Gerichts­stand für den Scha­dens­er­satz­pro­zess gegen eine Rating­agen­tur

Als hin­rei­chen­der Inlands­be­zug für die Anwen­dung des § 23 ZPO ist der Wohn­sitz des Klä­gers in Deutsch­land anzu­se­hen [1].

Gerichts­stand für den Scha­dens­er­satz­pro­zess gegen eine Rating­agen­tur

Zwar trifft es zu, dass nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs eine Anwen­dung des § 23 ZPO nur in Betracht kommt, wenn der Rechts­streit einen über die Ver­mö­gens­be­le­gen­heit hin­aus­ge­hen­den Inlands­be­zug auf­weist [2].

Bei der Fra­ge, wel­che Anfor­de­run­gen inso­weit zu stel­len sind, ist aber die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Norm in den Blick zu neh­men. Danach soll­te mit der Rege­lung in § 24 CPO von 1877 (seit der Novel­le von 1898: § 23 ZPO) – von der Über­le­gung getra­gen, Aus­län­dern mit im Inland gele­ge­nem Ver­mö­gen könn­ten andern­falls nicht ver­klagt wer­den – ein Auf­fang­ge­richts­stand für kla­gen­de Inlän­der, und zwar ohne Rück­sicht auf ihre Staats­an­ge­hö­rig­keit, geschaf­fen wer­den [3]. Dem­ge­mäß hat das Reichs­ge­richt den Gedan­ken des Inlän­der­schut­zes bei der Anwen­dung des § 23 ZPO her­vor­ge­ho­ben [4].

Aus­ge­hend von die­sen Über­le­gun­gen hat der Bun­des­ge­richts­hof bereits den Wohn­sitz des Klä­gers im Inland als aus­rei­chend für die Anwen­dung des § 23 ZPO und damit als hin­rei­chen­den Inlands­be­zug aner­kannt [5]. Von die­ser Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs abzu­wei­chen, gibt der vor­lie­gen­de Sach­ver­halt kei­nen Anhalt, zumal der Klä­ger nicht nur sei­nen Wohn­sitz im Inland hat, son­dern auch deut­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Dezem­ber 2012 – III ZR 282/​11

  1. im Anschluss an BGH, Urteil vom 24.11.1988 – III ZR 150/​87, NJW 1989, 1431[]
  2. BGH, Urteil vom 02.07.1991 – IX ZR 206/​90, BGHZ 115, 90, 94 ff[]
  3. BGH aaO[]
  4. vgl. RGZ 6, 400, 403, 405[]
  5. BGH, Urteil vom 24.11.1988 – III ZR 150/​87, NJW 1989, 1431[]