Beschluss­an­fech­tung in der Kom­man­dit­ge­sell­schaft

Die Nich­tig­keit von Beschlüs­sen der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft wird durch Fest­stel­lungs­kla­ge gegen die Mit­ge­sell­schaf­ter gel­tend gemacht, wenn nicht der Gesell­schafts­ver­trag bestimmt, dass der Streit mit der Gesell­schaft aus­zu­tra­gen ist.

Beschluss­an­fech­tung in der Kom­man­dit­ge­sell­schaft

Ob das kapi­tal­ge­sell­schafts­recht­li­che Sys­tem über­nom­men ist, hängt von der Aus­le­gung des Gesell­schafts­ver­trags im Ein­zel­fall ab. Allein die Ver­ein­ba­rung einer "Anfech­tungs­frist" bedeu­tet nicht, dass die Kla­ge gegen die Gesell­schaft zu rich­ten ist.

Die Nich­tig­keit von Beschlüs­sen der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft wird durch Fest­stel­lungs­kla­ge gegen die Mit­ge­sell­schaf­ter gel­tend gemacht, wenn nicht der Gesell­schafts­ver­trag bestimmt, dass der Streit mit der Gesell­schaft aus­zu­tra­gen ist 1. Die Über­nah­me des kapi­tal­ge­sell­schafts­recht­li­chen Kla­ge­sys­tems auf Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten ist nicht auf Publi­kums­ge­sell­schaf­ten oder Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten mit zahl­rei­chen Gesell­schaf­tern beschränkt. Ob es aus­nahms­wei­se über­nom­men ist, hängt von der Aus­le­gung des Gesell­schafts­ver­trags im Ein­zel­fall ab 2.

Für die Aus­le­gung von Per­so­nen­ge­sell­schafts­ver­trä­gen, die sich nicht auf Publi­kums­ge­sell­schaf­ten bezie­hen, gel­ten die all­ge­mei­nen Regeln der §§ 133, 157 BGB. Ein über­ein­stim­men­der Wil­le der an dem Abschluss eines Ver­tra­ges betei­lig­ten Par­tei­en geht dem Ver­trags­wort­laut oder einer ander­wei­ti­gen Aus­le­gung vor 3.

Die Ver­ein­ba­rung einer Anfech­tungs­frist weist auf die Über­nah­me des kapi­tal­ge­sell­schafts­recht­li­chen Sys­tems auch hin­sicht­lich der Gesell­schaft als Kla­ge­geg­ner hin 4. Allein die Ver­wen­dung des Wor­tes "Anfech­ten" oder "Anfech­tung" zwingt aber nicht dazu, einen Gesell­schafts­ver­trag so aus­zu­le­gen 5. Der Zweck der Über­nah­me des kapi­tal­ge­sell­schafts­recht­li­chen Sys­tems, Gesell­schaf­ter­strei­tig­kei­ten mit der Gesell­schaft anstel­le der Mit­ge­sell­schaf­ter als Kla­ge­geg­ner über­schau­bar zu hal­ten, dürf­te bei einer gerin­gen Gesell­schaft­er­zahl nicht im Vor­der­grund ste­hen.

Bei einer GmbH & Co. KG kann inso­weit auch der Gesell­schafts­ver­trag der gleich­zei­tig gegrün­de­ten Kom­ple­men­tär-GmbH von Belang sein. So wich in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall der gleich­zei­tig mit den Ver­trä­gen zu den Kom­man­dit­ge­sell­schaf­ten abge­schlos­se­ne GmbH-Gesell­schafts­ver­trag trotz im Übri­gen weit­ge­hend glei­cher For­mu­lie­run­gen von dem KG-Gesell­schafts­ver­trag auf­fal­lend inso­weit ab, als dar­in aus­drück­lich gere­gelt ist, dass die Anfech­tungs- und Nich­tig­keits­kla­ge gegen die Gesell­schaft zu rich­ten ist. Eine sol­che Rege­lung fehlt in den Gesell­schafts­ver­trä­gen der Kom­man­dit­ge­sell­schaf­ten. Das legt nahe, dass bei den Kom­man­dit­ge­sell­schaf­ten die Kla­ge gera­de nicht gegen die Gesell­schaf­ten gerich­tet wer­den soll­te. Gegen eine Rege­lung des Kla­ge­geg­ners in den Gesell­schafts­ver­trä­gen der Kom­man­dit­ge­sell­schaf­ten spricht auch, dass sich die Beklag­ten in ers­ter Instanz dafür, dass die Kla­ge gegen die Gesell­schaft zu rich­ten sei, selbst nicht auf den jewei­li­gen Gesell­schafts­ver­trag, son­dern auf zwei Bun­des­ge­richts­hofs­ent­schei­dun­gen und damit eine ver­meint­li­che gesetz­li­che Regel bezo­gen haben.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 1. März 2011 – II ZR 83/​09

  1. BGH, Urteil vom 27.04.2009 – II ZR 167/​07, ZIP 2009, 1158 Rn. 25 m.w.N.[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 13.02.1995 – II ZR 15/​94, ZIP 1995, 460[]
  3. BGH, Urteil vom 07.04.2008 – II ZR 3/​06, ZIP 2008, 1075 Rn. 12; BGH, Urteil vom 29.03.1996 – II ZR 263/​94, ZIP 1996, 750, 752 m.w.N.[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 24.03.2003 – II ZR 4/​01, ZIP 2003, 843, 844[]
  5. BGH, Urteil vom 11.12. 1989 – II ZR 61/​89, WM 1990, 675, 676[]