In einer GmbH besteht sowohl zwischen der Gesellschaft und ihren Gesellschaftern als auch unter den Mitgesellschaftern eine wechselseitige Treuepflicht.
Der Kern des Treuepflichtgedankens, soweit er im Kapitalgesellschaftsrecht allgemein Geltung beanspruchen kann, besteht darin, dass die Möglichkeit, durch Einflussnahme die gesellschaftsbezogenen Interessen der Mitgesellschafter zu beeinträchtigen, als Gegengewicht die gesellschafterliche Pflicht verlangt, auf diese Interessen Rücksicht zu nehmen1.
Der Bundesgerichtshof hat die gesellschafterliche Treuepflicht in Ausnahmefällen auf mittelbare Gesellschafter erstreckt2.
Nur im Ausnahmefall kann die gesellschafterliche Treuepflicht dazu führen, dass aufgrund überwiegender schutzwürdiger Interessen der Mitgesellschafter oder der Gesellschaft auch die Wahrnehmung außergesellschaftsrechtlicher Befugnisse und damit die Geltendmachung von Ansprüchen aus Drittgeschäften eingeschränkt ist3.
Ein Drittgeschäft ist jedes Geschäft, das seinen Rechtsgrund nicht im Gesellschaftsverhältnis, sondern in einem davon zu unterscheidenden Rechtsverhältnis hat4.
Bundesgerichtshof, Urteil vom 5. Mai 2026 – II ZR 2/25
- BGH, Urteil vom 08.11.2022 – II ZR 91/21, BGHZ 235, 57 Rn. 27 mwN[↩]
- vgl. BGH, Urteil vom 05.12.1983 – II ZR 242/82, BGHZ 89, 162, 165; Urteil vom 20.02.1989 – II ZR 167/88, BGHZ 107, 7, 11 f., 14 f.; Raiser/Veil in Habersack/Casper/Löbbe, GmbHG, 4. Aufl., § 14 Rn. 86; kritisch MünchKommHGB/Fleischer, 6. Aufl., § 105 Rn. 361[↩]
- vgl. BGH, Urteil vom 08.10.2013 – II ZR 310/12, ZIP 2013, 2305 Rn. 37; Urteil vom 15.06.1992 – II ZR 88/91, ZIP 1992, 1152, 1154[↩]
- vgl. BGH, Urteil vom 08.10.2013 – II ZR 310/12, ZIP 2013, 2305 Rn. 18; Urteil vom 27.06.1988 – II ZR 143/87, ZIP 1988, 1117, 1118[↩]
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- Begrüung: Jacqueline Macou











