Der kon­klu­dent geschlos­se­ne Fern­wär­me­ver­sor­gungs­ver­trag

Bei einem kon­klu­dent geschlos­se­nen Fern­wär­me­ver­trag sind die ergän­zen­den All­ge­mei­nen Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen nicht Ver­trags­in­halt gewor­den, wenn es an der erfor­der­li­chen Ein­be­zie­hungs­ver­ein­ba­rung fehlt. Die blo­ße "Bran­chen­üb­lich­keit" reicht für die Beacht­lich­keit All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen nicht aus.

Der kon­klu­dent geschlos­se­ne Fern­wär­me­ver­sor­gungs­ver­trag

So hat der Bun­des­ge­richts­hof in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines durch schlüs­si­ges Ver­hal­ten abge­schlos­se­nen Fern­wär­me­ver­sor­gungs­ver­tra­ges ent­schie­den und die Ein­be­zie­hung all­ge­mei­ner Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen ver­neint. Die beklag­te GmbH ist Eigen­tü­me­rin eines Grund­stücks in Cott­bus. Nach dem Aus­zug des Mie­ters, des­sen Fern­wär­me­ver­sor­gungs­ver­trag mit der Klä­ge­rin auf­grund einer wirk­sa­men Kün­di­gung des Mie­ters geen­det hat­te, ent­nahm die Beklag­te von der Klä­ge­rin bereit­ge­stell­te Fern­wär­me für ihr Grund­stück. Mit einer "Ver­trags­be­stä­ti­gung" begrüß­te die Klä­ge­rin die Beklag­te dar­auf­hin als neue Kun­din, mit der ein Ver­trag nach § 2 der AVB­Fern­wär­meV zustan­de gekom­men sei. Sie über­sand­te der Beklag­ten mit wei­te­rem Schrei­ben vom 19. Sep­tem­ber 2008 den Ent­wurf eines Ver­sor­gungs­ver­tra­ges. Die­ser sah eine drei­jäh­ri­ge Ver­trags­lauf­zeit sowie des­sen Ver­län­ge­rung um je ein Jahr vor, sofern der Ver­trag nicht mit einer Frist von neun Mona­ten gekün­digt wür­de.

Die Beklag­te unter­zeich­ne­te die­sen Ver­trag nicht. Sie erklär­te im März 2009 "mit sofor­ti­ger Wir­kung" die Kün­di­gung des Ver­trags. Die Klä­ge­rin meint, der Ver­trag ende erst im Sep­tem­ber 2010, weil in ihren Ergän­zen­den All­ge­mei­nen Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen eine Min­dest­lauf­zeit von einem Jahr und eine Kün­di­gungs­frist von sechs Mona­ten vor Ablauf der jewei­li­gen Ver­trags­zeit für den Kun­den vor­ge­se­hen sei­en. Für den Zeit­raum vom 28. März 2009 bis 29. Okto­ber 2009 begehrt die Klä­ge­rin unter ande­rem den für den Abrech­nungs­zeit­raum ange­fal­le­nen Grund­preis, ins­ge­samt Zah­lung von 4.633,19 Euro nebst Zin­sen und Mahn­ge­büh­ren. Die Beklag­te hat­te in die­sem Zeit­raum kei­ne Fern­wär­me mehr ent­nom­men.

Das Amts­ge­richt Cott­bus 1 hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Land­ge­richt Cott­bus 2 hat sie auf die Beru­fung der Beklag­ten hin abge­wie­sen. Mit der vom Beru­fungs­ge­richt zuge­las­se­nen Revi­si­on begehrt die Klä­ge­rin im Wesent­li­chen die Wie­der­her­stel­lung des amts­ge­richt­li­chen Urteils.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs sind die Ergän­zen­den All­ge­mei­nen Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen der Klä­ge­rin nicht Ver­trags­in­halt gewor­den, da es an der auch im kauf­män­ni­schen Ver­kehr erfor­der­li­chen Ein­be­zie­hungs­ver­ein­ba­rung fehlt. Die blo­ße "Bran­chen­üb­lich­keit" reicht für die Beacht­lich­keit All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen nicht aus. Auch aus § 1 Abs. 1 und § 2 Abs. 3 AVB­Fern­wär­meV ergibt sich nicht, dass die­se unab­hän­gig von einer Ein­be­zie­hungs­ver­ein­ba­rung (sozu­sa­gen "auto­ma­tisch") Ver­trags­in­halt gewor­den wären. Denn bei­de Bestim­mun­gen tref­fen kei­ne Rege­lung zur Ein­be­zie­hung der vom Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men gestell­ten Bedin­gun­gen in den Ver­trag. An die in § 32 Abs. 1 AVB­Fern­wär­meV gere­gel­te Kün­di­gungs­frist ist die Beklag­te nicht gebun­den, weil die­se Vor­schrift nur für Ver­trä­ge mit fes­ter Lauf­zeit gilt.

Daher ist die Beklag­te weder an die in den Ergän­zen­den All­ge­mei­nen Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen der Klä­ge­rin jeweils vor­ge­se­he­ne Min­dest­lauf­zeit von einem Jahr sowie die Kün­di­gungs­frist von sechs Mona­ten noch an die in § 32 Abs. 1 AVB­Fern­wär­meV gere­gel­te neun­mo­na­ti­ge Kün­di­gungs­frist gebun­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. Janu­ar 2014 – VIII ZR 111/​13

  1. AG Cott­bus, Urteil vom 12.04.2012 – 43 C 393/​11[]
  2. LG Cott­bus, Urteil vom 27.03.2013 – 1 S 86/​12[]