung ver­stieß und des­halb wett­be­werbs­wid­rig war 1. Dem­entspre­chend ist im vor­lie­gend vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall bei der Beur­tei­lung die­ses Anspruchs auch die Fas­sung des Abschnitts I Num­mer 3 der Anla­ge 4 zur Pkw-EnVKV zu berück­sich­ti­gen, die bis zum 30.11.2011 gegol­ten hat. Danach war eine Anga­be der CO2-Wer­te auch dann nicht erfor­der­lich, wenn ledig­lich für einen Typ gewor­ben wur­de und kei­ne Anga­ben zur Moto­ri­sie­rung gemacht wur­den. Die­se Rege­lung ist auch für den Anspruch auf Erstat­tung der Abmahn­kos­ten gemäß dem Kla­ge­an­trag zu 2 maß­geb­lich, für den es allein auf die Rechts­la­ge im Zeit­punkt der von der Klä­ge­rin aus­ge­spro­che­nen Abmah­nung ankommt 2.

Davon unab­hän­gig bestand und besteht die in § 5 Abs. 1 Pkw-EnVKV bestimm­te und in Abschnitt – I der Anla­ge 4 zu die­ser Ver­ord­nung näher kon­kre­ti­sier­te Ver­pflich­tung zur Anga­be der offi­zi­el­len CO2-Emis­sio­nen sowohl nach der Fas­sung, in der die­se Bestim­mun­gen bis zum 30.11.2011 gegol­ten haben, als auch nach der Fas­sung, die seit­her gilt, nur bei einer Wer­bung für bestimm­te Model­le neu­er Per­so­nen­kraft­wa­gen.

Die­se Rege­lung stimmt mit der in Art. 6 Abs. 1 und Anhang IV der Richt­li­nie 1999/​94/​EG ent­hal­te­nen Rege­lung über­ein. Nach Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 1999/​94/​EG stel­len die Mit­glied­staa­ten sicher, dass alle Wer­be­schrif­ten die offi­zi­el­len spe­zi­fi­schen CO2-Emis­si­ons­wer­te der betref­fen­den Per­so­nen­kraft­wa­gen­mo­del­le gemäß Anhang – IV die­ser Richt­li­nie ent­hal­ten. Die­se in Anhang IV Unter­ab­satz 1 Satz 1 der Richt­li­nie wie­der­hol­te Bestim­mung wird in Anhang – IV Unter­ab­satz 1 Satz 2 Nr. 1 und 2 der Richt­li­nie dahin­ge­hend kon­kre­ti­siert, dass die ent­spre­chen­den Anga­ben zumin­dest gut les­bar, nicht weni­ger her­vor­ge­ho­ben als der Haupt­teil der Wer­be­bot­schaft und bereits bei flüch­ti­gem Lesen leicht ver­ständ­lich sein soll­ten.

Nach § 2 Nr. 15 Pkw-EnVKV ist "Modell" im Sin­ne die­ser Ver­ord­nung die Han­dels­be­zeich­nung eines Fahr­zeugs, bestehend aus Fabrik­mar­ke, Typ sowie gege­be­nen­falls Vari­an­te und Ver­si­on eines Per­so­nen­kraft­wa­gens. Die­se Defi­ni­ti­on stimmt in der Sache mit der in Art. 2 Nr. 11 der Richt­li­nie 1999/​94/​EG ent­hal­te­nen Begriffs­be­stim­mung über­ein, wonach der Aus­druck "Modell" die Han­dels­be­zeich­nung der Fabrik­mar­ke, des Typs und gege­be­nen­falls der Vari­an­te und Ver­si­on eines Per­so­nen­kraft­wa­gens bezeich­net. Nach den im zwei­ten Rechts­zug nicht ange­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts gibt es von dem mit der von der Klä­ge­rin bean­stan­de­ten Wer­be­schrift bewor­be­nen Per­so­nen­kraft­wa­gen "Mer­ce­des-Benz SLK" etwa mit dem "SLK 200", dem "SLK 250" und dem "SLK 350" meh­re­re Vari­an­ten bzw. Ver­sio­nen und damit auch meh­re­re Model­le. Eine Ver­pflich­tung zur Anga­be der gemäß § 5 Abs. 1 und Abschnitt I der Anla­ge 4 der Pkw-EnVKV zu machen­den Anga­ben hät­te für die Beklag­te danach nur dann bestan­den, wenn sie etwa für das Modell "Mer­ce­des-Benz SLK 200" gewor­ben hät­te. Das ist in der ange­grif­fe­nen Wer­bung nicht der Fall, die nur all­ge­mein das Fahr­zeug "Mer­ce­des-Benz SLK" zum Gegen­stand hat, ohne ein kon­kre­tes Modell im Sin­ne der Pkw-Ener­gie­ver­brauchs­kenn­zeich­nungs­ver­ord­nung anzu­füh­ren.

