Berufs­stän­di­sche Ver­sor­gungs­wer­ke und Kin­der­er­zie­hungs­zei­ten

Ren­ten­ver­si­che­rung muss vol­le Kin­der­er­zie­hungs­zeit auch bei Wech­sel in ein Ver­sor­gungs­werk anrech­nen. Kin­der­er­zie­hungs­zei­ten müs­sen in der Ren­ten­ver­si­che­rung auch dann voll­stän­dig aner­kannt wer­den, wenn Müt­ter oder Väter vor Ablauf der 3jährigen Kin­der­er­zie­hungs­zei­ten in ein berufs­stän­di­sches Ver­sor­gungs­werk wech­seln. Das ent­schied in einem jetzt ver­öf­fent­lich­ten Urteil das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt.

Berufs­stän­di­sche Ver­sor­gungs­wer­ke und Kin­der­er­zie­hungs­zei­ten

Im vor­lie­gen­den Fall hat­te eine jun­ge Mut­ter aus Esch­born andert­halb Jah­re nach der Geburt ihres Kin­des eine Tätig­keit als selb­stän­di­ge Rechts­an­wäl­tin auf­ge­nom­men, war Pflicht­mit­glied im Ver­sor­gungs­werk der Rechts­an­wäl­te im Lan­de Hes­sen gewor­den und hat sich von der Mit­glied­schaft in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung befrei­en las­sen. Gleich­zei­tig bean­trag­te sie bei der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung, ihr die Kin­der­er­zie­hungs­zei­ten in vol­ler Höhe, also für drei Jah­re, anzu­er­ken­nen. Das lehn­te die Ver­si­che­rung
ab, da die Rechts­an­wäl­tin zum Zeit­punkt ihres Wech­sels erst andert­halb Jah­re Kin­der­er­zie­hungs­zeit rea­li­siert habe. Den Rest müs­se sie sich vom Ver­sor­gungs­werk der Rechts­an­wäl­te aner­ken­nen las­sen. Die Darm­städ­ter Rich­ter gaben der Rechts­an­wäl­tin recht. Da das berufs­stän­di­sche Ver­sor­gungs­werk kei­ne Leis­tun­gen für die Zei­ten der Kin­der­er­zie­hung vor­se­he und da gleich­zei­tig ein Benach­tei­li­gungs­ver­bot für Fami­li­en, deren Eltern sich der Kin­der­er­zie­hung wid­men, gel­te, müs­se die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung hier als sub­si­dia­res Sys­tem ?ein­sprin­gen?. Ob die Sat­zung des Ver­sor­gungs­wer­kes, die eine ren­ten­recht­li­che Berück­sich­ti­gung von Kin­der­er­zie­hungs­zei­ten nicht vor­sieht, ver­fas­sungs­kon­form ist, hat­te der Senat nicht zu ent­schei­den.

Die Revi­si­on gegen die­ses Urteil wur­de vom LSG nicht zuge­las­sen.

Hes­si­sches Lan­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 2. Juli 2007 – L 2 R 366/​05 ZVW