Mit­be­wer­ber – und das kon­kre­te Wett­be­werbs­ver­hält­nis

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist ein kon­kre­tes Wett­be­werbs­ver­hält­nis gege­ben, wenn bei­de Par­tei­en gleich­ar­ti­ge Waren oder Dienst­leis­tun­gen inner­halb des­sel­ben End­ver­brau­cher­krei­ses abzu­set­zen ver­su­chen und daher das Wett­be­werbs­ver­hal­ten des einen den ande­ren beein­träch­ti­gen, das heißt im Absatz behin­dern oder stö­ren kann 1.

Mit­be­wer­ber – und das kon­kre­te Wett­be­werbs­ver­hält­nis

Da im Inter­es­se eines wirk­sa­men lau­ter­keits­recht­li­chen Indi­vi­du­al­schut­zes grund­sätz­lich kei­ne hohen Anfor­de­run­gen an das Vor­lie­gen eines kon­kre­ten Wett­be­werbs­ver­hält­nis­ses zu stel­len sind, reicht es hier­für aus, dass sich der Ver­let­zer durch sei­ne Ver­let­zungs­hand­lung im kon­kre­ten Fall in irgend­ei­ner Wei­se in Wett­be­werb zu dem Betrof­fe­nen stellt 2.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist daher ein kon­kre­tes Wett­be­werbs­ver­hält­nis anzu­neh­men, wenn zwi­schen den Vor­tei­len, die die eine Par­tei durch eine Maß­nah­me für ihr Unter­neh­men oder das eines Drit­ten zu errei­chen sucht, und den Nach­tei­len, die die ande­re Par­tei dadurch erlei­det, eine Wech­sel­wir­kung in dem Sin­ne besteht, dass der eige­ne Wett­be­werb geför­dert und der frem­de Wett­be­werb beein­träch­tigt wer­den kann 3.

Nach die­sen Maß­stä­ben besteht zwi­schen den Par­tei­en des vor­lie­gen­den Rechts­streits ein kon­kre­tes Wett­be­werbs­ver­hält­nis. Die Par­tei­en ver­su­chen zwar nicht gleich­ar­ti­ge Dienst­leis­tun­gen abzu­set­zen. Durch die För­de­rung des Absat­zes der Dienst­leis­tun­gen der Beklag­ten wird jedoch der Wett­be­werb der Klä­ge­rin beein­träch­tigt. Durch das Vor­hal­ten von Bewer­tun­gen auf ihrem Hotel­be­wer­tungs­por­tal sucht die Beklag­te die Attrak­ti­vi­tät ihres Online-Rei­se­bü­ros zu erhö­hen. Dage­gen ist die Anzei­ge einer nega­ti­ven Bewer­tung des Hotels der Klä­ge­rin auf dem Hotel­be­wer­tungs­por­tal der Beklag­ten geeig­net, den Absatz der Beher­ber­gungs­dienst­leis­tung der Klä­ge­rin zu beein­träch­ti­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. März 2015 – I ZR 94/​13

  1. BGH, Urteil vom 13.07.2006 – I ZR 241/​03, BGHZ 168, 314 Rn. 14 Kon­takt­an­zei­gen; Urteil vom 28.09.2011 – I ZR 92/​09, GRUR 2012, 193 = WRP 2012, 201 Rn. 17 Sport­wet­ten im Inter­net II[]
  2. BGH, Urteil vom 29.11.1984 – I ZR 158/​82, BGHZ 93, 96, 97 f. DIMPLE, mwN; Urteil vom 10.04.2014 – I ZR 43/​13, GRUR 2014, 1114 = WRP 2014, 1307 Rn. 32 nickel­frei[]
  3. BGH, GRUR 2014, 1114 Rn. 32 nickel­frei[]