Anwalts­kos­ten­er­stat­tung für die Kas­ko­ab­wick­lung

Der Bun­des­ge­richts­hof hat in einer aktu­el­len Ent­schei­dung zu der Fra­ge Stel­lung genom­men, ob der durch einen Ver­kehrs­un­fall Geschä­dig­te vom Ersatz­pflich­ti­gen auch die Erstat­tung außer­ge­richt­li­cher Rechts­an­walts­kos­ten für die Gel­tend­ma­chung der Unfall­schä­den gegen­über sei­nem Kas­ko­ver­si­che­rer ver­lan­gen kann – und eine sol­che Erstat­tungs­pflicht ver­neint:

Anwalts­kos­ten­er­stat­tung für die Kas­ko­ab­wick­lung

Nach der gefes­tig­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist bei der Beur­tei­lung der Fra­ge, ob und in wel­chem Umfang der dem Geschä­dig­ten zuste­hen­de Scha­dens­er­satz­an­spruch auch die Erstat­tung von Rechts­an­walts­kos­ten umfasst, zwi­schen dem Innen­ver­hält­nis des Geschä­dig­ten zu dem für ihn täti­gen Rechts­an­walt und dem Außen­ver­hält­nis des Geschä­dig­ten zum Schä­di­ger zu unter­schei­den. Vor­aus­set­zung für einen Erstat­tungs­an­spruch ist grund­sätz­lich, dass der Geschä­dig­te im Innen­ver­hält­nis zur Zah­lung der in Rech­nung gestell­ten Kos­ten ver­pflich­tet ist und die kon­kre­te anwalt­li­che Tätig­keit im Außen­ver­hält­nis aus der maß­geb­li­chen Sicht des Geschä­dig­ten mit Rück­sicht auf sei­ne spe­zi­el­le Situa­ti­on zur Wahr­neh­mung sei­ner Rech­te erfor­der­lich und zweck­mä­ßig war 1.

Es kann dabei für den Bun­des­ge­richts­hof dahin­ste­hen, ob der Geschä­dig­te im Innen­ver­hält­nis zu sei­nem Anwalt zur Zah­lung der in Rech­nung gestell­ten Kos­ten ver­pflich­tet ist. Denn die streit­ge­gen­ständ­li­chen Anwalts­kos­ten waren im Außen­ver­hält­nis des Geschä­dig­tes zu den Unfall­ver­ur­sa­cher und des­sen Haft­pflicht­ver­si­che­rung nicht erstat­tungs­fä­hig.

Nach den Fest­stel­lun­gen han­del­te es sich vor­lie­gend um einen ein­fach gela­ger­ten Fall, in dem der Geschä­dig­te die ihm ent­stan­de­nen Schä­den zunächst selbst gegen­über dem beklag­ten Haft­pflicht­ver­si­che­rer gel­tend gemacht hat­te. Erst nach­dem die­ser sei­nem Leis­tungs­ver­lan­gen nicht ent­spro­chen hat­te, schal­te­te er einen Rechts­an­walt ein. Es ist weder ersicht­lich noch dar­ge­tan, war­um der Geschä­dig­te die ihm wegen der Beschä­di­gung sei­nes Fahr­zeugs gegen sei­nen eige­nen Kas­ko­ver­si­che­rer zuste­hen­den Ansprü­che nicht auch ohne anwalt­li­che Hil­fe bei die­sem anmel­den und ihn zur Zah­lung auf­for­dern konn­te. Es bestan­den kei­ne Anhalts­punk­te dafür, dass der Kas­ko­ver­si­che­rer sei­ne Leis­tungs­pflicht aus dem mit dem Geschä­dig­te abge­schlos­se­nen Ver­si­che­rungs­ver­trag in Abre­de stel­len wür­de. Der Umstand, dass der beklag­te Haft­pflicht­ver­si­che­rer mit der Erfül­lung der ihm kraft Geset­zes oblie­gen­den Leis­tungs­pflicht aus § 115 VVG in Ver­zug gera­ten war, ließ kei­ne Rück­schlüs­se auf das Regu­lie­rungs­ver­hal­ten des mit dem Geschä­dig­te ver­trag­lich ver­bun­de­nen Kas­ko­ver­si­che­rers zu. Es ist auch nicht erkenn­bar, wes­halb es dem Geschä­dig­te auf­grund der Leis­tungs­ver­wei­ge­rung des Haft­pflicht­ver­si­che­rers unzu­mut­bar gewe­sen sein soll, den Scha­dens­fall sei­nem eige­nen Kas­ko­ver­si­che­rer zu mel­den und ihn zur Zah­lung auf­zu­for­dern, ohne hier­für einen Anwalt hin­zu­zu­zie­hen. Die Leis­tungs­ver­wei­ge­rung durch den geg­ne­ri­schen Haft­pflicht­ver­si­che­rer hat­te kei­ne Aus­wir­kun­gen auf die ver­trag­li­chen Bezie­hun­gen des Geschä­dig­tes zu sei­nem Ver­si­che­rer; sie ver­mag auch nicht die Erstat­tungs­fä­hig­keit von Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten zu begrün­den, die aus der Sicht des Geschä­dig­ten zur Wahr­neh­mung sei­ner Rech­te nicht erfor­der­lich waren 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Mai 2012 – VI ZR 196/​11

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 08.11.1994 – VI ZR 3/​94, BGHZ 127, 348, 350 ff.; vom 13.12.2011 – VI ZR 274/​10, VersR 2012, 331; vom 12.07.2011 – VI ZR 214/​10, NJW 2011, 3657 Rn. 17; vom 11.01.2011 – VI ZR 64/​10, NJW 2011, 784 Rn. 10; vom 10.01.2006 – VI ZR 43/​05, VersR 2006, 521 Rn. 5; vom 18.01.2005 – VI ZR 73/​04, VersR 2005, 558 Rn. 7, jeweils mwN[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 13.12.2011 – VI ZR 274/​10, aaO Rn.20 mwN[]