Kre­dit­ab­wick­lung außer Haus

In den letz­ten Mona­ten war die Pra­xis eini­ger Ban­ken immer wie­der The­ma in den Medi­en, ihre aus­ge­ge­be­nen Kre­di­te – ins­be­son­de­re lang­fris­ti­ge Immo­bi­li­en­kre­di­te – "im Paket" an extra für die­sen Zweck von Inves­to­ren gegrün­de­te Kre­dit­ab­wick­lungs­fonds abzu­tre­ten.

Kre­dit­ab­wick­lung außer Haus

Über die Wirk­sam­keit einer sol­chen Abtre­tung einer Dar­le­hens­for­de­rung hat­te jetzt der Bun­des­ge­richts­hof zu ent­schei­den, wobei das abtre­ten­de Kre­dit­in­sti­tut kei­ne Genos­sen­schafts­bank oder Pri­vat­bank war, son­dern eine als Anstalt des öffent­li­chen Rechts orga­ni­sier­te Spar­kas­se.

In dem der Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hof zugrun­de lie­gen­den Rechts­streit begehrt der Klä­ger gegen­über der von ihm in Anspruch genom­me­nen Spar­kas­se die Fest­stel­lung, dass ein zwi­schen ihnen in den 90er Jah­ren des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts zustan­de gekom­me­nes Dar­le­hens­ver­hält­nis unge­ach­tet einer Abtre­tungs­er­klä­rung der Spar­kas­se fort­be­stehe und die­se auch wei­ter­hin Inha­be­rin der zur Absi­che­rung der Dar­le­hens­rück­zah­lungs­for­de­run­gen ein­ge­tra­ge­nen Grund­schul­den sei. Der Klä­ger ist der Auf­fas­sung, die Abtre­tung sei wegen Ver­sto­ßes gegen das Bank­ge­heim­nis und gegen § 203 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 StGB (Ver­let­zung von Pri­vat­ge­heim­nis­sen durch Amts­trä­ger) unwirk­sam.

Das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­te Land­ge­richt Itze­hoe hat die Kla­ge abge­wie­sen, das Ober­lan­des­ge­richt Schles­wig die Beru­fung hier­ge­gen zurück­ge­wie­sen. Und auch vor dem Bun­des­ge­richts­hof hat­te der Klä­ger kei­nen Erfolg, der BGH wies die Revi­si­on des Klä­gers zurück.

Die beklag­te Spar­kas­se war, so der Bun­des­ge­richts­hof in sei­ner Ent­schei­dung, zur Abtre­tung der Dar­le­hens­for­de­rung befugt, weil der Abtre­tung weder das Bank­ge­heim­nis noch die Straf­vor­schrift des § 203 Abs. 2 StGB ent­ge­gen­ste­hen.

Ver­let­zung des Bank­ge­heim­nis­ses

In Bezug auf einen Ver­stoß gegen das Bank­ge­heim­nis hat der Bun­des­ge­richts­hof sei­ne Grund­satz­ent­schei­dung vom 27. Febru­ar 20071 bestä­tigt, dass die Wirk­sam­keit der For­de­rungs­ab­tre­tung durch einen mög­li­chen Ver­stoß gegen die Ver­schwie­gen­heits­pflicht des Kre­dit­in­sti­tuts – wie auch gegen daten­schutz­recht­li­che Bestim­mun­gen – nicht berührt wird.

Ver­let­zung eines Pri­vat­ge­heim­nis­ses

In Ergän­zung zu die­ser Ent­schei­dung hat der BGH nun­mehr ent­schie­den, dass eine For­de­rungs­ab­tre­tung durch eine als Anstalt des öffent­li­chen Rechts orga­ni­sier­te Spar­kas­se auch kei­ne – unter Stra­fe gestell­te – Ver­let­zung eines Pri­vat­ge­heim­nis­ses im Sin­ne des § 203 StGB dar­stellt. Dabei hat der Bun­des­ge­richts­hof offen­ge­las­sen, ob die Mit­ar­bei­ter einer öffent­lich-recht­lich orga­ni­sier­ten Spar­kas­se trotz des Weg­falls der Gewährs­trä­ger­haf­tung und der zuneh­mend erwerbs­wirt­schaft­li­chen Tätig­keit der Spar­kas­sen über­haupt noch als Amts­trä­ger im Sin­ne des § 203 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 StGB anzu­se­hen sind oder ob inso­weit eine funk­ti­ons­be­zo­ge­ne Unter­schei­dung vor­zu­neh­men ist.

Viel­mehr ist nach Auf­fas­sung des BGH das Bank­ge­heim­nis gene­rell kein von § 203 StGB geschütz­tes "Geheim­nis". Da das von pri­va­ten Kre­dit­in­sti­tu­ten und Genos­sen­schafts­ban­ken zu wah­ren­de Bank­ge­heim­nis nicht in den Schutz­be­reich des § 203 StGB fällt, muss die­se gesetz­ge­be­ri­sche Grund­ent­schei­dung man­gels erkenn­ba­rer Sach­grün­de für eine Dif­fe­ren­zie­rung und zur Ver­mei­dung eines Wer­tungs­wi­der­spruchs auch für öffent­lich-recht­lich orga­ni­sier­te Spar­kas­sen gel­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 27. Okto­ber 2009 – XI ZR 225/​08

  1. BGHZ 171, 180 []