Die fehlerhafte Kostenschätzung des Architekten

Hat ein Gericht dem Grunde nach entschieden, dass der Architekt zum Ersatz des Schadens verpflichtet ist, der dadurch entstanden ist, dass der Auftraggeber infolge der fehlerhaften Kostenberatung von der Durchführung eines Bauvorhabens nicht abgesehen hat, darf es im Betragsverfahren den Schaden nicht mit der Begründung verneinen, die Kostenschätzung sei nicht fehlerhaft gewesen.

Die fehlerhafte Kostenschätzung des Architekten

Ein Berufungsgericht darf sich nicht in Widerspruch zu seinem früheren Grundurteil setzen. Das folgt zwar nicht aus der Rechtskraft im Sinne des § 322 ZPO, weil ein Zwischenurteil nach § 304 ZPO nur formell, nicht aber auch materiell rechtskräftig wird, ergibt sich aber aus der Bindungswirkung des § 318 ZPO1. Diese entspricht inhaltlich der Rechtskraft2.

Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist für den Umfang der Bindung eines Grundurteils das wirklich Erkannte maßgebend. Was erkannt worden ist, wird durch die Urteilsformel in Verbindung mit den Urteilsgründen festgelegt3.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 14. Juli 2011 – VII ZR 142/09

  1. BGH, Urteile vom 14.04.1987 – IX ZR 149/86, NJW-RR 1987, 1196; vom 05.10.1965 – VI ZR 90/64, VersR 1965, 1173, jeweils m.w.N. []
  2. BGH, Beschluss vom 21.02.1994 II ZB 13/93, NJW 1994, 1222 []
  3. BGH, Urteile vom 26.09. 1996 – VII ZR 142/95, BauR 1997, 170 = ZfBR 1997, 31; vom 22.06.1961 – VII ZR 166/60, BGHZ 35, 248, 252 []