Über­set­zer­ho­no­ra­re

Über­set­zer lite­ra­ri­scher Wer­ke haben nach einem aktu­el­len Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs grund­sätz­lich einen Anspruch auf ange­mes­se­ne Ver­gü­tung in Form einer pro­zen­tua­len Betei­li­gung am Erlös der ver­kauf­ten Bücher.

Über­set­zer­ho­no­ra­re

In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Rechts­streit hat­te sich die kla­gen­de Über­set­ze­rin gegen­über der beklag­ten Ver­lags­grup­pe im Novem­ber 2001 zur Über­set­zung zwei­er Roma­ne aus dem Eng­li­schen ins Deut­sche ver­pflich­tet. Sie räum­te dem Ver­lag sämt­li­che Nut­zungs­rech­te an ihrer Über­set­zung inhalt­lich umfas­send und zeit­lich unbe­schränkt ein. Dafür erhielt sie das ver­ein­bar­te Hono­rar von rund 15 € für jede Sei­te des über­setz­ten Tex­tes.

Die Klä­ge­rin ist der Ansicht, das ver­ein­bar­te Hono­rar sei unan­ge­mes­sen. Sie hat von der Beklag­ten des­halb nach § 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG eine Ände­rung des Über­set­zer­ver­tra­ges ver­langt. Nach die­ser Bestim­mung – die im Juli 2002 in Kraft getre­ten und grund­sätz­lich auf seit Juli 2001 geschlos­se­ne Ver­trä­ge anwend­bar ist – kann der Urhe­ber von sei­nem Ver­trags­part­ner die Ein­wil­li­gung in die Ände­rung des Ver­tra­ges ver­lan­gen, falls die ver­ein­bar­te Ver­gü­tung nicht ange­mes­sen ist.

Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Land­ge­richt Mün­chen1 und in der Beru­fungs­in­stanz das Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen 2 haben der Kla­ge teil­wei­se statt­ge­ge­ben. Auf die Revi­si­on der Par­tei­en hat der Bun­des­ge­richts­hof nun das Beru­fungs­ur­teil des OLG Mün­chen auf­ge­ho­ben und die Sache an das OLG Mün­chen zurück­ver­wie­sen.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts gebil­ligt, dass die Klä­ge­rin von der Beklag­ten grund­sätz­lich die gewünsch­te Ein­wil­li­gung in eine Ver­trags­än­de­rung ver­lan­gen kann. Das von den Par­tei­en zur Abgel­tung sämt­li­cher Rech­te ver­ein­bar­te Pau­schal­ho­no­rar von etwa 15 € je Sei­te sei zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses zwar bran­chen­üb­lich gewe­sen. Eine sol­che Ver­gü­tung sei jedoch im Sin­ne des Geset­zes unan­ge­mes­sen, weil sie das berech­tig­te Inter­es­se der Klä­ge­rin nicht wah­re, an jeder wirt­schaft­li­chen Nut­zung ihrer Über­set­zung ange­mes­sen betei­ligt zu wer­den. Zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses sei nicht abseh­bar gewe­sen, dass die Über­set­zung bis zum Erlö­schen des Urhe­ber­rechts sieb­zig Jah­re nach dem Tode der Klä­ge­rin (§ 64 UrhG) nur in einem Umfang genutzt wer­de, dass das ver­ein­bar­te Pau­schal­ho­no­rar ange­mes­sen sei.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat sodann wei­ter ent­schie­den, dass der Über­set­zer eines lite­ra­ri­schen Wer­kes, dem für die zeit­lich unbe­schränk­te und inhalt­lich umfas­sen­de Ein­räu­mung sämt­li­cher Nut­zungs­rech­te an sei­ner Über­set­zung ledig­lich ein für sich genom­men übli­ches und ange­mes­se­nes Sei­ten­ho­no­rar als Garan­tie­ho­no­rar zuge­sagt ist, dane­ben ab einer bestimm­ten Auf­la­gen­hö­he am Erlös der ver­kauf­ten Bücher pro­zen­tu­al zu betei­li­gen ist. Die­se zusätz­li­che Erfolgs­be­tei­li­gung setzt bei einer ver­kauf­ten Auf­la­ge von 5.000 Exem­pla­ren des über­setz­ten Wer­kes ein und beträgt nor­ma­ler­wei­se bei Hard­co­ver-Aus­ga­ben 0,8% und bei Taschen­bü­chern 0,4% des Net­to­la­den­ver­kaufs­prei­ses. Dar­über hin­aus kann der Über­set­zer – so der Bun­des­ge­richts­hof – grund­sätz­lich die Hälf­te des Net­to­er­lö­ses bean­spru­chen, den der Ver­lag dadurch erzielt, dass er Drit­ten das Recht zur Nut­zung des über­setz­ten Wer­kes ein­räumt. Dabei ist unter Net­to­er­lös der Betrag zu ver­ste­hen, der nach Abzug der Ver­gü­tun­gen wei­te­rer Rech­te­inha­ber ver­bleibt und auf die Ver­wer­tung der Über­set­zung ent­fällt.

Da das Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen im Rah­men des Beru­fungs­ver­fah­rens noch nicht geprüft hat, ob im kon­kre­ten Fall beson­de­re Umstän­de vor­lie­gen, die eine Abwei­chung von den im Regel­fall ange­mes­se­nen Sät­zen recht­fer­ti­gen, wur­de die Sache vom Bun­des­ge­richts­hof an das OLG Mün­chen zurück­ver­wie­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 7. Okto­ber 2009 – I ZR 38/​07 (Tal­king to Addi­son)

  1. LG Mün­chen I, Urteil vom 30.11.2005 – 21 O 24780/​04, ZUM 2006, 159[]
  2. OLG Mün­chen, Urteil vom 08.02.2007 – 6 U 5649/​05, ZUM-RD 2007, 166[]
  3. BGH, Urteil vom 07.10.2009 – I ZR 38/​07, BGHZ 182, 337 [Tal­king to Addi­son][]