Kein Bache­lor-Archi­tekt – Ein Bache­lor­stu­di­um ist kein Diplom­stu­di­um

Nach dem ein­deu­ti­gen Wort­laut des Archi­tek­tur­ge­set­zes wird für die Ein­tra­gung in die Archi­tek­ten­lis­te ein absol­vier­ter Diplom­stu­di­en­gang ver­langt; ein Bache­lor­stu­di­um ist nicht aus­rei­chend. Bei einem Bache­lor­stu­di­um kommt aber auch kei­ne ent­spre­chen­de Anwen­dung der gesetz­li­chen Über­gangs­be­stim­mung in Betracht, da es an der zwin­gend erfor­der­li­chen Geset­zes­lü­cke fehlt. Der Gesetz­ge­ber hat inso­weit bewusst zwi­schen bereits vor Inkraft­tre­ten des Archi­tek­ten­ge­set­zes begon­ne­nen Diplom- und Bache­lor­stu­di­en­gän­gen unter­schie­den und hat die­se gera­de kei­ner ein­heit­li­chen Rege­lung unter­wer­fen wol­len.

Kein Bache­lor-Archi­tekt – Ein Bache­lor­stu­di­um ist kein Diplom­stu­di­um

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge eines Absol­ven­ten eines Bache­lor-Stu­di­en­gan­ges in Archi­tek­tur abge­wie­sen, dem die Archi­tek­ten­kam­mer Rhein­land-Pfalz die Ein­tra­gung in die Archi­tek­ten­lis­te ver­wei­gert hat. Der Klä­ger hat­te im Win­ter­se­mes­ter 2005 an der Fach­hoch­schu­le Koblenz ein Stu­di­um der Archi­tek­tur mit dem Stu­di­en­ziel Bache­lor begon­nen und die­ses im Febru­ar 2009 mit Erfolg been­det. Seit­dem ist er als Ange­stell­ter in einem Archi­tek­tur­bü­ro in Koblenz tätig. Im Dezem­ber 2011 bean­trag­te er sei­ne Ein­tra­gung in die Archi­tek­ten­lis­te zur Füh­rung der Berufs­be­zeich­nung Archi­tekt. Der Ein­tra­gungs­aus­schuss der Archi­tek­ten­kam­mer lehn­te ab: Grund­sätz­lich bedür­fe es hier­zu nach dem Archi­tek­ten­ge­setz eines Hoch­schul­stu­di­ums mit min­des­tens vier­jäh­ri­ger Regel­stu­di­en­zeit, wohin­ge­gen die Regel­stu­di­en­dau­er bis zur Erlan­gung des Bache­lor-Gra­des nur sechs Semes­ter betra­ge. Die danach allein noch in Betracht kom­men­de Über­gangs­re­ge­lung für bei Inkraft­tre­ten des neu­en Archi­tek­ten­ge­set­zes im Dezem­ber 2005 bereits begon­ne­ne Stu­di­en­gän­ge gel­te nur für min­des­tens drei­jäh­ri­ge Diplom­stu­di­en­gän­ge, nicht hin­ge­gen für ein Bache­lor­stu­di­um. Mit sei­ner hier­ge­gen erho­be­nen Kla­ge mach­te der Klä­ger gel­tend, dass der von ihm absol­vier­te Bache­lor­stu­di­en­gang einem sechs­se­mest­ri­gen Diplom­stu­di­en­gang gleich­wer­tig sei und des­halb die Über­gangs­re­ge­lung auch auf ihn Anwen­dung fin­den müs­se. Das gel­te umso mehr, als bei Beginn sei­nes Stu­di­ums die Rechts­la­ge noch unklar gewe­sen sei.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Koblenz sei­en die Vor­aus­set­zun­gen einer vor­lie­gend allein in Betracht kom­men­den Ein­tra­gung auf der Grund­la­ge der Über­gangs­be­stim­mung nicht gege­ben. Einer unmit­tel­ba­ren Anwen­dung der Vor­schrift ste­he bereits ent­ge­gen, dass der Klä­ger nicht wie durch deren ein­deu­ti­gen Wort­laut ver­langt einen Diplom­stu­di­en­gang absol­viert habe, son­dern ein Bache­lor­stu­di­um.

Auch kom­me kei­ne ent­spre­chen­de Anwen­dung der gesetz­li­chen Über­gangs­be­stim­mung in Betracht. Für eine der­ar­ti­ge Ana­lo­gie feh­le es an der zwin­gend erfor­der­li­chen Geset­zes­lü­cke. Die Geset­zes­be­grün­dung bele­ge viel­mehr, dass der Gesetz­ge­ber inso­weit bewusst zwi­schen bereits vor Inkraft­tre­ten des Archi­tek­ten­ge­set­zes begon­ne­nen Diplom- und Bache­lor­stu­di­en­gän­gen unter­schie­den und die­se gera­de kei­ner ein­heit­li­chen Rege­lung habe unter­wer­fen wol­len. Dem lie­ge die Erwä­gung zugrun­de, dass regel­mä­ßig nur ein vier Jah­re umfas­sen­des Stu­di­um, wie es bis dahin an deut­schen Lehr­an­stal­ten über­wie­gend ange­bo­ten wor­den sei, die für eine Tätig­keit auf dem Gebiet der Archi­tek­tur erfor­der­li­chen Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten ver­mit­te­le. Von daher habe es der Gesetz­ge­ber für sach­ge­recht gehal­ten, eine Ver­trau­ens­schutz­re­ge­lung für die Per­so­nen zu schaf­fen, die damals noch nach altem Recht einen Diplom­stu­di­en­gang mit nur drei­jäh­ri­ger Regel­stu­di­en­zeit bereits begon­nen hat­ten. Den im Rah­men der Hoch­schul­re­form erst noch zu erwar­ten­den Bache­lor­ab­schluss woll­te man hin­ge­gen von Anfang an nur im Fal­le eines ent­spre­chen­den Stu­di­en­gan­ges mit einer Regel­stu­di­en­zeit von vier Jah­ren zur Ein­tra­gung in die Archi­tek­ten­lis­te zulas­sen. Eine wei­ter­ge­hen­de Aus­le­gung der Über­gangs­re­ge­lung sei schließ­lich auch nicht etwa von Ver­fas­sungs wegen auf­grund der grund­ge­setz­lich garan­tier­ten Berufs­frei­heit gebo­ten.

Über­gangs­re­ge­lun­gen dien­ten dazu, Här­ten für Per­so­nen zu ver­mei­den, wel­che sich auf eine bestehen­de Rechts­la­ge ein­ge­stellt und in schutz­wür­di­ger Wei­se auf die­se ver­traut hät­ten. Dies sei in Bezug auf den Klä­ger jedoch nicht der Fall, da die­ser sich bei Inkraft­tre­ten des Archi­tek­ten­ge­set­zes im Dezem­ber 2005 erst im vier­ten Monat des ers­ten Stu­di­en­se­mes­ters befun­den habe. In einem der­art frü­hen Sta­di­um sei dem Stu­den­ten eine Anpas­sung des Stu­di­ums an ver­än­der­te Anfor­de­run­gen noch ohne wei­te­res mög­lich und zumut­bar.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 3. Sep­tem­ber 2012 – 3 K 192/​12.KO