Stol­per­stein auf dem Weg zum Fach­an­walt – Rechts­schutz gegen die Ladung zum Fach­ge­spräch

Die Ladung zu einem Fach­ge­spräch nach § 7 Abs.1 Satz 1 FAO kann nach Ansicht des Anwalts­ge­richts­hofs Cel­le nicht mit einer iso­lier­ten Anfech­tungs­kla­ge ange­grif­fen wer­den.

Stol­per­stein auf dem Weg zum Fach­an­walt – Rechts­schutz gegen die Ladung zum Fach­ge­spräch

In der Lite­ra­tur ist umstrit­ten, ob die Ladung zu einem Fach­ge­spräch nach § 7 Abs.1 Satz 1 FAO iso­liert mit einer Anfech­tungs­kla­ge ange­grif­fen wer­den kann. Wäh­rend ein Teil der Lite­ra­tur die­se Mög­lich­keit bejaht 1, wird von der Gegen­auf­fas­sung eine iso­lier­te Anfecht­bar­keit die­ser Ent­schei­dung abge­lehnt 2. Der BGH hat sich soweit ersicht­lich noch nicht mit der Fra­ge der iso­lier­ten Anfecht­bar­keit der Ladung zu einem Fach­ge­spräch nach § 7 Abs.1 Satz 1 FAO befasst.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat sich in den in die­sem Zusam­men­hang zum Teil zitier­ten Ent­schei­dun­gen vom 18.11.1996 3, 21.06.1999 4 und 07.03.2005 5 zwar mit der Fra­ge der Zuläs­sig­keit der Anord­nung eines Fach­ge­sprächs befasst, nicht aber mit der Fra­ge der iso­lier­ten Anfecht­bar­keit die­ser Ent­schei­dung. Die­sen Ent­schei­dun­gen lag jeweils ein Sach­ver­halt zugrun­de, in dem der Antrag auf Gestat­tung des Füh­rens der Fach­an­walts­be­zeich­nung ins­ge­samt zurück­ge­wie­sen wor­den war, so dass die Fra­ge der Recht­mä­ßig­keit der Durch­füh­rung des Fach­ge­sprä­ches in die­sem Zusam­men­hang geprüft wur­de. Der Baye­ri­sche Anwalts­ge­richts­hof in Mün­chen hat die iso­lier­te Anfecht­bar­keit der Ladung zu einem Fach­ge­spräch in einem Beschluss vom 12.12.1995 6 noch zu § 10 RAFach­BezG bejaht.

Nach­dem seit dem 1. Sep­tem­ber 2009 nach § 32 BRAO – "soweit nichts ande­res bestimmt ist" – das Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­setz für das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren nach der BRAO und nach § 112 c Abs.1 BRAO die VwGO für das Ver­fah­ren vor dem Anwalts­ge­richts­hof Anwen­dung fin­den, ist die Ladung zum Fach­ge­spräch man­gels abwei­chen­der Rege­lun­gen in der FAO als vor­be­rei­ten­de Ver­fah­rens­hand­lung nach §§ 112 c Abs.1 BRAO, 44 a VwGO nicht mehr geson­dert angreif­bar. Der Anwalts­ge­richts­hof Cel­le schließt sich inso­weit der Gegen­auf­fas­sung an.

Die Ladung zu einem Fach­ge­spräch stellt für sich genom­men noch kei­ne einen Ein­zel­fall regeln­de und auf eine unmit­tel­ba­re Rechts­wir­kung nach außen gerich­te­te Ent­schei­dung und damit nach § 35 VwVfG einen Ver­wal­tungs­akt dar. Es han­delt sich viel­mehr nur um eine vor­be­rei­ten­de Ver­fah­rens­hand­lung.

