Beru­fungs­be­grün­dung – und die flos­kel­haf­te Begrün­dung

Nach § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 ZPO muss die Beru­fungs­be­grün­dung die Umstän­de bezeich­nen, aus denen sich nach Ansicht des Beru­fungs­klä­gers die Rechts­ver­let­zung und deren Erheb­lich­keit für die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung erge­ben.

Beru­fungs­be­grün­dung – und die flos­kel­haf­te Begrün­dung

Dazu gehört eine aus sich her­aus ver­ständ­li­che Anga­be, wel­che bestimm­ten Punk­te des ange­foch­te­nen Urteils der Beru­fungs­klä­ger bekämpft und wel­che tat­säch­li­chen oder recht­li­chen Grün­de er ihnen im Ein­zel­nen ent­ge­gen­setzt [1].

Beson­de­re for­ma­le Anfor­de­run­gen bestehen nicht; für die Zuläs­sig­keit der Beru­fung ist es ins­be­son­de­re ohne Bedeu­tung, ob die Aus­füh­run­gen in sich schlüs­sig oder recht­lich halt­bar sind [2].

Jedoch muss die Beru­fungs­be­grün­dung auf den kon­kre­ten Streit­fall zuge­schnit­ten sein [3], es reicht nicht aus, die Auf­fas­sung des Erst­ge­richts mit for­mu­lar­mä­ßi­gen Sät­zen oder all­ge­mei­nen Rede­wen­dun­gen zu rügen oder ledig­lich auf das Vor­brin­gen ers­ter Instanz zu ver­wei­sen [4].

Dabei muss die Beru­fung die tra­gen­den Erwä­gun­gen des Erst­ge­richts angrei­fen und dar­le­gen, war­um die­se aus Sicht des Beru­fungs­klä­gers nicht zutref­fen; die Begrün­dung muss also – ihre Rich­tig­keit unter­stellt – geeig­net sein, das gesam­te Urteil in Fra­ge zu stel­len [5].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Dezem­ber 2015 – IX ZB 35/​15

  1. BGH, Beschluss vom 06.12 2011 – II ZB 21/​10, WM 2012, 209 Rn. 7; vom 23.10.2012 – XI ZB 25/​11, NJW 2013, 174 Rn. 10, jeweils mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 28.05.2003 – XII ZB 165/​02, NJW 2003, 2531, 2532; vom 23.10.2012, aaO[]
  3. BGH, Beschluss vom 27.05.2008 – XI ZB 41/​06, WM 2008, 1810 Rn. 11; vom 23.10.2012, aaO[]
  4. BGH, Urteil vom 27.11.2003 – IX ZR 250/​00, WM 2004, 442; vom 23.10.2012, aaO[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 25.01.1990 – IX ZB 89/​89, NJW 1990, 1184; vom 03.03.2015 – VI ZB 6/​14, NJW-RR 2015, 757 Rn. 6 mwN; Urteil vom 23.06.2015 – II ZR 166/​14, WM 2015, 1679 Rn. 12 mwN[]