Auf dem Prü­gel­bal­ken ver­letzt

Wird auf einem Volks­fest jemand beim Spiel "Prü­gel­bal­ken" ver­letzt, han­delt es sich um einen tra­gi­schen Unfall, bei dem sich das all­ge­mei­ne Lebens­ri­si­ko rea­li­siert hat. Eine jeden Unfall aus­schlie­ßen­de Ver­kehrs­si­cher­heit lässt sich nicht errei­chen.

Auf dem Prü­gel­bal­ken ver­letzt

Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt das Land­ge­richt Osna­brück eine Schmer­zens­geld­kla­ge abge­lehnt: Der beklag­te Ver­ein ver­an­stal­te­te im Juni 2011 in Lin­gen das his­to­ri­sche "Kivelings­fest", auf dem eine Attrak­ti­on der soge­nann­te Prü­gel­bal­ken war. Bei die­sem Spiel sit­zen sich zwei Per­so­nen auf einem Holz­bal­ken gegen­über. Unter­halb des Holz­bal­kens befin­den sich Stroh­bal­len. Die Per­so­nen ver­su­chen nun, sich gegen­sei­tig mit­tels mit Wat­te gefüll­ter Säcke von dem Bal­ken her­un­ter­zu­schla­gen. Der Klä­ger nahm an die­sem Spiel zusam­men mit sei­ner Lebens­ge­fähr­tin teil und erhielt im Lau­fe des Spiels von sei­ner Lebens­ge­fähr­tin eini­ge Schlä­ge. Er ver­lor das Gleich­ge­wicht und fiel vom Bal­ken auf das 1,5 m tie­fer lie­gen­de Stroh. Bei die­sem Sturz zog er sich u.a. einen Bruch des ers­ten Hals­wir­bels zu. Er klag­te auf Schmer­zens­geld.

Nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts hat der Ver­an­stal­ter des Volks­fes­tes sei­ne Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht nicht ver­letzt. Eine jeden Unfall aus­schlie­ßen­de Ver­kehrs­si­cher­heit lässt sich nicht errei­chen. Es ist für den Klä­ger offen­kun­dig gewe­sen, dass er sich auch bei einem regel­ge­rech­ten Spiel mög­li­cher­wei­se ver­let­zen kann. Die Flä­che unter­halb des Bal­kens ist aus­rei­chend mit Stroh­bal­len und einer zusätz­li­chen Schicht von ca. 25 cm locke­rem Stroh abge­pols­tert gewe­sen. Wei­che Mat­ten hat der Beklag­te nicht aus­le­gen müs­sen, weil dies dem Cha­rak­ter des Fes­tes nicht gerecht gewor­den wäre und es mög­li­cher­wei­se auch bei Ver­wen­dung der Mat­ten zu den Ver­let­zun­gen gekom­men wäre. Es han­delt sich nach Mei­nung des Gerichts um einen tra­gi­schen Unfall, bei dem sich das all­ge­mei­ne Lebens­ri­si­ko rea­li­siert hat. Eine Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht­ver­let­zung liegt hin­ge­gen nicht vor.

Land­ge­richt Osna­brück, Urteil vom 27. Febru­ar 2012 – 2 O 2331/​11