Wett­be­werbs­be­hin­de­rung per Mar­ken­an­mel­dung

Eine Mar­ken­an­mel­dung beinhal­tet kei­ne geziel­te Behin­de­rung im Sin­ne des § 4 Nr. 10 UWG, wenn die Gesamt­be­trach­tung aller im Ein­zel­fall bestehen­den Umstän­de nicht mit hin­rei­chen­der Sicher­heit auf eine Behin­de­rungs­ab­sicht schlie­ßen lässt.

Wett­be­werbs­be­hin­de­rung per Mar­ken­an­mel­dung

Eine Mar­ken­an­mel­dung stellt eine geziel­te Behin­de­rung von Wett­be­wer­bern im Sin­ne des § 4 Nr. 10 UWG dar, wenn der Zei­chen­in­ha­ber die Mar­ke in Kennt­nis eines schutz­wür­di­gen Besitz­stan­des des Vor­be­nut­zers oder in der Absicht hat ein­tra­gen las­sen, für die­sen den Gebrauch der Bezeich­nung zu sper­ren; unlau­ter kann auch die Zweck­ent­frem­dung der wett­be­werbs­recht­lich an sich unbe­denk­li­chen mar­ken­recht­li­chen Sperr­wir­kung als Mit­tel des Wett­be­werbs­kamp­fes sein 1.

Eine Behin­de­rungs­ab­sicht braucht nicht der ein­zi­ge Beweg­grund des Anmel­ders zu sein; es ist aus­rei­chend, wenn sie das wesent­li­che Motiv für die Anmel­dung dar­stellt 2. Des­halb schließt allein die etwaig bestehen­de Absicht, die ange­mel­de­te Mar­ke auch tat­säch­lich zu benut­zen, die Annah­me der Behin­de­rungs­ab­sicht nicht zwangs­läu­fig aus 3. Für die Fest­stel­lung der Behin­de­rungs­ab­sicht ist eine Gesamt­ab­wä­gung aller Umstän­de des Ein­zel­falls vor­zu­neh­men 4. Eine Behin­de­rungs­ab­sicht liegt etwa dann nicht vor, wenn mit der Anmel­dung ledig­lich die „Mar­ken­fa­mi­lie“ des Anmel­ders gepflegt wer­den soll; denn hier steht die Ten­denz im Vor­der­grund, einen Ein­bruch frem­der Bezeich­nun­gen in den eige­nen Mar­ken­be­stand zu ver­hin­dern 5.

Bei der Beur­tei­lung der Motiv­la­ge der Klä­ge­rin bei der Gestal­tung ihres – mar­ken­recht­lich abge­si­cher­ten – Tätig­keits­be­reichs ist die­ser unter Lau­ter­keits­as­pek­ten ein eher wei­ter Beur­tei­lungs­spiel­raum zuzu­bil­li­gen, weil es sich hier um von vie­len unge­wis­sen zukünf­ti­gen Fak­to­ren abhän­gi­ge unter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dun­gen han­delt, die es nahe­le­gen, „auf Num­mer sicher“ zu gehen und in Betracht kom­men­de Mar­ken­rech­te auf brei­ter Front zu gewähr­leis­ten. Eine gro­ße Brei­te jeden­falls des poten­ti­el­len Waren­sor­ti­ments erscheint hier auch des­halb plau­si­bel, weil die Klä­ge­rin – dies ist gerichts­be­kannt – als Groß­han­dels­un­ter­neh­men mit allen erdenk­li­chen Waren des kom­mer­zi­el­len und pri­va­ten Gebrauchs han­delt und inso­weit viel­fäl­ti­ge Eigen­mar­ken­an­ge­bo­te – etwa auch eine Aus­deh­nung ihres Tätig­keits­ge­biets auf das Feld der Com­pu­ter-Dienst­leis­tun­gen – denk­bar sind.

Die Klä­ge­rin hat wei­ter unwi­der­spro­chen dar­auf ver­wie­sen, dass die Anmel­dung der streit­ge­gen­ständ­li­chen Mar­ke vor dem Hin­ter­grund einer Abgren­zung des Erschei­nungs­bil­des von Kon­zern­ge­sell­schaf­ten erfolgt sei, wel­che ins­be­son­de­re durch die Farb­ge­bung der zuvor ein­ge­tra­ge­nen Mar­ke nicht hin­rei­chend wider­ge­spie­gelt wor­den sei (vgl. Anla­ge K 46: rot/​grau gegen blau/​gelb). Auch die­ser Umstand ist nicht als sach­fremd ein­zu­ord­nen, son­dern ent­spricht dem berech­tig­ten Inter­es­se der Klä­ge­rin an einer etwai­gen (Neu-) Gestal­tung der Außen­dar­stel­lung des Kon­zerns bzw. sei­ner Gesell­schaf­ten. Die neue Mar­ke ist eben nicht voll­stän­dig iden­tisch, indem sie zwar den­sel­ben Begriff „METRO“ ver­wen­det, aber eine ande­re Farb­ge­bung auf­weist. Dass bei die­ser Gele­gen­heit das Waren- und Dienst­leis­tungs­ver­zeich­nis aktua­li­siert wur­de, wie die Klä­ge­rin gel­tend macht, spricht dem­ge­gen­über nicht für unlau­te­re Absich­ten, son­dern wirkt – inso­weit das Ver­zeich­nis tat­säch­lich inhalt­lich ver­än­dert wor­den ist – eher ent­las­tend. Die mit der (zumin­dest teil­wei­sen) Über­nah­me des Waren- und Dienst­leis­tungs­ver­zeich­nis­ses der Vor­ein­tra­gung ver­bun­de­ne Per­p­etu­ie­rung der Benut­zungs­schon­frist erlangt hier ange­sichts der auf ein sach­li­ches Inter­es­se der Klä­ge­rin hin­deu­ten­den Umstän­de kein so bedeu­ten­des Gewicht, dass der Vor­wurf der unlau­te­ren Absicht gerecht­fer­tigt wäre.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 28. Janu­ar 2010 – 3 U 212/​08 (Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ein­ge­legt zum Bun­des­ge­richts­hof – I ZR 41/​10)

  1. BGH, GRUR 2008, 621, 624 – Aka­de­miks; GRUR 2005, 581, 582 – The Colour of Ele­gan­ce; GRUR 2001, 242, 244 – Clas­se E; GRUR 2000, 1032, 1034 – EQUI 2000[]
  2. BGH GRUR 2000, 1032, 1034 – EQUI 2000; GRUR 1986, 74, 76f. – Sham­rock III[]
  3. BGH a.a.O.[]
  4. BGH GRUR 2008, 621, 623 – Aka­de­miks[]
  5. GRUR 2005, 581, 582 – The Colour of Ele­gan­ce[]