Auf­he­bung der Zwangs­ver­wal­tung und die Ver­wal­ter­ver­gü­tung

Auch nach Auf­he­bung eines Zwangs­ver­wal­tungs­ver­fah­rens muss das Voll­stre­ckungs­ge­richt die Ver­gü­tung des Zwangs­ver­wal­ters für die Zeit der Zwangs­ver­wal­tung fest­set­zen, und zwar unab­hän­gig von dem Grund für die Auf­he­bung; die Ver­gü­tung darf der Mas­se vor­ab ent­nom­men wer­den.

Auf­he­bung der Zwangs­ver­wal­tung und die Ver­wal­ter­ver­gü­tung

Dem Zwangs­ver­wal­ter steht trotz der spä­te­ren Auf­he­bung des Ver­fah­rens ein Ver­gü­tungs­an­spruch für die geleis­te­te Tätig­keit zu (vgl. § 152a, § 153 Abs. 1 Halb­satz 1 ZVG) 1.

Dies gilt auch dann, wenn das Ver­fah­ren gegen­über der Schuld­ne­rin nicht wirk­sam ange­ord­net wor­den ist, § 22 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. § 146 Abs. 1 ZVG. Auch dann muss die Fest­set­zung erfol­gen (§ 152a ZVG, § 22 ZwV­wV) und darf der Zwangs­ver­wal­ter die Ver­gü­tung auch nach Auf­he­bung des Ver­fah­rens der Mas­se ent­neh­men (§ 155 Abs. 1 ZVG).

Trotz der (im hier ent­schie­de­nen Fall) feh­len­den Zustel­lung ist die Beschlag­nah­me in dem Zeit­punkt wirk­sam gewor­den, in dem das Ersu­chen um Ein­tra­gung des Ver­stei­ge­rungs­ver­merks dem Grund­buch­amt zuge­gan­gen ist (§ 22 Abs. 1 Satz 2 i.V.m. § 146 ZVG); auch war die Schuld­ne­rin als Eigen­tü­me­rin Betei­lig­te des Zwangs­ver­wal­tungs­ver­fah­rens (§ 9 ZVG). Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits aus­ge­führt hat, kön­nen die Beschlag­nah­me und die Anord­nung der Zwangs­ver­wal­tung aus­ein­an­der fal­len 2. Die Beschlag­nah­me ist als Hoheits­akt auch dann wirk­sam, wenn Auf­he­bungs­grün­de bestehen, und endet selbst im Fall der Antrags­rück­nah­me erst mit Auf­he­bung des Ver­fah­rens 3.

Wäh­rend der Beschlag­nah­me ist dem Schuld­ner die Ver­wal­tung und Benut­zung des Grund­stücks ent­zo­gen, § 148 Abs. 2 ZVG. Der Zwangs­ver­wal­ter muss die ihm über­tra­ge­nen Auf­ga­ben erfül­len und haf­tet für etwai­ge Pflicht­ver­let­zun­gen. Im Gegen­zug hat er Anspruch auf die Ver­gü­tung, deren Fest­set­zung gemäß § 152a ZVG, § 22 ZwV­wV durch das Gericht zu erfol­gen hat. Auf­grund der Fest­set­zung darf der Zwangs­ver­wal­ter die Ver­gü­tung der Mas­se ohne wei­te­res vor­weg ent­neh­men (§ 155 Abs. 1 ZVG, § 22 ZwV­wV) 4. Reicht die Mas­se nicht aus, um die Ver­gü­tung zu decken, kann er sich – unab­hän­gig von der Anfor­de­rung von Vor­schüs­sen – auch an den Gläu­bi­ger hal­ten (§ 12 Abs. 3 Satz 2 ZwV­wV) 5.

Reicht die Mas­se – wie hier – aus, darf der Zwangs­ver­wal­ter ihr die Ver­gü­tung auch dann noch ent­neh­men, wenn das Ver­fah­ren inzwi­schen auf­ge­ho­ben wor­den ist, und zwar unab­hän­gig von dem Grund, der zu der Auf­he­bung geführt hat. Einer aus­drück­li­chen Ermäch­ti­gung durch das Voll­stre­ckungs­ge­richt, wie sie bei Tätig­kei­ten im Außen­ver­hält­nis nach Auf­he­bung des Ver­fah­rens erfor­der­lich ist (§ 12 Abs. 2 ZwV­wV), bedarf es inso­weit nicht. Für die wäh­rend der Zeit der Zwangs­ver­wal­tung begrün­de­ten Ver­bind­lich­kei­ten regelt § 12 Abs. 3 ZwV­wV aus­drück­lich, dass sie unab­hän­gig von der Auf­he­bung der Ver­wal­tung noch aus der Mas­se begli­chen wer­den dür­fen, und zwar auch dann, wenn die Auf­he­bung auf einer Antrags­rück­nah­me beruht. Nichts ande­res gilt nach ein­hel­li­ger Ansicht für die Ver­gü­tung, die zu den Aus­ga­ben der Ver­wal­tung im Sin­ne von § 155 Abs. 1 ZVG zählt 6. Der Zwangs­ver­wal­ter muss sich nicht an den Gläu­bi­ger hal­ten, son­dern darf die Mas­se in Anspruch neh­men und muss nur die ver­blei­ben­den Über­schüs­se an den Schuld­ner aus­keh­ren 7. Ent­ge­gen der Ansicht des Beschwer­de­ge­richts gilt dies auch nach Auf­he­bung des Ver­fah­rens auf­grund einer erfolg­rei­chen Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge 8.

Ob die Gläu­bi­ge­rin den (zur Auf­he­bung des Zwangs­ver­wal­tungs­ver­fah­rens füh­ren­den) Ver­fah­rens­feh­ler schuld­haft ver­ur­sacht hat, betrifft das Rechts­ver­hält­nis zwi­schen der Schuld­ne­rin und der Gläu­bi­ge­rin, das in dem Fest­set­zungs­ver­fah­ren grund­sätz­lich unbe­acht­lich ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 18. Okto­ber 2012 – V ZB 233/​11

  1. BGH, Beschluss vom 17.06.2004 – IX ZR 218/​03, NJW-RR 2004, 1527[]
  2. BGH, Beschluss vom 02.12.2010 – V ZB 84/​10, BGHZ 187, 344 Rn. 24[]
  3. BGH, Beschluss vom 30.07.2008 – V ZB 130/​07, BGHZ 177, 218 ff.[]
  4. vgl. Stö­ber, ZVG, 20. Aufl., § 153 Anm.06.6; Haarmeyer/​Wutzke/​Förster/​Hintzen, Zwangs­ver­wal­tung, 5. Aufl., § 22 ZwZwV Rn. 17 f.[]
  5. BGH, Beschluss vom 17.06.2004 IX ZR 218/​03, NJW-RR 2004, 1527 f.; Bött­cher, ZVG, 5. Aufl., § 152a ZVG Rn. 4[]
  6. Bött­cher, aaO, § 161 Rn. 32; Haarmeyer/​Wutzke/​Förster/​Hintzen, aaO, § 161 ZVG Rn. 16 aE; Löhnig/​Blümle, Gesetz über die Zwangs­ver­stei­ge­rung und Zwangs­ver­wal­tung, § 161 Rn. 24[]
  7. Haarmeyer/​Wutzke/​Förster/​Hintzen, aaO[]
  8. aA Stö­ber, aaO, § 153 Rn.06.9[]