Aus­kunft zum File­sha­ring – und kein Beweis­ver­wer­tungs­ver­bot

Bun­des­ge­richts­hof ver­neint das Vor­lie­gen von Beweis­ver­wer­tungs­ver­bo­ten bei einer zu weit gehen­den Aus­kunft zum File­sha­ring.

Aus­kunft zum File­sha­ring – und kein Beweis­ver­wer­tungs­ver­bot

Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te sich aktu­ell mit der Fra­ge zu befas­sen, ob im Fal­le der Urhe­ber­rechts­ver­let­zung durch File­sha­ring die dem Rechts­in­ha­ber erteil­te Aus­kunft des von dem Netz­be­trei­bers ver­schie­de­nen End­kun­den­an­bie­ters im Pro­zess gegen den Anschlus­s­in­ha­ber einem Beweis­ver­wer­tungs­ver­bot unter­liegt, wenn ledig­lich für die Aus­kunft des Netz­be­trei­bers, nicht aber für die Aus­kunft des End­kun­den­an­bie­ters eine rich­ter­li­che Gestat­tung nach § 101 Abs. 9 UrhG gege­ben ist.

Die Ver­wer­tungs­recht­in­ha­be­rin macht gel­tend, Inha­be­rin der aus­schließ­li­chen Nut­zungs- und Ver­wer­tungs­rech­te an dem Com­pu­ter­spiel "Dead Island" zu sein. Die­ses Spiel sei über den der Anschlus­s­in­ha­be­rin zuzu­ord­nen­den Inter­net­an­schluss in einer Tausch­bör­se im Inter­net zum Her­un­ter­la­den ange­bo­ten wor­den. Die Anschlus­s­in­ha­be­rin unter­hält einen von der Fir­ma X AG ange­bo­te­nen, über das Tele­fon­netz der Deut­schen Tele­kom AG betrie­be­nen Fest­netz­an­schluss.

Die Ver­wer­tungs­recht­in­ha­be­rin hat nach einem unter Betei­li­gung der Deut­schen Tele­kom AG als Netz­be­trei­be­rin durch­ge­führ­ten Gestat­tungs­ver­fah­ren nach § 101 Abs. 9 UrhG von die­ser die Aus­kunft erhal­ten, wel­che Benut­zer­ken­nung im frag­li­chen Zeit­raum den IP-Adres­sen zuge­ord­net war, die die Ver­wer­tungs­recht­in­ha­be­rin im Zusam­men­hang mit dem bean­stan­de­ten File­sha­ring­vor­gang ermit­telt hat. Die Netz­be­trei­be­rin hat wei­ter dar­über Aus­kunft erteilt, dass die­se Benut­zer­ken­nung dem End­kun­den­an­bie­ter X AG zuge­teilt war. Von der am Ver­fah­ren nach § 101 Abs. 9 UrhG nicht betei­lig­ten X AG hat die Ver­wer­tungs­recht­in­ha­be­rin sodann Aus­kunft über Namen und Anschrift der Anschlus­s­in­ha­be­rin erhal­ten, die der vom Netz­be­trei­ber mit­ge­teil­ten Benut­zer­ken­nung zuge­ord­net waren.

Die Ver­wer­tungs­recht­in­ha­be­rin ver­langt von der Anschlus­s­in­ha­be­rin die Zah­lung von Abmahn­kos­ten (859,80 €) und Scha­dens­er­satz (500 €).

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Amts­ge­richt Fran­ken­thal (Pfalz) hat die Kla­ge abge­wie­sen 1. Auch die Beru­fung der Ver­wer­tungs­recht­in­ha­be­rin vor dem Land­ge­richt Fran­ken­thal (Pfalz) blieb ohne Erfolg 2. Auf die Revi­si­on der Ver­wer­tungs­recht­in­ha­be­rin hat nun jedoch der Bun­des­ge­richts­hof das Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Land­ge­richt Fran­ken­thal (Pfalz) zurück­ver­wie­sen.

Für die Aus­künf­te der X‑AG besteht, so der Bun­des­ge­richts­hof in sei­ner aktu­el­len Ent­schei­dung, kein Beweis­ver­wer­tungs­ver­bot. Dem Rich­ter­vor­be­halt des § 109 Abs. 9 Satz 1 UrhG unter­liegt in der Kon­stel­la­ti­on des Streit­falls allein die unter Ver­wen­dung von Ver­kehrs­da­ten erfol­gen­de Aus­kunft des Netz­be­trei­bers dar­über, wel­cher Benut­zer­ken­nung die ermit­tel­ten dyna­mi­schen IP-Adres­sen im maß­geb­li­chen Zeit­punkt zuge­ord­net waren und auf wel­chen End­kun­den­an­bie­ter die Benut­zer­ken­nung ent­fiel. Für die Aus­kunft des Netz­be­trei­bers lag eine rich­ter­li­che Gestat­tung vor. Die Aus­kunft des End­kun­den­an­bie­ters über Namen und Anschrift der der Benut­zer­ken­nung zuge­ord­ne­ten Per­son erfolgt hin­ge­gen nicht unter Ver­wen­dung von Ver­kehrs­da­ten son­dern von Bestands­da­ten. Eines wei­te­ren Gestat­tungs­ver­fah­rens nach § 101 Abs. 9 Satz 1 UrhG unter Betei­li­gung des End­kun­den­an­bie­ters bedurf­te es daher nicht.

Im wie­der­eröff­ne­ten Beru­fungs­ver­fah­ren wird das Beru­fungs­ge­richt nun die bis­her feh­len­den Fest­stel­lun­gen zur behaup­te­ten Ver­let­zungs­hand­lung nach­zu­ho­len haben.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtiel vom 13. Juli 2017 – I ZR 193/​16

  1. AG Frankenthal(Pfalz), Urteil vom 23.11.2015 – 3b C 323/​15[]
  2. LG Fran­ken­thal (Pfalz), Urteil vom 23.08.2016 – 6 S 149/​15[]