Lon­do­ner Pro­to­koll

Als Alter­na­ti­ve zur rein natio­na­len Anmel­dung von Paten­ten und Gebrauchs­mus­ter nut­zen vie­le Unter­neh­men die Mög­lich­keit, ein euro­päi­sches Patent über das Euro­päi­sche Patent­amt in Mün­chen anzu­mel­den. Aller­dings ist dies bis­her mit hohen Über­set­zungs­kos­ten ver­bun­den, da die gesam­te Patent­schrift in sämt­li­che Spra­chen der­je­ni­gen Län­der über­setzt wer­den muss, in denen das Patent spä­ter gel­ten soll. Hier schafft jetzt ein Zusatz­ab­kom­men zu den euro­päi­schen Patent­vor­schrif­ten künf­tig Abhil­fe: Mit dem Inkraft­tre­ten des sog. Lon­do­ner Pro­to­kolls am 1. Mai 2008 ver­zich­ten die Mit­glieds­staa­ten des Euro­päi­schen Patent­über­ein­kom­mens (EPÜ) weit­ge­hend auf die Ein­rei­chung von Über­set­zun­gen in ihrer Lan­des­spra­che.

Lon­do­ner Pro­to­koll

Das Lon­do­ner Über­ein­kom­men wur­de am 17. Okto­ber 2000 in Lon­don abge­schlos­sen, um eine kos­ten­güns­ti­ge Über­set­zungs­re­ge­lung für euro­päi­sche Paten­te nach der Ertei­lung zu schaf­fen. Die Ver­trags­par­tei­en des Über­ein­kom­mens ver­pflich­ten sich, auf die Ein­rei­chung von Über­set­zun­gen euro­päi­scher Paten­te in ihre Lan­des­spra­che ganz oder weit­ge­hend zu ver­zich­ten. Für die Pra­xis bedeu­tet dies, dass Inha­ber euro­päi­scher Paten­te künf­tig kei­ne Über­set­zung der euro­päi­schen Patent­schrift vor­le­gen müs­sen, wenn das Patent für die­je­ni­gen EPÜ-Ver­trags­staa­ten erteilt ist, in denen deutsch, eng­lisch oder fran­zö­sisch Amts­spra­che ist. Alle ande­ren Ver­trags­staa­ten benen­nen eine der drei EPA-Spra­chen als zusätz­li­che “Anmel­de­spra­che” (meist eng­lisch) und ver­lan­gen eine voll­stän­di­ge Über­set­zung der Patent­schrift in die eige­ne Lan­des­spra­che nur dann, wenn das Patent nicht in der zuvor bestimm­ten zusätz­li­chen Anmel­de­spra­che vor­liegt.