Nach § 24 Abs.5 FAO lädt der Vor­sit­zen­de des Fach­aus­schus­ses den Antrag­stel­ler zum Fach­ge­spräch. Nach § 24 Abs.8 und 9 FAO gibt der Fach­aus­schuss eine abschlie­ßen­de Emp­feh­lung gegen­über der Rechts­an­walts­kam­mer ab, deren Vor­stand nach § 43 c Abs.2 BRAO über den Antrag ent­schei­det. Die­ses Ver­fah­ren und die Zustän­dig­keits­reg­lun­gen zei­gen, dass es sich bei der Ladung zu dem Fach­ge­spräch nach § 7 Abs.1 Satz 1 FAO nur um eine vor­be­rei­ten­de Ver­fah­rens­hand­lung und noch nicht um die Sach­ent­schei­dung selbst han­delt, sodass die Ver­fah­rens­hand­lung nach § 44 a VwGO nicht iso­liert anfecht­bar ist. Die eigent­li­che Sach­ent­schei­dung mit unmit­tel­ba­rer Rechts­wir­kung nach außen wird – gege­be­nen­falls unter Berück­sich­ti­gung des Ergeb­nis­ses des Fach­ge­sprächs – erst durch den Vor­stand der Rechts­an­walts­kam­mer getrof­fen. Der Umstand, dass der ange­foch­te­ne Bescheid vom Prä­si­di­um der Beklag­ten beschlos­sen; und vom Prä­si­den­ten gewis­ser­ma­ßen im Namen des Fach­aus­schus­ses erlas­sen wur­de, wäre wohl gem. §§ 32 Abs. 1 BRAO, 46 VwVfG geheilt; die­se Fra­ge kann hier offen blei­ben. Die dem Bescheid ange­füg­te Rechts­be­helfs­be­leh­rung ver­mag aller­dings einen Rechts­be­helf, der von Geset­zes wegen nicht statt­haft ist, nicht zu eröff­nen.

In der FAO und der BRAO fin­den sich – anders als bei­spiels­wei­se in § 15 Abs. 2 BRAO – auch kei­ne abwei­chen­den Bestim­mun­gen im Sin­ne des § 112 c Abs. 1 BRAO, die aus­nahms­wei­se doch eine iso­lier­te Anfecht­bar­keit zulas­sen wür­den.

Der auf eine iso­lier­te Anfech­tung des Beschei­des der Rechts­an­walts­kam­mer über die Ladung zum Fach­ge­spräch nach § 7 Abs.1 Satz 1 FAO gerich­te­te Kla­ge­an­trag ist daher unzu­läs­sig.

Anwalts­ge­richts­hof Cel­le, Teil­ur­teil vom 17.03.2014 – AGH 16/​13, AGH 16/​13 (II 10/​14)

  1. vgl. in die­sem Sin­ne Feuerich/​Weyland/​Vossebürger, BRAO, 8. Aufl. (2012), § 7 FAO Rn. 15; Henssler/​Prütting/​Hartung, BRAO, 4. Aufl. (2014), § 7 FAO Rn. 17, bei­de mwN.[]
  2. vgl. Gaier/​Wolf/​Glöcken/​Quaas, BRAO (2009), § 7 FAO Rn. 22; Hartung/​Scharner, BerufsO, 5.Aufl. (2012), § 7 FAO Rn. 81; Offer­mann-Burck­art, Fach­an­walt wer­den und blei­ben, 3. Aufl. (2012), Rn. 1173, jeweils mwN, Henssler/​Prütting/​Deckenbrock, BRAO, 4. Aufl. (2014), § 112 c BRAO Rn. 5[]
  3. BGH, Beschluss vom 18.11.1996 – AnwZ (B) 29/​96, NJW 1997, S. 1307 ff.[]
  4. BGH, Beschluss vom 21.06.1999 – AnwZ (B) 91/​98, NJW 1999, S. 2677f.[]
  5. BGH, Beschluss vom 07.03.2005 – AnwZ (B) 11/​04, BRAK-Mitt.2005, S. 123 ff.[]
  6. BayAGH, Beschluss vom 12.12.1995 – BayAGH I – 8/​95, BRAK-Mitt.1996, S.205 f.[]