"Markt­füh­rer Sport"

Bei dem Ver­ständ­nis des für die Spit­zen­stel­lung maß­geb­li­chen Ver­gleichs­markts zieht der durch­schnitt­lich ver­stän­di­ge Ver­kehrs­teil­neh­mer erfah­rungs­ge­mäß die übri­gen Markt­teil­neh­mer nur inso­weit in Betracht, als sie ihm in tat-säch­li­cher Hin­sicht mit dem die Spit­zen­stel­lung bean­spru­chen­den Markt­teil­neh­mer ver­gleich­bar erschei­nen.

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Für die lau­ter­keits­recht­li­che Beur­tei­lung einer Spit­zen- oder Allein­stel­lungs­be­haup­tung nach § 5 Abs. 2 Nr. 3 UWG 2004, § 5 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 UWG 2008 ist ent­schei­dend, ob das, was in der Wer­be­aus­sa­ge nach der Auf­fas­sung des Umwor­be­nen behaup­tet wird, sach­lich rich­tig ist 1. Mit der Eigen­dar­stel­lung in ihrem an die All­ge­mein­heit gerich­te­ten Inter­net­auf­tritt wirbt die Beklag­te für ihr Unter­neh­men im Bereich des Ein­zel­han­dels mit Sport­ar­ti­keln. Die Wer­bung rich­tet sich mit­hin an das all­ge­mei­ne Publi­kum, das sol­che Waren regel­mä­ßig nach­fragt.

Der Wer­ben­de muss im Fall der Mehr­deu­tig­keit sei­ner Wer­be­aus­sa­ge die ver­schie­de­nen Bedeu­tun­gen gegen sich gel­ten las­sen 2.

Aller­dings genügt es für eine wett­be­werb­lich rele­van­te Irre­füh­rung nicht, dass die Wer­bung nur von einem nicht ganz unbe­acht­li­chen Teil des ange­spro­che­nen Ver­kehrs in unrich­ti­ger Wei­se ver­stan­den wird.

Ein unter Hin­weis auf die aus dem Jahr 1991 stam­men­de Bun­des­ge­richts­hofs­ent­schei­dung „Königl.Bayerische Weis­se“ 3 ange­leg­te Maß­stab ent­stammt einem über­hol­ten Ver­brau­cher­leit­bild, wie es in der bis Anfang der 1990er Jah­re ver­wen­de­ten For­mel vom ober­fläch­li­chen, flüch­ti­gen Ver­brau­cher zum Aus­druck gebracht wur­de. Maß­stab ist jedoch – wor­auf der Bun­des­ge­richts­hof seit 1999 in stän­di­ger Recht­spre­chung hin­weist – der durch­schnitt­lich infor­mier­te und ver­stän­di­ge Ver­brau­cher, der einer Wer­bung die der Situa­ti­on ange­mes­se­ne Auf­merk­sam­keit ent­ge­gen­bringt 4. Infol­ge des­sen hat sich der für eine wett­be­werb­lich rele­van­te Irre­füh­rung erfor­der­li­che Anteil des ange­spro­che­nen Ver­kehrs, der auf­grund der Wer­bung einer Fehl­vor­stel­lung unter­liegt, nach oben ver­scho­ben. Eine Wer­bung ist nur dann irre­füh­rend, wenn sie geeig­net ist, bei einem erheb­li­chen Teil der umwor­be­nen Ver­kehrs­krei­se irri­ge Vor­stel­lun­gen über die Eigen­schaf­ten oder die Befä­hi­gung des Unter­neh­mers her­vor­zu­ru­fen und die zu tref­fen­de Markt­ent­schlie­ßung in wett­be­werb­lich rele­van­ter Wei­se zu beein­flus­sen 5.

Eine für die brei­te Öffent­lich­keit bestimm­te Wer­bung, die nach ihrem Wort­sinn eine Allein­o­der Spit­zen­stel­lung bean­sprucht, wird dabei gewöhn­lich auch von einem erheb­li­chen Teil der ange­spro­che­nen Ver­kehrs­krei­se ent­spre­chend die­sem Wort­sinn ver­stan­den 6. Dabei ist der Gesamt­ein­druck maß­geb­lich, den die werb­li­che Dar­stel­lung ver­mit­telt 7.

