Das Wider­rufs­recht des Ver­brau­chers – und sei­ne angeb­lich miß­bräuch­li­che Aus­übung

Der Bun­des­ge­richts­hof hat den Ein­wand des Rechts­miss­brauchs bei der Aus­übung eines Ver­brau­cher­wi­der­rufs­rechts stark ein­ge­engt.

Das Wider­rufs­recht des Ver­brau­chers – und sei­ne angeb­lich miß­bräuch­li­che Aus­übung

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall schloss der Dar­le­hens­neh­mer noch unter der Gel­tung des Haus­tür­wi­der­rufs­ge­set­zes und nach sei­ner Behaup­tung nach Anbah­nung in einer Haus­tür­si­tua­ti­on am 25. Novem­ber 2001 mit der Bank einen Dar­le­hens­ver­trag, der der Finan­zie­rung einer Betei­li­gung an einer Fonds­ge­sell­schaft dien­te. Dem Dar­le­hens­ver­trag war eine Wider­rufs­be­leh­rung bei­gefügt. Der Dar­le­hens­neh­mer führ­te das Dar­le­hen bis zum 15. Janu­ar 2007 voll­stän­dig zurück. Mit Schrei­ben vom 20. Juni 2014 wider­rief er sei­ne auf Abschluss des Dar­le­hens­ver­trags gerich­te­te Wil­lens­er­klä­rung.

Sei­ne auf Zah­lung und Frei­stel­lung Zug um Zug gegen Abtre­tung der Betei­li­gung und auf Fest­stel­lung gerich­te­te Kla­ge haben das Land­ge­richt Ham­burg 1 und das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg 2 abge­wie­sen. Auf die vom Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg zuge­las­se­ne Revi­si­on des Dar­le­hens­neh­mers hat der Bun­des­ge­richts­hof nun das Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt zurück­ver­wie­sen:

Die Wider­rufs­be­leh­rung war – zuguns­ten des Dar­le­hens­neh­mers die Anbah­nung des Dar­le­hens­ver­trags in einer Haus­tür­si­tua­ti­on und damit das Bestehen eines Wider­rufs­rechts nach dem Haus­tür­wi­der­rufs­ge­setz unter­stellt – nicht kor­rekt. Denn sie bezog die Unter­schrift des Ver­brau­chers zugleich auf den Beleh­rungs­text selbst und auf eine unmit­tel­bar an den Beleh­rungs­text anschlie­ßen­de Emp­fangs­be­stä­ti­gung.

Das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt hat aber bei der Ent­schei­dung der Fra­ge, ob die Aus­übung des Wider­rufs­rechts rechts­miss­bräuch­lich war, unzu­tref­fend gemeint, dem Dar­le­hens­neh­mer zur Last legen zu kön­nen, er habe sich über den Wider­ruf von den nega­ti­ven Fol­gen einer unvor­teil­haf­ten Inves­ti­ti­on lösen wol­len.

Dem­ge­gen­über beton­te nun der Bun­des­ge­richts­hof, dass das Motiv des Dar­le­hens­neh­mers für die Aus­übung des Wider­rufs­rechts nicht allein des­halb zulas­ten des Dar­le­hens­neh­mers in sei­ne Gesamt­ab­wä­gung ein­be­zo­gen wer­den darf, weil es außer­halb des Schutz­zwecks des Haus­tür­wi­der­rufs­ge­set­zes lag.

Das Ober­lan­des­ge­richt wird nun zu klä­ren haben, ob, wovon das Bestehen eines Wider­rufs­rechts nach dem Haus­tür­wi­der­rufs­ge­setz abhängt und was die Bank bestrei­tet, der Dar­le­hens­ver­trag tat­säch­lich in einer Haus­tür­si­tua­ti­on ange­bahnt wur­de. Gege­be­nen­falls wird es zu prü­fen haben, ob der Dar­le­hens­neh­mer aus sons­ti­gen Grün­den rechts­miss­bräuch­lich gehan­delt hat und ob das Wider­rufs­recht des Dar­le­hens­neh­mers ver­wirkt ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Juli 2016 – XI ZR 501/​15

  1. LG Ham­burg, Urteil vom 15.04.2015 – 301 O 156/​14
  2. OLG Ham­burg, Urteil vom 16.10.2015 – 13 U 45/​15