Bade­un­fall – und die Pflich­ten der Bade­auf­sicht

Die zur Bade­auf­sicht in einem Schwimm­bad ein­ge­setz­ten Per­so­nen sind ver­pflich­tet, den Bade­be­trieb und damit auch das Gesche­hen im Was­ser zu beob­ach­ten und mit regel­mä­ßi­gen Kon­troll­bli­cken dar­auf zu über­prü­fen, ob Gefah­ren­si­tua­tio­nen für die Bade­gäs­te auf­tre­ten. Dabei ist der Stand­ort so zu wäh­len, dass der gesam­te Schwimm- und Sprung­be­reich über­wacht und auch in das Was­ser hin­ein­ge­blickt wer­den kann 1. In Not­fäl­len ist für rasche und wirk­sa­me Hil­fe­leis­tung zu sor­gen.

Bade­un­fall – und die Pflich­ten der Bade­auf­sicht

Die Ursäch­lich­keit der der Bade­auf­sicht vor­ge­wor­fe­nen Ver­säum­nis­se für ein­ge­tre­te­ne gesund­heit­li­che Beein­träch­ti­gun­gen besteht nur, wenn die­se bei pflicht­ge­mä­ßer Erfül­lung der Auf­sichts- und Ret­tungs­pflich­ten ver­mie­den wor­den wären 2, wobei die blo­ße Mög­lich­keit oder eine gewis­se Wahr­schein­lich­keit nicht aus­rei­chen 3.

Die Bade­auf­sicht hat zwar nicht die Ver­pflich­tung zur lücken­lo­sen Beob­ach­tung eines jeden Schwim­mers 4. Es kann und muss im Schwimm­bad­be­trieb nicht jeder abs­trak­ten Gefahr durch vor­beu­gen­de Maß­nah­men begeg­net wer­den, da eine Sicher­heit, die jeden Gefähr­dungs­fall aus­schließt, nicht erreich­bar ist 5. Die Schwimm­auf­sicht ist jedoch ver­pflich­tet, den Bade­be­trieb und damit auch das Gesche­hen im Was­ser zu beob­ach­ten und mit regel­mä­ßi­gen Kon­troll­bli­cken dar­auf­hin zu über­wa­chen, ob Gefah­ren­si­tua­tio­nen für die Bade­gäs­te auf­tre­ten. Dabei ist der Beob­ach­tungs­ort so wäh­len, dass der gesam­te Schwimm- und Sprung­be­reich über­wacht und auch in das Was­ser hin­ein­ge­blickt wer­den kann, was gege­be­nen­falls häu­fi­ge­re Stand­ort­wech­sel erfor­dert 6.

Zu den Auf­ga­ben der Auf­sichts­per­so­nen in einem Schwimm­bad gehört es wei­ter, in Not­fäl­len für rasche und wirk­sa­me Hil­fe­leis­tung zu sor­gen 7.

Gelangt das Gericht im Rah­men der gebo­te­nen Beur­tei­lung der Sach- und Rechts­la­ge zu dem Ergeb­nis, dass die Schwimm­meis­ter die ihnen über­tra­ge­nen Pflich­ten zwar nicht grob, wohl aber ein­fach fahr­läs­sig ver­letzt haben, ist auf der Grund­la­ge des bis­he­ri­gen Sach- und Streit­stan­des zuguns­ten des Unfall­op­fers von einer Beweis­erleich­te­rung für die Scha­dens­ur­säch­lich­keit der Pflicht­ver­let­zun­gen der Schwimm­meis­ter aus­zu­ge­hen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. Novem­ber 2017 – III ZR 60/​16

  1. Anschluss an BGH, Urtei­le vom 02.10.1979 – VI ZR 106/​78, NJW 1980, 392, 393; und vom 21.03.2000 – VI ZR 158/​99, NJW 2000, 1946 f[]
  2. vgl. z.B. BGH, Urtei­le vom 25.09.1952 – III ZR 322/​51, BGHZ 7, 198, 204; vom 29.11.1973 – III ZR 211/​71, NJW 1974, 453, 455; und vom 21.10.2004 – III ZR 254/​03, NJW 2005, 68, 71; Palandt/​Sprau, BGB, 76. Aufl., § 823 Rn. 2[]
  3. BGH, Urtei­le vom 29.11.1973 aaO; und vom 21.10.2004 aaO[]
  4. KG, KGR 1999, 384, 385 sowie Münch­Komm-BGB/­Wag­ner, 7. Aufl., § 823 Rn. 654[]
  5. BGH, Urteil vom 21.03.2000 – VI ZR 158/​99, NJW 2000, 1946[]
  6. BGH, Urtei­le vom 02.10.1979 – VI ZR 106/​78, NJW 1980, 392, 393; und vom 21.03.2000 aaO S.1947; KG aaO; OLG Koblenz, OLGR 2001, 50, 53; Beck­OK BGB/​Förster, § 823 Rn. 547 [Stand: 15.06.2017]; Wag­ner aaO; vgl. auch Nr. 5 der Richt­li­nie R 94.05 der Deut­schen Gesell­schaft für das Bade­we­sen e.V. zur Ver­kehrs­si­che­rungs- und Auf­sichts­pflicht in öffent­li­chen Bädern wäh­rend des Bade­be­triebs in der Fas­sung von Febru­ar 2008[]
  7. OLG Saar­brü­cken VersR 1994, 60, 61; vgl. auch Wag­ner aaO[]