Fern­se­hen im Hotel­zim­mer

Der Betrei­ber eines Hotels muss der GEMA kei­ne Ver­gü­tung für das Bereit­stel­len von Fern­seh­ge­rä­ten in den Hotel­zim­mern zah­len, wenn die Hotel­gäs­te mit die­sen Gerä­ten die aus­ge­strahl­ten Fern­seh­pro­gram­me nur über eine Zim­mer­an­ten­ne emp­fan­gen kön­nen.

Fern­se­hen im Hotel­zim­mer

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te die Gesell­schaft für musi­ka­li­sche Auf­füh­rungs- und mecha­ni­sche Ver­viel­fäl­ti­gungs­rech­te (GEMA) geklagt, die die ihr von Kom­po­nis­ten, Text­dich­tern und Musik­ver­le­gern ein­ge­räum­ten urhe­ber­recht­li­chen Nut­zungs­rech­te wahr­nimmt. Außer­dem führt die GEMA das Inkas­so für Ansprü­che ande­rer Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten durch. Die­se Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten neh­men die ihnen von Urhe­bern, aus­üben­den Künst­lern, Sen­de­un­ter­neh­men und Film­her­stel­lern ein­ge­räum­ten urhe­ber­recht­li­chen Nut­zungs­rech­te und Ver­gü­tungs­an­sprü­che wahr. Die Kla­ge betraf das Hotel "Königs­hof" in Ber­lin, des­sen 21 Zim­mer mit Fern­seh­ge­rä­ten aus­ge­stat­tet sind, die über eine Zim­mer­an­ten­ne ver­fü­gen, mit der das digi­ta­le ter­res­tri­sche Fern­seh­pro­gramm (DVB‑T) unmit­tel­bar emp­fan­gen wer­den kann.

Die GEMA ist der Ansicht, der Hote­lier habe durch das Bereit­stel­len der Fern­seh­ge­rä­te in das Recht der Urhe­ber und Leis­tungs­schutz­be­rech­tig­ten zur öffent­li­chen Wie­der­ga­be ihrer Wer­ke und Leis­tun­gen ein­ge­grif­fen. Sie hat den Hote­lier auf Zah­lung einer Ver­gü­tung für den Zeit­raum vom 1. Juni 2010 bis zum 30. Juni 2011 in Höhe von 765,76 € in Anspruch genom­men.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Amts­ge­richt Char­lot­ten­burg hat der Kla­ge der GEMA statt­ge­ge­ben 1, die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung des Hote­liers blieb vor dem Land­ge­richt Ber­lin eben­falls ohne Erfolg 2. Die Revi­si­on des Hote­liers hat­te nun vor dem Bun­des­ge­richts­hof Erfolg. Der Bun­des­ge­richts­hof hob die Ber­li­ner Vor­ent­schei­dun­gen auf und wies die Kla­ge ab.

Der Hote­lier hat, so der Bun­des­ge­richts­hof, durch das blo­ße Bereit­stel­len von Fern­seh­ge­rä­ten, mit denen Gäs­te des Hotels aus­ge­strahl­te Fern­seh­sen­dun­gen über eine Zim­mer­an­ten­ne emp­fan­gen kön­nen, nicht in die Rech­te von Urhe­bern oder Leis­tungs­schutz­be­rech­tig­ten zur öffent­li­chen Wie­der­ga­be ihrer Wer­ke oder Leis­tun­gen ein­ge­grif­fen. Er hat dadurch weder das Sen­de­recht (§ 15 Abs. 2 Satz 1 und 2 Nr. 3 UrhG iVm § 20 UrhG) noch das Recht der Wie­der­ga­be von Funk­sen­dun­gen (§ 15 Abs. 2 Satz 1 und 2 Nr. 5 UrhG iVm § 22 Satz 1 UrhG) und auch kein unbe­nann­tes Recht der öffent­li­chen Wie­der­ga­be ver­letzt.

Die Rech­te der Urhe­ber und Leis­tungs­schutz­be­rech­tig­ten wegen einer öffent­li­chen Wie­der­ga­be ihrer Wer­ke und Leis­tun­gen beru­hen auf Richt­li­ni­en der Euro­päi­schen Uni­on (Art. 3 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/​29/​EG und Art. 8 der Richt­li­nie 2006/​115/​EG). Der Begriff der öffent­li­chen Wie­der­ga­be im Sin­ne von § 15 Abs. 3 UrhG ist des­halb in Über­ein­stim­mung mit den ent­spre­chen­den Bestim­mun­gen die­ser Richt­li­ni­en und der dazu ergan­ge­nen Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on aus­zu­le­gen. Danach setzt eine öffent­li­che Wie­der­ga­be eine Hand­lung der Wie­der­ga­be, also eine Über­tra­gung geschütz­ter Wer­ke oder Leis­tun­gen durch den Nut­zer vor­aus. So nimmt bei­spiels­wei­se der Betrei­ber eines Hotels, der die Sen­de­si­gna­le von Fern­seh­pro­gram­men über eine Ver­tei­ler­an­la­ge an die Fern­seh­ge­rä­te in den Gäs­te­zim­mern wei­ter­lei­tet, eine Hand­lung der Wie­der­ga­be vor.

Das blo­ße Bereit­stel­len von Ein­rich­tun­gen, die eine Wie­der­ga­be ermög­li­chen oder bewir­ken, stellt dage­gen kei­ne Wie­der­ga­be dar. Der Betrei­ber eines Hotels, der, wie im hier ent­schie­de­nen Fall, die Gäs­te­zim­mer ledig­lich mit Fern­seh­ge­rä­ten aus­stat­tet, mit denen die Fern­seh­sen­dun­gen über eine Zim­mer­an­ten­ne emp­fan­gen wer­den kön­nen, gibt die Fern­seh­sen­dun­gen daher nicht wie­der und schul­det kei­ne Urhe­ber­ver­gü­tung.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Dezem­ber 2015 – I ZR 21/​14

  1. AG Char­lot­ten­burg, urteil vom 04.01.2013 – 207 C 391/​12[]
  2. LG Ber­lin, Urteil vom 05.11.2013 – 16 S 5/​13[]