Dem Vor­ste­hen­den steht nicht ent­ge­gen, dass nach § 2 Nr. 6 Pkw-EnVKV in Ver­bin­dung mit Art. 2 Nr. 6 der Richt­li­nie 1999/​94/​EG dann, wenn unter einem Modell meh­re­re Vari­an­ten und/​oder Ver­sio­nen zusam­men­ge­fasst sind, der Wert für die CO2-Emis­sio­nen die­ses Modells auf der Grund­la­ge der Vari­an­te oder Ver­si­on mit den höchs­ten offi­zi­el­len CO2-Emis­sio­nen inner­halb die­ser Grup­pe anzu­ge­ben sind 3. Die­se bei­den Bestim­mun­gen sind gemäß § 2 Nr. 16 Pkw-EnVKV in Ver­bin­dung mit Art. 2 Nr. 12 der Richt­li­nie 1999/​94/​EG auf die Richt­li­nie 70/​156/​EWG zur Anglei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Betriebs­er­laub­nis für Kraft­fahr­zeu­ge und Kraft­fahr­zeug­an­hän­ger bezo­gen 4.

Nach Art. 2 Spie­gel­strich 7 der Richt­li­nie 70/​156/​EWG in der durch die Richt­li­nie 92/​53/​EWG geän­der­ten Fas­sung bedeu­tet "Typ" eines Fahr­zeugs, dass es sich um Fahr­zeu­ge der­sel­ben Fahr­zeug­klas­se han­delt, die sich zumin­dest hin­sicht­lich der in Anhang II B die­ser Richt­li­nie auf­ge­führ­ten Merk­ma­le nicht unter­schei­den (Satz 1), wobei ein Fahr­zeug­typ aus meh­re­ren Vari­an­ten und Ver­sio­nen bestehen kann (Satz 2; EuGH, Urteil vom 13.07.2006 C83/​05, Slg. 2006, I6799 Rn. 5 Voigt [inso­weit nicht in NJW 2006, 2539]). Für die Fahr­zeug­klas­se M 1, das heißt für Kraft­fahr­zeu­ge zur Per­so­nen­be­för­de­rung mit höchs­tens acht Sitz­plät­zen außer dem Fah­rer (vgl. Anla­ge II A 1 der Richt­li­nie 70/​156/​EWG), umfasst eine Vari­an­te eines Fahr­zeug­typs gemäß Anla­ge II B 1 Unter­ab­satz 2 Spie­gel­strich 5 und 6 Fahr­zeu­ge inner­halb eines Typs, bei denen die Unter­schie­de in der Motor­leis­tung nicht mehr als 30% betra­gen, das heißt die höchs­te Leis­tung die nied­rigs­te um nicht mehr als das 1, 3fache über­steigt und die Unter­schie­de im Hub­raum nicht mehr als 20% betra­gen, das heißt der größ­te Hub­raum den kleins­ten um nicht mehr als das 1, 2fache über­steigt.

