Abson­de­rungs­rech­te und der Ver­kauf durch den Insol­venz­ver­wal­ter

Hat der Insol­venz­ver­wal­ter den abson­de­rungs­be­rech­tig­ten Gläu­bi­ger über die beab­sich­tig­te Ver­äu­ße­rung des vom Abson­de­rungs­recht betrof­fe­nen Gegen­stands an einen Drit­ten infor­miert und der Gläu­bi­ger dar­auf­hin sei­ne Bereit­schaft erklärt, den Gegen­stand selbst zu über­neh­men, muss der Ver­wal­ter den Gläu­bi­ger im Regel­fall nicht erneut infor­mie­ren, bevor er den Gegen­stand auf ein ver­bes­ser­tes Ange­bot an den Drit­ten ver­äu­ßert.

Abson­de­rungs­rech­te und der Ver­kauf durch den Insol­venz­ver­wal­ter

Die Fra­ge, ob ein Insol­venz­ver­wal­ter pflicht­wid­rig im Sin­ne von § 60 Abs. 1 InsO han­delt, wenn er einen abson­de­rungs­be­rech­tig­ten Gläu­bi­ger, der nach Mit­tei­lung der Ver­äu­ße­rungs­ab­sicht (§ 168 Abs. 1 InsO) sei­ne Bereit­schaft zur Selbst­über­nah­me erklärt hat (§ 168 Abs. 3 InsO), nicht erneut infor­miert, bevor er die Sache auf ein nach­ge­bes­ser­tes Ange­bot an einen Drit­ten ver­äu­ßert, ist, so der Bun­des­ge­richts­hof in einer aktu­el­len Ent­schei­dung, mit der in der Recht­spre­chung der Instanz­ge­rich­te und im Schrift­tum fast ein­hel­lig ver­tre­te­nen Mei­nung im Grund­satz zu ver­nei­nen [1]. Zweck der Mit­tei­lungs­pflicht nach § 168 Abs. 1 Satz 1 InsO ist es, im Hin­blick auf das Ver­wer­tungs­recht des Ver­wal­ters (§ 166 InsO) das Inter­es­se des abson­de­rungs­be­rech­tig­ten Gläu­bi­gers zu wah­ren, eine Ver­äu­ße­rung der Sache unter Wert zu ver­hin­dern und einen mög­lichst hohen, der gesi­cher­ten For­de­rung nahe kom­men­den Ver­wer­tungs­er­lös zu erzie­len. Hier­für genügt im Regel­fall eine ein­ma­li­ge Infor­ma­ti­on des Gläu­bi­gers über die beab­sich­tig­te Ver­äu­ße­rung. Die Mit­tei­lungs­pflicht des Ver­wal­ters hat hin­ge­gen nicht den Zweck, dem Gläu­bi­ger zu ermög­li­chen, mit dem inter­es­sier­ten Drit­ten in einen Wett­streit ein­zu­tre­ten mit dem Ziel, die Sache mög­lichst güns­tig selbst zu erwer­ben. Ein sol­cher Wett­streit könn­te zudem zu einer Ver­zö­ge­rung füh­ren, die durch die Rege­lung in § 168 InsO gera­de ver­mie­den wer­den soll. Dem Gläu­bi­ger ist zuzu­mu­ten, auf eine Mit­tei­lung des Ver­wal­ters über eine beab­sich­tig­te Ver­äu­ße­rung sogleich einen Betrag anzu­bie­ten, der aus sei­ner Sicht ange­mes­sen ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. April 2010 – IX ZR 208/​08

  1. LG Neu­bran­den­burg ZIP 2006, 1143; Münch-Komm-InsO/L­wow­ski/­Tetz­laff, 2. Aufl. § 168 Rn. 20 und 39; Uhlenbruck/​Brinkmann, InsO 13. Aufl. § 168 Rn. 7b; HK-InsO/­Land­fer­mann, 5. Aufl. § 168 Rn. 5; Hmb­Komm-InsO/­Büch­ler, 3. Aufl. § 168 Rn. 4; Flö­ther in Kübler/​Prütting/​Bork, InsO § 168 Rn. 7; Undritz/​Fiebig in Breutigam/​Blersch/​Goetsch, InsO § 168 Rn. 29–31; Haas/​Scholl, NZI 2002, 642, 643; Gundlach/​Frenzel/​Schirrmeister, DStR 2006, 1188, 1189; Gundlach/​Frenzel/​Jahn, DStR 2008, 1930, 1932; a.A. FK-InsO/­We­ge­ner, 5. Aufl. § 168 Rn. 11[]