Nach­grün­dungs­ges­schäft oder ver­deck­te Sach­ein­la­ge?

Der Bun­des­ge­richts­hof muss­te jetzt zur Abgren­zung von Nach­grün­dungs­ge­schäf­ten und gemisch­ten ver­deck­ten Sach­ein­la­gen ent­schei­den.

Nach­grün­dungs­ges­schäft oder ver­deck­te Sach­ein­la­ge?

Der Klä­ger in dem jetzt vom BGH ent­schie­de­nen Fall ist Insol­venz­ver­wal­ter über das Ver­mö­gen der Poly­amid 2000 Han­dels- und Pro­duk­ti­ons­ge­sell­schaft Prem­nitz AG (Schuld­ne­rin). Die Schuld­ne­rin betrieb eine Che­mie­an­la­ge, im Rah­men derer in einem neu­ar­ti­gen Ver­fah­ren aus Tep­pich­bo­den­ab­fäl­len Poly­amid (Per­lon bzw. Nylon) als Roh­stoff zurück­ge­won­nen wer­den soll­te.

Die Schuld­ne­rin wur­de im Okto­ber 1996 von einem Allein­ge­sell­schaf­ter gegrün­det und im Juni 1997 in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen. Das Grund­ka­pi­tal der Gesell­schaft betrug ursprüng­lich 100.000 DM. Mit­te 1998 betei­lig­ten sich die Beklag­ten mit ins­ge­samt 24,9 % an der Schuld­ne­rin. Par­al­lel hier­zu stell­te die Lan­des­bank Hes­sen-Thü­rin­gen Giro­zen­tra­le (Hela­ba) der Schuld­ne­rin einen Kre­dit mit einem Gesamt­vo­lu­men von 220 Mio. DM zur Ver­fü­gung. Über wei­te­re 107 Mio. DM erging ein Zuwen­dungs­be­scheid der Inves­ti­ti­ons­bank des Lan­des Bran­den­burg. Die Schuld­ne­rin ihrer­seits beauf­trag­te eine der zum Metall­ge­sell­schafts-Kon­zern (nun­mehr: GEA Group AG) gehö­ren­den Beklag­ten als Gene­ral­un­ter­neh­me­rin mit der Errich­tung der Recy­cling-Anla­ge, wofür eine Ver­gü­tung von 292,2 Mio. DM (net­to) ver­ein­bart wur­de.

Ins­ge­samt zahl­te die Schuld­ne­rin in der Fol­ge­zeit an die Beklag­ten für die Errich­tung der Anla­ge rund 165 Mio. ?. Nur weni­ge Mona­te nach Inbe­trieb­nah­me der Anla­ge zeig­te sich, dass die­se nicht kos­ten­de­ckend betrie­ben wer­den konn­te. Der Betrieb wur­de ein­ge­stellt und im August 2003 das Insol­venz­ver­fah­ren über das Ver­mö­gen der Schuld­ne­rin eröff­net.

Mit sei­ner Kla­ge ver­langt der Klä­ger die Rück­zah­lung des gesam­ten von der Schuld­ne­rin für die errich­te­te Anla­ge geleis­te­ten Werk­loh­nes mit der Begrün­dung, der Werk­ver­trag sei ein gemäß § 52 AktG unwirk­sa­mes Nach­grün­dungs­ge­schäft mit der Fol­ge, dass ein unbe­ding­ter akti­en­recht­li­cher Rück­for­de­rungs­an­spruch aus § 62 AktG bestehe.

Die Kla­ge ist in bei­den Vor­in­stan­zen erfolg­los geblie­ben. Mit sei­ner vom Beru­fungs­ge­richt zuge­las­se­nen Revi­si­on hat der Klä­ger sei­nen Zah­lungs­an­spruch in vol­ler Höhe wei­ter­ver­folgt.

Der für das Gesell­schafts­recht zustän­di­ge II. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat das Beru­fungs­ur­teil teil­wei­se ? die beklag­te Gene­ral­un­ter­neh­me­rin betref­fend ? auf­ge­ho­ben und die Sache inso­weit zur erneu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Hin­sicht­lich der übri­gen Beklag­ten hat er die Revi­si­on zurück­ge­wie­sen.

Der Senat ist dabei der Argu­men­ta­ti­on der Par­tei­en und des Beru­fungs­ge­richts, die den Sach­ver­halt nur im Lich­te der Rege­lung der §§ 52, 62 AktG unter­sucht haben, bereits im Ansatz ent­ge­gen­ge­tre­ten, weil zum einen § 62 AktG in den Fäl­len des § 52 AktG nicht ein­greift und zum ande­ren der bei der Zeich­nung der Akti­en durch die Beklag­ten zu 1 und 3 bereits abge­spro­che­ne Werk­ver­trag sich als ver­deck­te gemisch­te Sach­ein­la­ge dar­stellt. Dies führt in der Rechts­fol­ge zwar zu einer Unwirk­sam­keit des Errich­tungs­ver­tra­ges, nicht aber zu dem vom Klä­ger gel­tend gemach­ten Rück­zah­lungs­an­spruch aus § 62 AktG, son­dern nur zu einem Berei­che­rungs­an­spruch (Sal­do­theo­rie) in Höhe einer etwai­gen Dif­fe­renz zwi­schen dem gezahl­ten Werk­lohn und dem Wert der rechts­grund­los emp­fan­ge­nen Werk­leis­tun­gen. Inso­weit fehlt es bis­lang an einem Vor­trag des Klä­gers. Da er ? wie auch die Instanz­ge­rich­te ? die hier maß­ge­ben­den recht­li­chen Gesichts­punk­te nicht erkannt hat­te, war ihm gemäß § 139 Abs. 2 ZPO Gele­gen­heit zu geben, die erfor­der­li­chen Dar­le­gun­gen nach­zu­ho­len. Der offe­ne Ein­la­ge­an­spruch war nicht Gegen­stand der Kla­ge.

Bun­des­ge­richts­hof Urteil vom 9. Juli 2007- II ZR 62/​06