Damit über­ein­stim­men­de Bestim­mun­gen sind in Art. 3 Nr. 17 in Ver­bin­dung mit Anhang II A Unter­ab­satz 3 und Anhang – II B 1 Unter­ab­satz 2 Spie­gel­strich 5 und 6 der Richt­li­nie 2007/​46/​EG zur Schaf­fung eines Rah­mens für die Geneh­mi­gung von Kraft­fahr­zeu­gen und Kraft­fahr­zeug­an­hän­gern sowie von Sys­te­men, Bau­tei­len und selbst­stän­di­gen tech­ni­schen Ein­hei­ten für die­se Fahr­zeu­ge ent­hal­ten. Die­se Bestim­mun­gen sind gemäß Art. 49 Abs. 2 und der Ent­spre­chungs­ta­bel­le im Anhang XXI der Richt­li­nie 2007/​46/​EG, die nach ihrem Arti­kel 50 am 29.10.2007 in Kraft getre­ten ist, an die Stel­le der ent­spre­chen­den Bestim­mun­gen der Richt­li­nie 70/​156/​EWG getre­ten. Danach kön­nen bei einem Fahr­zeug­typ wegen Unter­schie­den in der Motor­leis­tung oder im Hub­raum auch in unter­schied­li­chem Umfang CO2-Emis­sio­nen auf­tre­ten. Die­sem Umstand trägt die in § 2 Nr. 6 Pkw-EnVKV in Ver­bin­dung mit Art. 2 Nr. 6 der Richt­li­nie 1999/​94/​EG ent­hal­te­ne Rege­lung Rech­nung. Die­se Vor­schrif­ten las­sen aber kei­nen Rück­schluss dar­auf zu, was unter einem Modell im Sin­ne von § 5 Abs. 1 und Abschnitt – I der Anla­ge 4 der Pkw-EnVKV zu ver­ste­hen ist.

Der Ansicht, Abschnitt I Nr. 3 der Anla­ge 4 zur Pkw-Ener­gie­ver­brauchs­kenn­zeich­nungs­ver­ord­nung gehe inso­weit über die Richt­li­nie 1999/​94/​EG hin­aus, als sie abwei­chend von Anhang IV Unter­ab­satz 3 die­ser Richt­li­nie die Anga­be der CO2-Wer­te auch dann für ent­behr­lich hal­te, wenn nicht für ein bestimm­tes Modell, son­dern ledig­lich für die Fabrik­mar­ke gewor­ben wer­de, stimmt der Bun­des­ge­richts­hof aus­drück­lich nicht zu.

Der Anhang IV der Richt­li­nie 1999/​94/​EG knüpft an die in Art. 6 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie ent­hal­te­ne Rege­lung an, die ihrer­seits eine auf bestimm­te Per­so­nen­kraft­wa­gen­mo­del­le bezo­ge­ne Wer­bung vor­aus­setzt. Die in ihrem Unter­ab­satz 3 ent­hal­te­ne Bestim­mung, wonach der Kraft­stoff­ver­brauch nicht ange­ge­ben wer­den muss, wenn in der Wer­be­schrift ledig­lich auf die Fabrik­mar­ke und nicht auf ein bestimm­tes Modell ver­wie­sen wird, dient inso­weit ledig­lich der Klar­stel­lung. Sie recht­fer­tigt daher nicht den Umkehr­schluss, dass in einem sol­chen Fall die CO2-Emis­sio­nen ange­ge­ben wer­den müs­sen. Dies gilt umso mehr des­halb, weil nicht ersicht­lich ist, wel­cher Wert oder Wer­te­be­reich in einem sol­chen Fall ange­ge­ben wer­den soll­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. Juli 2014 – I ZR 119/​13

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 09.06.2011 – I ZR 17/​10, GRUR 2012, 188 Rn. 11 = WRP 2012, 975 – Com­pu­ter-Bild; Urteil vom 25.04.2012 – I ZR 105/​10, GRUR 2012, 1279 Rn. 16 = WRP 2012, 1517 – DAS GROSSE RÄTSELHEFT, jeweils mwN[]
  2. vgl. BGH, GRUR 2012, 188 Rn. 48 – Com­pu­ter-Bild; BGH, Urteil vom 31.05.2012 – I ZR 45/​11, GRUR 2012, 949 Rn. 32 = WRP 2012, 1086 – Miss­bräuch­li­che Ver­trags­stra­fe, jeweils mwN[]
  3. aA OLG Frank­furt, Urteil vom 10.05.2012 6 U 81/​11 13 f. im Hin­blick auf die seit 1.12 2011 gel­ten­de Fas­sung der Pkw-Ener­gie­ver­brauchs­kenn­zeich­nungs­ver­ord­nung[]
  4. vgl. BGH, GRUR 2010, 852 Rn. 18 – Gall­ar­do Spy­der[]