Berufs­un­fä­hig­keits­ren­ten­zah­lun­gen: BHG ermög­licht wei­te­re Zah­lun­gen trotz befris­te­ter Anerkenntnis

Für vie­le Ver­si­cher­te, die eine Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung abge­schlos­sen haben, bie­tet ein aktu­el­les Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs einen Grund zum Auf­at­men. Wer aktu­ell berufs­un­fä­hig ist und von sei­nem Ver­si­che­rer in ein befris­te­tes Aner­kennt­nis gestuft wur­de, hat nun mög­li­cher­wei­se Anspruch auf Aus­zah­lun­gen, die über die­se Befris­tung hin­aus­ge­hen. Soll­ten Sie eben­falls berufs­un­fä­hig sein oder eine ent­spre­chen­de Ver­si­che­rung abge­schlos­sen haben, kann es sich loh­nen noch ein­mal einen genau­en Blick in Ihre Poli­cen zu wer­fen. Mehr Infor­ma­tio­nen zum Urteil, zur Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung und zum befris­te­ten Aner­kennt­nis haben wir an die­ser Stel­le für Sie zusammengefasst.

Berufs­un­fä­hig­keits­ren­ten­zah­lun­gen: BHG ermög­licht wei­te­re Zah­lun­gen trotz befris­te­ter Anerkenntnis

Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung wich­tig für Ange­stell­te und Selbstständige

Es ist eine der wich­tigs­ten Ver­si­che­run­gen, die Sie als Arbeit­neh­me­rin, Arbeit­neh­mer oder Selbst­stän­di­ge abschlie­ßen kön­nen: die Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung. Denn mit der staat­li­chen Erwerbs­min­de­rungs­ren­te wer­den Sie nicht weit kom­men, wenn Sie Ihren Beruf nicht mehr aus­üben kön­nen. Sta­tis­tisch gese­hen, wird jeder vier­te in Deutsch­land irgend­wann ein­mal im Lau­fe der Kar­rie­re berufs­un­fä­hig. Das ent­spricht rund 25 Pro­zent der Bevöl­ke­rung. Das hat zumin­dest eine Sta­tis­tik der Deut­schen Aktuar­ver­ei­ni­gung (DAV) aus dem Jahr 2019 ergeben.

Die Grün­de und Ursa­chen für eine Berufs­un­fä­hig­keit kön­nen dabei sehr viel­fäl­tig sein. Auf Platz eins liegt mit Abstand die Psy­che. Nerv­li­che und psy­chi­sche Erkran­kun­gen machen knapp 30 Pro­zent der Berufs­un­fä­hi­gen zu Schaf­fen. Allen vor­an die neue Volks­krank­heit Bur­nout. Dahin­ter fol­gen Erkran­kun­gen am Ske­lett und Bewe­gungs­ap­pa­rat, Krebs, Herz- und Kreis­lauf­erkran­kun­gen, Unfäl­le sowie sons­ti­ge Erkrankungen.

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Berufs­un­fä­hig sind Sie dann, wenn Sie ihren aktu­el­len Job nicht mehr aus­üben kön­nen. Genau­er gesagt, wenn Sie nicht mehr als 50 Pro­zent Ihrer regu­lä­ren Arbeits­zeit bewäl­ti­gen können.

Um hier vor­zu­beu­gen und die eige­ne Arbeits­kraft abzu­si­chern emp­fiehlt es sich wirk­lich für jede und jeden eine Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung abzu­schlie­ßen. Selbst Stu­die­ren­de kön­nen davon pro­fi­tie­ren, denn das Stu­di­um selbst kann häu­fig auch zu Stress und psy­chi­schen Pro­ble­men führen.

Alter­na­ti­ven und Zusät­ze zur BU-Versicherung

Oft ver­ges­sen vie­le Ange­stell­te es schlicht­weg, sich aus­rei­chend abzu­si­chern. Nicht nur in Sachen Berufs­un­fä­hig­keit, son­dern auch im Bereich der pri­va­ten Alters­vor­sor­ge. Wir wis­sen, dass die gesetz­li­che Ren­te in den meis­ten Fäl­len nicht aus­rei­chen wird, um den aktu­el­len Lebens­stan­dard im Ruhe­stand wei­ter­hin zu hal­ten. Des­halb muss pri­vat vor­ge­sorgt werden.

Um die­ser chro­nisch unter­ver­si­cher­ten Grup­pe etwas unter die Arme zu grei­fen, bie­ten mitt­ler­wei­le vie­le Ver­si­che­rer eine Kom­bi­na­ti­on aus pri­va­ter Alters­vor­sor­ge und Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung an. Wenn Sie hier geschickt kom­bi­nie­ren, kön­nen Sie sich sogar ent­spre­chen­de steu­er­li­che Vor­tei­le sichern. Aller­dings ist die Kom­bi­na­ti­on bei­der Ver­si­che­run­gen nicht für jeden sinn­voll. Wich­tig ist, dass das Ein­kom­men und die Lebens­si­tua­ti­on auf eine abseh­ba­re Zeit sta­bil blei­ben. Grund­sätz­lich soll­ten Sie dabei über ein höhe­res Ein­kom­men verfügen.