Im Streit­fall wird ein erheb­li­cher Teil des Ver­kehrs die Berüh­mung als „Markt­füh­rer“ im Sor­ti­ments­feld Sport nach dem Wort­sinn der Anga­be so ver­ste­hen, dass die Beklag­te unter allen Markt­teil­neh­mern den größ­ten Markt­an­teil ein­nimmt. Bezeich­net der Wer­ben­de sein Unter­neh­men als „füh­rend“ in der Bran­che, so erwar­tet der Ver­kehr zwar oft­mals weni­ger eine quan­ti­ta­ti­ve als eine qua­li­ta­ti­ve Allein­stel­lung 8. Bei der hier in Rede ste­hen­den Wer­bung wird der ange­spro­che­ne Ver­kehr die behaup­te­te Markt­füh­rer­schaft aller­dings nicht vor­ran­gig in qua­li­ta­ti­ver Hin­sicht – etwa im Hin­blick auf das brei­tes­te Waren­an­ge­bot – ver­ste­hen. Der Ver­kehr wird – wie auch vom Beru­fungs­ge­richt ange­nom­men – dar­in viel­mehr die quan­ti­ta­ti­ve Anga­be sehen, dass die Beklag­te den größ­ten Umsatz auf dem Sport­ar­ti­kel­markt erzielt.

Bei dem Ver­ständ­nis des für die Spit­zen­stel­lung maß­geb­li­chen Ver­gleichs­markts wird der durch­schnitt­lich ver­stän­di­ge Ver­kehrs­teil­neh­mer erfah­rungs­ge­mäß die übri­gen Markt­teil­neh­mer nur inso­weit in Betracht zie­hen, als sie ihm in tat­säch­li­cher Hin­sicht mit der Beklag­ten ver­gleich­bar erschei­nen, um ihnen das bewor­be­ne Leis­tungs­merk­mal in glei­cher Wei­se wie der Beklag­ten zuord­nen zu kön­nen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. März 2012 – I ZR 202/​10

  1. vgl. Born­kamm in Köhler/​Bornkamm aaO § 5 Rn. 2.150[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 15.09.1999 – I ZR 131/​97, GRUR 2000, 436, 438 = WRP 2000, 383 – Ehe­ma­li­ge Her­stel­ler­preis­emp­feh­lung; Born­kamm in Köhler/​Bornkamm aaO § 5 Rn.02.111 mwN[]
  3. BGH, Urteil vom 21.02.1991 – I ZR 106/​89, GRUR 1992, 66 = WRP 1991, 473[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 20.10.1999 – I ZR 167/​97, GRUR 2000, 619, 621 = WRP 2000, 517 – Ori­ent­Tep­pich­mus­ter; Urteil vom 02.10.2003 – I ZR 150/​01, BGHZ 156, 250, 252 – Markt­füh­rer­schaft; Urteil vom 30.06.2011 – I ZR 157/​10, GRUR 2012, 184 Rn.19 = WRP 2012, 194 – Bran­chen­buch Berg[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 02.10.2003 – I ZR 252/​01, GRUR 2004, 162, 163 = WRP 2004, 225 – Min­dest­ver­zin­sung; Urteil vom 29.03.2007 – I ZR 122/​04, GRUR 2007, 1079 Rn. 38 = WRP 2007, 1346 – Bun­des­dru­cke­rei; Urteil vom 26.02.2009 – I ZR 219/​06, GRUR 2009, 888 Rn. 18 = WRP 2009, 1080 – Ther­mo­roll; Born­kamm in Köhler/​Bornkamm aaO § 5 Rn. 2.20 f. und 2.169[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 12.02.1998 – I ZR 110/​96, GRUR 1998, 951, 952 f. = WRP 1998, 861 – Die gro­ße deut­sche Tages- und Wirt­schafts­zei­tung[]
  7. vgl. BGH, GRUR 2010, 352 Rn. 11 – Hier spie­gelt sich Erfah­rung[]
  8. vgl. Born­kamm in Köhler/​Bornkamm aaO § 5 Rn.05.83; Fezer/​Pfeifer, UWG, 2. Aufl., § 5 Rn. 389[]