Beru­fungs­be­grün­dung bei kumu­la­ti­ven Urteils­grün­den

Hat das Erst­ge­richt die Abwei­sung der Kla­ge auf meh­re­re von­ein­an­der unab­hän­gi­ge, selb­stän­dig tra­gen­de recht­li­che Erwä­gun­gen gestützt, muss die Beru­fungs­be­grün­dung in die­ser Wei­se jede tra­gen­de Erwä­gung angrei­fen; andern­falls ist die Beru­fung unzu­läs­sig.

Beru­fungs­be­grün­dung bei kumu­la­ti­ven Urteils­grün­den

Nach § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 ZPO muss die Beru­fungs­be­grün­dung die Umstän­de bezeich­nen, aus denen sich nach Ansicht des Beru­fungs­klä­gers die Rechts­ver­let­zung und deren Erheb­lich­keit für die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung erge­ben; nach § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 3 ZPO muss sie kon­kre­te Anhalts­punk­te bezeich­nen, die Zwei­fel an der Rich­tig­keit oder Voll­stän­dig­keit der Tat­sa­chen­fest­stel­lung im ange­foch­te­nen Urteil begrün­den und des­halb eine erneu­te Fest­stel­lung gebie­ten.

Hat das Erst­ge­richt die Abwei­sung der Kla­ge auf meh­re­re von­ein­an­der unab­hän­gi­ge, selb­stän­dig tra­gen­de recht­li­che Erwä­gun­gen gestützt, muss die Beru­fungs­be­grün­dung in die­ser Wei­se jede tra­gen­de Erwä­gung angrei­fen; andern­falls ist das Rechts­mit­tel unzu­läs­sig 1.

Die­sen Anfor­de­run­gen wird die Beru­fungs­be­grün­dung im vor­lie­gen­den Fall nicht gerecht: Hin­sicht­lich der das land­ge­richt­li­che Urteil selb­stän­dig tra­gen­den Annah­me der Ver­jäh­rung fehlt es an einem hin­rei­chen­den Beru­fungs­an­griff 2.

Bei der Annah­me des Land­ge­richts, die streit­ge­gen­ständ­li­chen Ansprü­che sei­en ver­jährt, han­delt es sich um eine recht­li­che Erwä­gung, die das Urteil selb­stän­dig und unab­hän­gig von den ande­ren recht­li­chen Erwä­gun­gen trägt, und nicht nur um einen blo­ßen Hin­weis des Gerichts, hin­sicht­lich des­sen es kei­nes Beru­fungs­an­griffs bedürf­te 3. Zwar führt das Land­ge­richt ein­lei­tend aus, die Kam­mer wei­se nur der Voll­stän­dig­keit hal­ber dar­auf hin, dass die klä­ger­seits ver­folg­ten Ansprü­che zudem ver­jährt wären und der Beklag­te auch die dahin­ge­hen­de Ein­re­de erho­ben habe. Aus dem Gesamt­zu­sam­men­hang der Ent­schei­dungs­grün­de ergibt sich aber, dass das Land­ge­richt sei­ne Ent­schei­dung auch auf die­sen Gesichts­punkt stützt. So belässt es das Land­ge­richt – anders als im dem BGH-Urteil vom 18.12 2003 4 zugrun­de­lie­gen­den Fall – nicht bei einem kur­zen Hin­weis. Viel­mehr legt es – in der Glie­de­rung den ande­ren, ohne wei­te­res tra­gen­den Erwä­gun­gen gleich­ge­ord­net – aus­führ­lich dar, war­um es zum Ergeb­nis gelangt, die "inso­weit zuguns­ten der Klä­ge­rin unterstellte[n]" Ansprü­che wären "jeden­falls" nicht mehr durch­setz­bar. Den Schluss, die Kla­ge stel­le sich "damit […] als voll­um­fäng­lich abwei­sungs­reif dar", zieht es im Anschluss dar­an und legt die­sem damit auch die Aus­füh­run­gen zur Ver­jäh­rung zugrun­de.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Janu­ar 2015 -

  1. BGH, Beschluss vom 18.10.2005 – VI ZB 81/​04, VersR 2006, 285 Rn. 8; BGH, Beschlüs­se vom 28.01.2014 – III ZB 32/​13 13; vom 23.10.2012 – XI ZB 25/​11, NJW 2013, 174 Rn. 11; vom 15.06.2011 – XII ZB 572/​10, NJW 2011, 2367 Rn. 10; vgl. auch Hk-ZPO/Wöst­mann, 5. Aufl., § 520 Rn. 23; Zöller/​Heßler, ZPO, 30. Aufl., § 520 Rn. 37a; jeweils mwN[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 18.06.1998 – IX ZR 389/​97, NJW 1998, 3126; Beschluss vom 25.01.1990 – IX ZB 89/​89, VersR 1990, 543[]
  3. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 18.12 2003 – I ZR 195/​01, NJW-RR 2004, 1002; Hk-ZPO/Wöst­mann, 5. Aufl., § 520 Rn. 23[]
  4. BGH, Urteil vom 18.12.2003 – I ZR 195/​01 aaO[]