Ansons­ten soll­ten Sie sich eher für eine sepa­ra­te Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­run­gen ent­schei­den, bei denen Sie etwas fle­xi­bler sein können.

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Was ist ein befris­te­tes Anerkenntnis?

Kom­men wir zurück zum Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs. Hier ist die Rede von Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­run­gen mit einem befris­te­ten Aner­kennt­nis. Doch um was han­delt es sich dabei? Wer berufs­un­fä­hig wird und dage­gen ver­si­chert ist, bean­tragt bei sei­ner Ver­si­che­rung Leis­tun­gen. Um ein Anrecht auf die Aus­zah­lung der Ver­si­che­rungs­ren­te zu haben, müs­sen Sie dem Ver­si­che­rer nach­wei­sen, dass Sie auch wirk­lich berufs­un­fä­hig sind.

Wird der Antrag ange­nom­men, kann der Ver­si­che­rer nun ein unbe­fris­te­tes oder ein befris­te­tes Aner­kennt­nis der Berufs­un­fä­hig­keit aus­spre­chen. Bei letz­te­rem erhal­ten Sie die Ren­te nur für die Dau­er einer fest­ge­setz­ten Zeit. Danach müs­sen Sie erneut nach­wei­sen, dass Sie berufs­un­fä­hig sind.

Beim unbe­fris­te­ten Aner­kennt­nis muss der Ver­si­che­rer nach­prü­fen, ob ein Leis­tungs­be­darf noch besteht. Er steht also in der Bring­schuld und muss Ihnen so lan­ge Ihre Ren­te bezah­len, bis das Gegen­teil bewie­sen ist.

Das besagt das Urteil des Bundesgerichtshofes

In sei­ner Ent­schei­dung vom 09. Okto­ber 2019 hat der deut­sche Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den, dass ein befris­te­tes Aner­kennt­nis nur dann auch wirk­lich sei­ne Gül­tig­keit hat, wenn es aus­rei­chend begrün­det wur­de. Ver­si­che­rer kön­nen also nicht ohne Grund eine Befris­tung auf die Aus­zah­lung der Berufs­un­fä­hig­keits­ren­te setzen.

Nun ist es jedoch auf­fäl­lig gewor­den, dass eine sol­che Begrün­dung in vie­len Ver­si­che­rungs­ver­trä­gen schlicht­weg nicht vor­han­den ist. Somit sind die Befris­tun­gen der Aus­zah­lun­gen unwirk­sam. Betrof­fe­ne Berufs­un­fä­hi­ge kön­nen ihre Ver­trä­ge des­halb als unbe­fris­tet betrach­ten. Will der Ver­si­che­rer sei­ne Zah­lung also been­den, muss er eine Nach­prü­fung ansetzen.

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Das sind natür­lich gute Nach­rich­ten für Ver­si­cher­te, die trotz die­ser Befris­tung nun den­noch Anspruch auf eine Fort­zah­lung ihrer Ren­te haben, und zwar bis das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men eine erfolg­rei­che Nach­prü­fung auf den Weg gebracht hat, die beweist, dass der Ver­si­cher­te nicht mehr berufs­un­fä­hig ist.

Ver­si­che­rungs­un­ter­la­gen prüfen

Um fest­zu­stel­len, ob Sie eben­falls davon betrof­fen sind, soll­ten Sie ihre Ver­si­che­rungs­un­ter­la­gen genau über­prü­fen. Ins­be­son­de­re soll­ten Sie für die Über­prü­fung Ihres befris­te­ten Aner­kennt­nis­ses einen Fach­mann zura­te zie­hen, der Ihnen hier noch wei­te­re Infor­ma­tio­nen lie­fern wird. Er kann auch fest­stel­len, ob Sie noch immer Anspruch auf eine Fort­zah­lung Ihrer Berufs­un­fä­hig­keits­ren­te haben.

Soll­te kei­ne aus­rei­chen­de Begrün­dung sei­tens Ihres Ver­si­che­rers für die Befris­tung vor­lie­gen, haben Sie noch immer Anspruch auf eine Aus­zah­lung. Das gilt natür­lich dann eben­falls, wenn Sie aktu­ell nicht mehr berufs­un­fä­hig sind, da den­noch kei­ne Nach­prü­fung durch den Ver­si­che­rer statt­ge­fun­den hat.

Auch wenn Sie aktu­ell noch in der Aus­zah­lungs­pha­se sind, soll­ten Sie sich Ihre Unter­la­gen genau anschau­en, um Ihre mög­li­chen spä­te­ren Ansprü­che, die über die Frist hin­aus­ge­hen, zu überprüfen.

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