Tausch­bör­se – Urhe­ber­rechts­ver­let­zung – Aus­kunft zur IP-Adres­se

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits ent­schie­den, dass der in Fäl­len offen­sicht­li­cher Rechts­ver­let­zung bestehen­de Anspruch aus § 101 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 UrhG auf Aus­kunft gegen eine Per­son, die in gewerb­li­chem Aus­maß für rechts­ver­let­zen­de Tätig­kei­ten genutz­te Dienst­leis­tun­gen erbrach­te, nicht vor­aus­setzt, dass die rechts­ver­let­zen­den Tätig­kei­ten das Urhe­ber­recht oder ein ande­res nach dem Urhe­ber­rechts­ge­setz geschütz­tes Recht in gewerb­li­chem Aus­maß ver­letzt haben 1.

Tausch­bör­se – Urhe­ber­rechts­ver­let­zung – Aus­kunft zur IP-Adres­se

Er hat fer­ner ent­schie­den, dass auch die Begründ­etheit des Antrags nach § 101 Abs. 9 Satz 1 UrhG auf Gestat­tung der Ver­wen­dung von Ver­kehrs­da­ten zur Ertei­lung der Aus­kunft über den Namen und die Anschrift der Nut­zer, denen zu bestimm­ten Zeit­punk­ten bestimm­te (dyna­mi­sche) IP-Adres­sen zuge­wie­sen waren, jeden­falls in den Fäl­len, in denen ein Aus­kunfts­an­spruch nach § 101 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 UrhG wegen einer offen­sicht­li­chen Rechts­ver­let­zung gegen eine Per­son besteht, die in gewerb­li­chem Aus­maß für rechts­ver­let­zen­de Tätig­kei­ten genutz­te Dienst­leis­tun­gen erbracht hat, grund­sätz­lich kein beson­de­res und ins­be­son­de­re kein gewerb­li­ches Aus­maß der Rechts­ver­let­zung vor­aus­setzt 2.

In dem vor­lie­gend vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fäl­len hat­ten das Land­ge­richt Köln 3 und in der Beschwer­de­instanz auch das Ober­lan­des­ge­richt Köln 4 einen Aus­kunfts­an­spruch ver­neint, da durch die Benut­zung einer Tausch­bör­se allein noch kei­ne Urhe­ber­rechts­ver­let­zung im gewerb­li­chen Aus­maß vor­lie­ge. Der Bun­des­ge­richts­hof sah dies jedoch anders:

Die Antrag­stel­le­rin hat gegen die Betei­lig­te einen Anspruch aus § 101 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 UrhG auf Aus­kunft über den Namen und die Anschrift der­je­ni­gen Nut­zer, denen die in der Anla­ge ASt 1 auf­ge­führ­ten IP-Adres­sen zu den jewei­li­gen Zeit­punk­ten zuge­wie­sen waren.

Die Antrag­stel­le­rin ist als Inha­be­rin der aus­schließ­li­chen Nut­zungs­rech­te an dem Com­pu­ter­spiel "F1 2010" berech­tigt, den Aus­kunfts­an­spruch gel­tend zu machen. Ihr steht auch das aus­schließ­li­che Recht zu, das Com­pu­ter­spiel öffent­lich zugäng­lich zu machen (§ 19a UrhG).

Die­ses aus­schließ­li­che Recht ist dadurch ver­letzt wor­den, dass Nut­zer das Com­pu­ter­spiel "F1 2010" in der Zeit zwi­schen dem 26.01.2012 und dem 1.02.2012 über eine Online­Tausch­bör­se ande­ren Nut­zern zum Her­un­ter­la­den ange­bo­ten haben. Die Rechts­ver­let­zung ist auch offen­sicht­lich; sie ist so ein­deu­tig, dass eine unge­recht­fer­tig­te Belas­tung der Betei­lig­ten aus­ge­schlos­sen erscheint 5.

