Ver­bo­te­ne Tabak­wer­bung – und der Inter­net­auf­tritt eines Tabak­her­stel­lers

Wer­ben­de Abbil­dun­gen auf der Start­sei­te des Inter­net­auf­tritts eines Tabak­her­stel­lers stel­len eine unzu­läs­si­ge Tabak­wer­bung dar.

Ver­bo­te­ne Tabak­wer­bung – und der Inter­net­auf­tritt eines Tabak­her­stel­lers

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te ein Ver­brau­cher­schutz­ver­band gegen einen mit­tel­stän­di­schen Tabak­her­stel­ler geklagt, auf des­sen Inter­net­sei­te sich inter­es­sier­te Nut­zer über das Unter­neh­men infor­mie­ren kön­nen, wobei die ein­zel­nen Inhal­te erst nach einer elek­tro­ni­schen Alters­ab­fra­ge auf­ge­ru­fen wer­den kön­nen. Im Novem­ber 2014 befand sich auf der Start­sei­te des Inter­net­auf­tritts des Tabakkher­stel­lers eine Abbil­dung, die vier gut gelaun­te, läs­sig anmu­ten­de Per­so­nen zeig­te, die Tabak­erzeug­nis­se kon­su­mier­ten. Der Ver­brau­cher­schutz­ver­band sah dar­in eine unzu­läs­si­ge Tabak­wer­bung und ver­lang­te von dem Tabak­her­stel­ler, die Wer­bung mit die­ser Abbil­dung zu unter­las­sen.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Lands­hut hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben 1, das Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen die hier­ge­gen gerich­te­te Kla­ge des Tabak­her­stel­lers zurück­ge­wie­sen 2. Der Bun­des­ge­richts­hof bestä­tig­te nun die­se Ent­schei­dun­gen und wies auch die Revi­si­on des Tabak­her­stel­lers zurück:

Die Abbil­dung auf der Start­sei­te des Inter­net­auf­tritts des Tabak­her­stel­lers ist eine Wer­bung für Tabak­erzeug­nis­se, weil die Pro­duk­te des Tabak­her­stel­lers dem Besu­cher der Web­site näher gebracht und als attrak­tiv dar­ge­stellt wer­den. Die­se Wer­bung erfolgt in einem Dienst der Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft, so dass sie nach dem zum Zeit­punkt der Wer­bung gül­ti­gen § 21a Abs. 3 und 4 des Vor­läu­fi­gen Tabak­ge­set­zes und nach dem jetzt gel­ten­den § 19 Abs. 2 und 3 Tabak­erzG ver­bo­ten ist. Nach den maß­geb­li­chen uni­ons­recht­li­chen Bestim­mun­gen ist "Dienst der Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft" jede in der Regel gegen Ent­gelt elek­tro­nisch im Fern­ab­satz und auf indi­vi­du­el­len Abruf eines Emp­fän­gers erbrach­te Dienst­leis­tung. Der Begriff soll nach Erwä­gungs­grund 18 der Richt­li­nie 2000/​31/​EG auch Diens­te erfas­sen, die nicht von den­je­ni­gen ver­gü­tet wer­den, die sie emp­fan­gen, wie etwa Online-Infor­ma­ti­ons­diens­te oder kom­mer­zi­el­le Kom­mu­ni­ka­ti­on. Nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH, Urteil vom 4. Mai 2017 – C‑339/​15 – Luc Van­den­borght) folgt dar­aus, dass die Web­site eines Unter­neh­mens, auf der für des­sen Pro­duk­te oder Dienst­leis­tun­gen gewor­ben wird, einen Dienst der Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft dar­stellt.

§ 19 Abs. 2 und 3 Tabak­erzG setzt Art. 3 Abs. 2 der Richt­li­nie 2003/​33/​EG um, der bestimmt, dass in der Pres­se und ande­ren gedruck­ten Ver­öf­fent­li­chun­gen ver­bo­te­ne Wer­bung in Diens­ten der Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft eben­falls nicht gestat­tet ist. Für die Bestim­mung des Umfangs die­ses Ver­bots ist Erwä­gungs­grund 4 der Richt­li­nie 2003/​33/​EG her­an­zu­zie­hen. Danach muss Tabak­wer­bung auf die­je­ni­gen Maga­zi­ne und Zeit­schrif­ten beschränkt wer­den, die sich nicht an die brei­te Öffent­lich­keit wen­den. Die welt­weit unbe­schränkt auf­ruf­ba­re Start­sei­te eines Unter­neh­mens wen­det sich an die brei­te Öffent­lich­keit und wird des­halb von dem Ver­bot der Tabak­wer­bung in Diens­ten der Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft erfasst.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Okto­ber 2017 – – I ZR 117/​16

  1. LG Lands­hut, Urteil vom 29.06.2015 – 72 O 3510/​14[]
  2. OLG Mün­chen, Urteil vom 21.04.2016 – 6 U 2775/​15[]