Sado­ma­so-Arzt

Straf­recht­li­che Ver­ur­tei­lun­gen eines Arz­tes, die nicht im Zusam­men­hang mit sei­ner ärzt­li­chen Tätig­keit ste­hen, ver­mö­gen einen Wider­ruf sei­ner ärzt­li­chen Appro­ba­ti­on genau­so wenig zu begrün­den wie sado­ma­so­chis­ti­sche Bezie­hun­gen zu zwei Pati­en­tin­nen, solan­ge die­se sich frei­ver­ant­wort­lich auf die sexu­el­le Bezie­hung zu dem Arzt ein­ge­las­sen haben.

Sado­ma­so-Arzt

So konn­te sich aktu­ell vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg ein Arzt aus dem Mär­ki­schen Kreis erfolg­reich gegen den Wider­ruf sei­ner Appro­ba­ti­on durch die Bezirks­re­gie­rung Arns­berg weh­ren, das Ver­wal­tungs­ge­richt hob den von der Bezirks­re­gie­rung Arns­berg ver­füg­ten Wider­ruf der Appro­ba­ti­on wie­der auf. Die Bezirks­re­gie­rung hat­te sich auf ver­schie­de­ne straf­ge­richt­li­che Ver­ur­tei­lun­gen des Klä­gers und dar­auf gestützt, dass er mit zwei Pati­en­tin­nen Bezie­hun­gen geführt hat­te, in deren Ver­lauf es zu sado­ma­so­chis­ti­schen Sexu­al­prak­ti­ken gekom­men war.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg befand dage­gen, dass das Ver­hal­ten des Arz­tes weder sei­ne Unwür­dig­keit zur Aus­übung des Berufs noch sei­ne Unzu­ver­läs­sig­keit begrün­de. Im Hin­blick auf die grund­ge­setz­lich geschütz­te Berufs­frei­heit und den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit sei die Appro­ba­ti­on nur zu wider­ru­fen, wenn ein schwer­wie­gen­des Fehl­ver­hal­ten die wei­te­re Berufs­aus­übung als untrag­bar erschei­nen las­se, oder wenn Tat­sa­chen die Annah­me recht­fer­tig­ten, der Arzt wer­de in Zukunft die berufs­spe­zi­fi­schen Pflich­ten nicht beach­ten. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sei­en nicht erfüllt.

Die straf­recht­li­chen Ver­ur­tei­lun­gen, ins­be­son­de­re eine Ver­ur­tei­lung wegen Betru­ges und Abga­be einer fal­schen eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung, recht­fer­tig­ten den Wider­ruf der Appro­ba­ti­on nicht. Sie beträ­fen weder den Kern­be­reich der ärzt­li­chen Tätig­keit, näm­lich das Arzt-Pati­en­ten-Ver­hält­nis, noch über­haupt die Tätig­keit des Klä­gers als Arzt. Sie stün­den in kei­ner­lei Zusam­men­hang mit sei­ner beruf­li­chen Tätig­keit.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat außer­dem nicht die Über­zeu­gung gewin­nen kön­nen, dass der Klä­ger sei­ner dama­li­gen Freun­din bei einem Streit erheb­li­che Ver­let­zun­gen bei­gebracht habe, so dass auch inso­weit sein Ver­hal­ten nicht den Wider­ruf der Appro­ba­ti­on recht­fer­ti­ge.

Schließ­lich wer­de das Anse­hen und das Ver­trau­en, das für die Aus­übung des ärzt­li­chen Berufs unab­ding­bar erfor­der­lich sei, auch nicht dadurch zer­stört, dass der Klä­ger im Rah­men sexu­el­ler Bezie­hun­gen zu zwei Frau­en, die er als Pati­en­tin­nen ken­nen gelernt hat­te, sado­ma­so­chis­ti­sche Prak­ti­ken aus­ge­übt habe. Die­ses Ver­hal­ten sei nicht straf­bar, da der Klä­ger sei­ne Part­ne­rin­nen weder mit Gewalt noch mit Dro­hun­gen zu sexu­el­len Hand­lun­gen genö­tigt habe. Die­se hät­ten die Prak­ti­ken hin­ge­nom­men, um die Bezie­hung nicht zu gefähr­den. Die Ein­wil­li­gung sei mit Blick auf Art und Schwe­re der Ver­let­zungs­hand­lun­gen auch nicht sit­ten­wid­rig. Es las­se sich zudem nicht fest­stel­len, dass der Klä­ger das Arzt-Pati­en­ten-Ver­hält­nis aus­ge­nutzt habe, um die Bezie­hun­gen in der von ihm gewünsch­ten Art füh­ren zu kön­nen. Er habe die bei­den Frau­en zwar als Pati­en­tin­nen ken­nen gelernt. Sie sei­en von ihm als Arzt aber nicht abhän­gig gewe­sen. Die sexu­el­len Bezie­hun­gen sei­en des­halb vom Arzt-Pati­en­ten-Ver­hält­nis getrennt zu betrach­ten. Es las­se sich auch nicht fest­stel­len, dass der Klä­ger den Part­ne­rin­nen bei den sado­ma­so­chis­ti­scher Prak­ti­ken vor­sätz­lich gra­vie­ren­de Ver­let­zun­gen zuge­fügt habe, die auch bei feh­len­der Straf­bar­keit mit dem Bild eines hel­fen­den und hei­len­den Arz­tes unver­ein­bar wären.

Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg, Urteil vom 16. Juni 2011 – 7 K 927/​10