Mit bes­ter Emp­feh­lung vom Schön­heits­chir­ur­gen

Schön­heits­chir­ur­gen kön­nen bei Vor­lie­gen eines hin­rei­chen­den Grun­des ihren Pati­en­ten ein bestimm­tes Kos­me­tik­in­sti­tut emp­feh­len. Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt das Berufs­ge­richt für Heil­be­ru­fe bei dem Ver­wal­tungs­ge­richt Gie­ßen, das hes­sen­weit für die Ahn­dung von Ver­stö­ßen von Ärz­ten, Zahn­ärz­ten, Psy­cho­lo­gen, Apo­the­kern und Tier­ärz­ten gegen das ein­schlä­gi­ge Berufs­recht zustän­dig ist, eine Ärz­tin für Plas­ti­sche und Ästhe­ti­sche Chir­ur­gie vom Vor­wurf der unzu­läs­si­gen Zusam­men­ar­beit mit einem Anbie­ter gewerb­li­cher Leis­tun­gen frei­ge­spro­chen.

Mit bes­ter Emp­feh­lung vom Schön­heits­chir­ur­gen

Die Lan­des­ärz­te­kam­mer hat­te, auf­grund der Anzei­ge eines Kon­kur­ren­ten, Anstoß dar­an genom­men, dass ein Geschäft, das u.a. auch Kos­me­tik­ar­ti­kel ver­kauf­te und ein Kos­me­tik­in­sti­tut unter­hielt, Wer­bung mit der Aus­sa­ge betrieb, es bie­te in Koope­ra­ti­on mit der Pra­xis der Beschul­dig­ten spe­zi­el­le Ser­vice­an­ge­bo­te an. Die Beschul­dig­te hat­te zwar die Wer­bung nicht gestat­tet und nach Kennt­nis­er­lan­gung auch unter­bun­den, räum­te aber eine münd­lich abge­spro­che­ne Koope­ra­ti­on dahin­ge­hend ein, dass in Ein­zel­fäl­len, ins­be­son­de­re nach einem ope­ra­ti­ven Ein­griff, falls die Pati­en­tin dann nicht mehr mit der bis dahin geüb­ten Schmink­tech­nik zurecht kom­me, die­ses Geschäft, ins­be­son­de­re der Visa­gist , von ihr emp­foh­len wor­den sei. Umge­kehrt habe das Geschäft auf Nach­fra­ge von Kun­din­nen, bei denen kos­me­ti­sche Behand­lun­gen allein kei­ne Wir­kun­gen mehr ent­fal­te­ten, für die Durch­füh­rung kos­me­ti­scher Ein­grif­fe eine Kon­takt­auf­nah­me mit ihrer Pra­xis emp­foh­len.

Das Berufs­ge­richt sah dar­in kei­nen Ver­stoß gegen die Berufs­ord­nung: Zwar ist es nach § 35 der Berufs­ord­nung Ärz­ten nicht gestat­tet, Pati­en­ten ohne hin­rei­chen­den Grund an bestimm­te Apo­the­ken, Geschäf­te oder Anbie­ter von gesund­heit­li­chen Leis­tun­gen zu ver­wei­sen. Vor­lie­gend habe die Ärz­tin jedoch in geeig­net erschei­nen­den Ein­zel­fäl­len mit hin­rei­chen­dem Grund die Emp­feh­lung aus­ge­spro­chen. Sol­che Grün­de müss­ten sich nicht unmit­tel­bar aus dem Bereich der Medi­zin erge­ben. Dies erge­be sich nicht aus dem Wort­laut der Vor­schrift und sei, so das Gericht, auch nicht aus Sinn und Zweck der Rege­lung abzu­lei­ten.

Die Vor­schrift die­ne dem Erhalt des Ver­trau­ens der Pati­en­ten in die ärzt­li­che Inte­gri­tät, wonach die ärzt­li­che Berufs­aus­übung nicht an öko­no­mi­schen Kri­te­ri­en ori­en­tiert erfol­ge. Im Hin­blick auf die ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Frei­heit der Berufs­aus­übung genü­ge es daher, dass im Ein­zel­fall Grün­de für die Emp­feh­lung vor­ge­le­gen hät­ten, die am Pati­en­ten­wohl ori­en­tiert gewe­sen sei­en. So sei es hier gewe­sen. Der Visa­gist habe die Behand­lun­gen regel­mä­ßig mit dem gewünsch­ten Erfolg durch­ge­führt.

Es erscheint, so das Berufs­ge­richt in sei­nen Ent­schei­dungs­grün­den, unter kei­nem ver­nünf­ti­gen Gesichts­punkt ver­hält­nis­mä­ßig oder gar gebo­ten, Schön­heits­chir­ur­gen grund­sätz­lich und aus­nahms­los die Abga­be von Emp­feh­lun­gen für Pati­en­tin­nen geeig­ne­ter Anbie­ter kos­me­ti­scher Leis­tun­gen zu unter­sa­gen. Bei Vor­lie­gen hin­rei­chen­der Grün­de im oben dar­ge­stell­ten Sin­ne dürf­te die ent­spre­chen­de Emp­feh­lung sach­kun­di­ger sein und damit eher im Inter­es­se der Pati­en­tin­nen lie­gen, als die – all­ge­mein zuläs­si­ge- Emp­feh­lung durch Drit­te, deren Sach­kun­de nicht immer anzu­neh­men sein wird.

Berufs­ge­richt für Heil­be­ru­fe bei dem Ver­wal­tungs­ge­richt Gie­ßen, Urteil vom 10. Janu­ar 2011 – 21 K 1584/​10.GI.B