Film­ab­ga­be in bis­he­ri­ger Form ver­fas­sungs­wid­rig

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat sich mit den Kla­gen von neun Kino­be­trei­bern befasst, die sich gegen die Her­an­zie­hung zur Film­ab­ga­be durch die Film­för­der­an­stalt (FFA) des Bun­des gewandt hat­ten. Die FFA, eine Anstalt des öffent­li­chen Rechts, hat nach dem Film­för­de­rungs­ge­setz die Auf­ga­be, den deut­schen Film durch Bei­hil­fen an die Pro­du­zen­ten von Fil­men zu för­dern. Zur Finan­zie­rung ihrer Tätig­keit zieht sie die Kino­be­trei­ber und die Unter­neh­men der Video­wirt­schaft durch Bescheid zu der sog. Film­ab­ga­be her­an. Dar­über hin­aus schließt sie auf­grund einer ent­spre­chen­den Ermäch­ti­gung im Film­för­de­rungs­ge­setz mit den öffent­lich-recht­li­chen und den pri­va­ten Fern­seh­ver­an­stal­tern Ver­trä­ge mit mehr­jäh­ri­ger Dau­er, in denen die­se sich zur Leis­tung von wei­te­ren Finanz­mit­teln ver­pflich­ten.

Film­ab­ga­be in bis­he­ri­ger Form ver­fas­sungs­wid­rig

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hält die Erhe­bung der Film­ab­ga­be in ihrer der­zei­ti­gen Form für ver­fas­sungs­wid­rig. Es geht – inso­weit in Über­ein­stim­mung mit dem Gesetz­ge­ber – davon aus, dass es gerecht­fer­tigt ist, sowohl die Kino­be­trei­ber und die Unter­neh­men der Video­wirt­schaft als auch die Fern­seh­ver­an­stal­ter an den Kos­ten der Film­för­de­rung zu betei­li­gen. Denn auch die Fern­seh­ver­an­stal­ter zie­hen eben­so wie die Kino­be­trei­ber und die Unter­neh­men der Video­wirt­schaft aus der Ver­wer­tung von Fil­men wirt­schaft­li­chen Nut­zen, der durch die Tätig­keit der FFA geför­dert wird. Wird – wie im Film­för­de­rungs­ge­setz – eine gesell­schaft­lich homo­ge­ne Grup­pe wegen eines ihr ent­ste­hen­den Grup­pen­nut­zens mit einer Son­der­ab­ga­be belegt, so ver­langt aller­dings der ver­fas­sungs­recht­li­che Grund­satz der Abga­ben­ge­rech­tig­keit (Art. 3 Abs. 1 GG), dass grund­sätz­lich alle Ange­hö­ri­gen der Grup­pe nach einem vor­teils­ge­rech­ten Maß­stab zur Leis­tung der Abga­be her­an­ge­zo­gen wer­den. Dies ist dann nicht hin­rei­chend gewähr­leis­tet, wenn bestimm­te Grup­pen­an­ge­hö­ri­ge – wie hier die Fern­seh­ver­an­stal­ter – ihren Kos­ten­bei­trag und des­sen Höhe frei aus­han­deln kön­nen. Es ist daher zur Wah­rung der Abga­ben­ge­rech­tig­keit grund­sätz­lich erfor­der­lich, dass die Fern­seh­ver­an­stal­ter vom Gesetz­ge­ber in die Abga­be­pflicht ein­be­zo­gen wer­den und für sie über­dies auch der Maß­stab ihrer Kos­ten­be­tei­li­gung gesetz­lich fest­ge­legt wird. Sol­len die Fern­seh­ver­an­stal­ter wei­ter­hin auf ver­trag­li­cher Grund­la­ge her­an­ge­zo­gen wer­den, bedarf es eben­falls der gesetz­li­chen Fest­le­gung von Kri­te­ri­en für den Umfang ihrer Kos­ten­be­tei­li­gung. Hier fehlt es im Gesetz an jeg­li­cher Fest­le­gung sol­cher Kri­te­ri­en.

Auf­grund die­ser Erwä­gun­gen hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Ver­fah­ren aus­ge­setzt und das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ange­ru­fen, wel­ches nun­mehr über die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Erhe­bung der Film­ab­ga­be zu ent­schei­den haben wird.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschlüs­se vom 25. Febru­ar 2009 – 6 C 47.07 bis 50.07 und 6 C 5.08 bis 9.08