Die Betei­lig­te hat als Inter­net­Pro­vi­der den Nut­zern die Inter­net­an­schlüs­se zur Ver­fü­gung gestellt und die jewei­li­gen (dyna­mi­schen) IP-Adres­sen zuge­wie­sen und damit in gewerb­li­chem Aus­maß für die rechts­ver­let­zen­den Tätig­kei­ten genutz­te Dienst­leis­tun­gen erbracht.

Die Inan­spruch­nah­me der Betei­lig­ten auf Aus­kunfts­er­tei­lung ist auch nicht unver­hält­nis­mä­ßig (§ 101 Abs. 4 UrhG). Es ist weder vor­ge­tra­gen noch ersicht­lich, dass die Antrag­stel­le­rin als Aus­kunfts­be­rech­tig­te kein oder nur ein äußerst gerin­ges Inter­es­se dar­an haben kann, die Rechts­ver­let­zer genannt zu bekom­men 6.

Die begehr­te Aus­kunft über den Namen und die Anschrift der­je­ni­gen Nut­zer, denen die frag­li­chen IP-Adres­sen zu den besag­ten Zei­ten zuge­wie­sen waren, kann nur unter Ver­wen­dung von Ver­kehrs­da­ten (§ 3 Nr. 30 TKG) im Sin­ne des § 101 Abs. 9 Satz 1 UrhG erteilt wer­den 7.

Die Begründ­etheit des Antrags nach § 101 Abs. 9 Satz 1 UrhG auf Gestat­tung der Ver­wen­dung von Ver­kehrs­da­ten zur Ertei­lung der Aus­kunft über den Namen und die Anschrift der Nut­zer, denen zu bestimm­ten Zeit­punk­ten bestimm­te (dyna­mi­sche) IP-Adres­sen zuge­wie­sen waren, setzt jeden­falls in den Fäl­len, in denen – wie hier – ein Aus­kunfts­an­spruch nach § 101 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 UrhG wegen einer offen­sicht­li­chen Rechts­ver­let­zung gegen eine Per­son besteht, die in gewerb­li­chem Aus­maß für rechts­ver­let­zen­de Tätig­kei­ten genutz­te Dienst­leis­tun­gen erbracht hat, grund­sätz­lich kein beson­de­res und ins­be­son­de­re kein gewerb­li­ches Aus­maß der Rechts­ver­let­zung vor­aus 8.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschlüs­se vom 16. Mai 2013 – I ZB 25/​12, I ZB 43/​12, I ZB 44/​12 und I ZB 50/​12

  1. BGH, Beschluss vom 19.04.2012 – I ZB 80/​11, GRUR 2012, 1026 Rn. 10 bis 30 = WRP 2012, 1250 – Alles kann bes­ser wer­den[]
  2. BGH, GRUR 2012, 1026 Rn. 40 bis 52 – Alles kann bes­ser wer­den[]
  3. LG Köln, Beschlüs­se vom 15.09.2011 – 218 O 192/​11; vom 20.01.2012 – 237 O 303/​11; vom 31.01.2012 – 218 O 252/​11; und vom 08.03.2012 – 228 O 39/​12[]
  4. OLG Köln, Beschlüs­se vom 06.02.2012 – 6 W 21/​12; vom 12.04.2012 – 6 W 85/​12; vom 29.03.2012 – 6 W 48/​12; und vom 11.04.2012 – 6 W 90/​12[]
  5. vgl. BT-Drucks. 16/​5048, S. 39[]
  6. vgl. BGH, GRUR 2012, 1026 Rn. 36 – Alles kann bes­ser wer­den[]
  7. vgl. BGH, GRUR 2012, 1026 Rn. 37 bis 39 – Alles kann bes­ser wer­den[]
  8. vgl. BGH, GRUR 2012, 1026 Rn. 40 bis 52 – Alles kann bes­ser wer­den[]

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