Ein­tra­gung der Amts­nie­der­le­gungs­er­klä­rung eines GmbH-Geschäfts­füh­rers

Nach § 39 Abs. 1 GmbHG ist jede Ände­rung in den Per­so­nen der Geschäfts­füh­rer sowie die Been­di­gung der Ver­tre­tungs­be­fug­nis eines Geschäfts­füh­rers zur Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter anzu­mel­den.

Ein­tra­gung der Amts­nie­der­le­gungs­er­klä­rung eines GmbH-Geschäfts­füh­rers

Nach § 39 Abs. 2 GmbHG sind der Anmel­dung "die Urkun­den über die Bestel­lung der Geschäfts­füh­rer oder über die Been­di­gung der Ver­tre­tungs­be­fug­nis in Urschrift oder öffent­lich beglau­big­ter Abschrift" bei­zu­fü­gen.

Bei der Erklä­rung der Amts­nie­der­le­gung eines Geschäfts­füh­rers han­delt es sich um eine form­freie emp­fangs­be­dürf­ti­ge Wil­lens­er­klä­rung, die erst mit dem Zugang bei dem Gesell­schafts­or­gan, das für die Bestel­lung der Geschäfts­füh­rer zustän­dig ist, wirk­sam wird 1. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 2 ist es aus­rei­chend, dass, sind meh­re­re Gesell­schaf­ter vor­han­den, die Amts­nie­der­le­gung gegen­über einem Gesell­schaf­ter erklärt wird. Die­sem obliegt es dann, die ande­ren Mit­ge­sell­schaf­ter zu unter­rich­ten. Die Amts­nie­der­le­gung ist wirk­sam, auch wenn die Mit­ge­sell­schaf­ter nicht infor­miert wer­den. Dar­über hin­aus wird es zum Teil im Schrift­tum für aus­rei­chend erach­tet, dass „die Erklä­rung der Amts­nie­der­le­gung gegen­über einem Mit­ge­schäfts­füh­rer zur Wei­ter­lei­tung an die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung oder das sonst abbe­ru­fungs­be­fug­te Organ“ abge­ge­ben wird 3. Die Ein­tra­gung der Amts­nie­der­le­gung im Han­dels­re­gis­ter hat nur dekla­ra­to­ri­sche Wir­kung 4.

Die Recht­spre­chung der Ober­lan­des­ge­rich­te hält es für erfor­der­lich, dass mit dem Antrag auf Ein­tra­gung der Amts­nie­der­le­gung gemäß § 39 Abs. 2 GmbHG der urkund­li­che Nach­weis des Zugangs der Amts­nie­der­le­gung ein­zu­rei­chen ist 5, jeden­falls dann, wenn sich aus dem Inhalt der Anmel­dung im Übri­gen Zwei­fel am Zugang der Amts­nie­der­le­gung und somit an ihrer mate­ri­ell-recht­li­chen Wirk­sam­keit erge­ben 6. In der Lite­ra­tur heißt es im Gegen­satz zur Recht­spre­chung der Ober­lan­des­ge­rich­te Düs­sel­dorf und Naum­burg, der Zugang der Erklä­rung der Amts­nie­der­le­gung sei nicht nach­zu­wei­sen, da das Regis­ter­ge­richt bei der Anmel­dung einer dekla­ra­to­ri­schen Ein­tra­gung von der Rich­tig­keit der ange­mel­de­ten Tat­sa­che aus­ge­hen kön­ne und nur dann gem. § 12 FGG bzw. jetzt § 26 FamFG zur wei­te­ren Auf­klä­rung ver­pflich­tet sei, wenn trotz ord­nungs­ge­mä­ßer Anmel­dung begrün­de­te Zwei­fel an der Rich­tig­keit der ein­zu­tra­gen­den Tat­sa­che bestün­den 7.

Im hier ent­schie­de­nen Fall konn­te es das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg frei­lich dahin­ste­hen las­sen, ob der von den Ober­lan­des­ge­rich­ten Naum­burg und Düs­sel­dorf ver­tre­te­nen Ansicht zu fol­gen ist, dass gene­rell ein urkund­li­cher Nach­weis für den Zugang der Amts­nie­der­le­gung zu erfol­gen hat, denn im vor­lie­gen­den Fall hat das Regis­ter­ge­richt auf­grund der vom Antrag­stel­ler ein­ge­reich­ten Unter­la­gen zu Recht erheb­li­che Zwei­fel am Zugang der Amts­nie­der­le­gung bei dem zustän­di­gen Organ der Gesell­schaf­te­rin gehabt, so dass es gemäß § 26 FamFG von Amts wegen den Zugang der Amts­nie­der­le­gung und damit deren Wirk­sam­keit prü­fen und sich die ent­spre­chen­den Unter­la­gen vor­le­gen las­sen muss­te, so dass die ange­grif­fe­ne Zwi­schen­ver­fü­gung zu Recht ergan­gen ist.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 6. Mai 2010 – 11 W 36/​10

  1. Schnei­der in Scholz GmbHG, 10. Aufl. 2008, § 38 Rn. 91; Paef­gen in Groß­kom­men­tar zum HGB, § 38 Rn. 134[]
  2. BGH – II ZR 378/​99, NZG 2002, 43[]
  3. Paef­gen in Groß­kom­men­tar, § 38 Rn. 134[]
  4. Schnei­der in Scholz, GmbHG, a.a.O., § 38 Rn. 91[]
  5. OLG Düs­sel­dorf – I-3 Wx 177/​04, NZG 2004, 1068; OLG Naum­burg – 7 Wx 5/​00, NZG 2001, 853[]
  6. OLG Frank­furt 20 W 229/​06[]
  7. Schnei­der in Scholz, § 39 Rn. 18; Paef­gen in Groß­kom­men­tar § 39 Rn. 32; Zöllner/​Noack in Baumbach/​Hueck, GmbHG 19. Aufl. 2010, § 39 Rn. 16; Alt­mep­pen in Roth/​Altmeppen, GmbHG, 6. Aufl. 2009, § 39 Rn. 12; Lohr DStR 2002, 2173, 2181 f.[]