Preis­an­sa­ge­pflicht bei Call-by-Call-Gesprä­chen

Das Inkraft­tre­ten der gesetz­li­chen Preis­an­sa­ge­pflicht bei Call-by-Call-Gesprä­chen wur­de soeben vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt auf­ge­scho­ben.

Preis­an­sa­ge­pflicht bei Call-by-Call-Gesprä­chen

§ 66b Abs. 1 TKG in sei­ner der­zeit gel­ten­den Fas­sung ent­hält eine Pflicht, vor Beginn eines Tele­fon­ge­sprächs über die anfal­len­den Ent­gel­te zu infor­mie­ren, ledig­lich bei sog. Pre­mi­um-Diens­ten. Ein Ver­stoß gegen die­se Pflicht führt zum Weg­fall des Ent­gelt­an­spruchs (§ 66g Nr. 1 TKG) und kann über­dies als Ord­nungs­wid­rig­keit geahn­det wer­den (§ 149 Abs. 1 Nr. 13d TKG). Dies soll­te das Gesetz zur Ände­rung tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­cher Reg­lun­gen ändern, dass vom Deut­schen Bun­des­tag am 9. Febru­ar 2012 beschlos­sen wur­de und dem der Bun­des­rat am 10. Febru­ar 2012 zuge­stimmt hat. Die­ses Ände­rungs­ge­setz erstreckt die Preis­an­sa­ge­pflicht des § 66b Abs. 1 TKG auch auf sog. Call-by-Call-Gesprä­che. Die Anbie­ter von Call-by-Call-Gesprä­chen müs­sen zukünf­tig vor Beginn eines sol­chen Gesprächs über den gel­ten­den Tarif infor­mie­ren. Im Fal­le eines Tarif­wech­sels wäh­rend eines lau­fen­den Gesprächs muss der Kun­de hier­über auf­ge­klärt wer­den. Die Neu­re­ge­lung soll einen Tag nach der Ver­kün­dung des Geset­zes in Kraft tre­ten. Der Bun­des­prä­si­dent hat das Gesetz ges­tern – am 3. Mai 2012 – aus­ge­fer­tigt, so dass die Ver­kün­dung im Bun­des­ge­setz­blatt in den nächs­ten Tagen erfol­gen kann.

Hier­ge­gen wen­de­te sich eine Anbie­te­rin von Call-by-Call-Gesprä­chen vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und rügt mit ihrer bereits im Febru­ar 2012 erho­be­nen Ver­fas­sungs­be­schwer­de und ihrem gleich­zei­tig gestell­ten Eil­an­trag rügt sie eine Ver­let­zung ihrer Grund­rech­te auf freie Berufs­aus­übung, auf Eigen­tum und auf wirt­schaft­li­che Hand­lungs­frei­heit dadurch, dass die Preis­an­sa­ge­pflicht ohne jede Über­gangs­frist in Kraft tre­ten soll. Eine Imple­men­tie­rung der vor­ge­schrie­be­nen Preis­an­sa­gen sei ihr bis zu dem zu erwar­ten­den Zeit­punkt des Inkraft­tre­tens nicht mög­lich. Die Pflicht zur Preis­an­sa­ge vor Beginn eines Gesprächs kön­ne sie frü­hes­tens Ende März 2012 und die­je­ni­ge vor einem Tarif­wech­sel frü­hes­tens im August 2012 erfül­len.

Der Eil­an­trag der Beschwer­de­füh­re­rin hat­te jetzt vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt über­wie­gend Erfolg. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat im Wege der einst­wei­li­gen Anord­nung ent­schie­den, dass die durch die Neu­fas­sung des § 66b Abs. 1 TKG ein­ge­führ­te Preis­an­sa­ge­pflicht bei Call-by-Call-Gesprä­chen nicht vor dem 1. August 2012 in Kraft tritt. Die Ent­schei­dung ist im Hin­blick auf die unmit­tel­bar bevor­ste­hen­de Ver­kün­dung des Geset­zes zunächst ohne Begrün­dung ergan­gen.

UPDATE: Eine Begrün­dung der einst­wei­li­gen Anord­nung ist vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt spä­ter nach­ge­holt wor­den.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 4. Mai 2012 – 1 BvR 367/​12