Dar­lehn für den Golf­club

Wenn neue Mit­glie­der einem Golf­club bei ihrem Ein­tritt ein Dar­le­hen gewäh­ren, darf der Golf­club, wie jetzt das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf ent­schie­den hat, trotz einer ent­spre­chen­den Ver­trags­klau­sel die Rück­zah­lung nicht mit der Begrün­dung ver­wei­gern, dass kei­ne War­te­lis­te von Bei­tritts­in­ter­es­sen­ten (und damit neu­en poten­ti­el­len Dar­lehns­ge­bern) bestehe.

Dar­lehn für den Golf­club

Der Ent­schei­dung lag die Kla­ge eines Ehe­paa­res zu Grun­de, das im Jah­re 1994 in einen Golf­club aus der Nähe von Mön­chen­glad­bach ein­ge­tre­ten war und dem Club dabei ein zins­lo­ses Dar­le­hen von je 8.000 DM gewährt hat­te. Mit dem Dar­le­hens­be­trag soll­te der Erwerb und der Aus­bau der Golf­an­la­ge finan­ziert wer­den. Ver­trag­lich war nicht nur ver­ein­bart, dass das Dar­le­hen frü­hes­tens nach zehn Jah­ren und dem Aus­tritt aus dem Golf­club künd­bar sein soll­te, son­dern auch, dass das Dar­le­hen nur gekün­digt wer­den darf, wenn der Golf­club eine War­te­lis­te mit min­des­tens 20, an einem Club­ein­tritt inter­es­sier­te Per­so­nen führt und an Stel­le des­je­ni­gen Mit­glie­des, das sein Dar­le­hen kün­di­gen möch­te, ein neu­es Mit­glied auf­ge­nom­men wird. Nach­dem das kla­gen­de Ehe­paar Anfang 2002 aus dem Golf­club aus­ge­tre­ten war, kün­dig­te es das Dar­le­hen und ver­lang­te sei­ne Rück­zah­lung. Das OLG Düs­sel­dorf hat den Golf­club zur Rück­zah­lung der Dar­le­hens­be­trä­ge ver­ur­teilt und zur Begrün­dung aus­ge­führt, dass die Vor­aus­set­zun­gen für eine Kün­di­gung des Dar­le­hens allein mit dem Ablauf von zehn Jah­ren und dem zwi­schen­zeit­li­chen Club­au­s­tritt der Klä­ger erfüllt sei­en. Die zusätz­li­che Ein­schrän­kung, wonach die Rück­zah­lung des Dar­le­hens vom Bestehen einer 20 Inter­es­sen­ten umfas­sen­den War­te­lis­te abhän­gig sein soll, sei unwirk­sam, weil sie bei Abwä­gung der bei­der­sei­ti­gen Inter­es­sen die Club­mit­glie­der im Ver­hält­nis
zum Golf­club unan­ge­mes­sen benach­tei­li­ge.

Zwar sei, so das OLG, das Inter­es­se des Golf­clubs anzu­er­ken­nen, sich im Fal­le des Aus­schei­dens meh­re­rer Mit­glie­der vor einem plötz­li­chen und unkal­ku­lier­ba­ren Kapi­tal­ab­fluss zu schüt­zen. Die­ses Risi­ko wer­de aber bereits durch die zehn­jäh­ri­ge Lauf­zeit des Dar­le­hens aus­rei­chend gemin­dert, weil sich der Golf­club recht­zei­tig auf die mög­li­che Rück­zah­lung des unver­zins­li­chen Kapi­tals ein­stel­len kön­ne. Dage­gen wür­den die Dar­le­hens­ge­ber in ihrer Dis­po­si­ti­ons­frei­heit erheb­lich ein­ge­schränkt, weil sie man­gels Fest­le­gung einer Höchst­mit­glie­der­zahl oder der Vor­aus­set­zun­gen eines Auf­nah­me­stopps kei­ner­lei Ein­fluss dar­auf neh­men könn­ten, ob und unter wel­chen Bedin­gun­gen vom Golf­club über­haupt eine War­te­lis­te ange­legt wird. Im Übri­gen habe das seit den 90er Jah­ren sin­ken­de Inter­es­se an Golf­clubs dazu geführt, dass im All­ge­mei­nen Auf­nah­me­stopps auf­ge­ho­ben und even­tu­ell bestehen­de War­te­lis­ten auf­ge­löst wor­den sei­en. Da das Bestehen eine War­te­lis­te als Kün­di­gungs­be­din­gung somit die ver­trag­li­che Pflicht des Golf­clubs als Dar­le­hens­neh­mer zur Rück­zah­lung des von einem Mit­glied ein­ge­brach­ten Kapi­tals auf nicht abseh­ba­re Zeit aus­schlie­ße, sei die­se Kün­di­gungs­klau­sel in den Dar­le­hens­ver­trä­gen unwirk­sam.

Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 19. Juni 2007 ? I‑23 U 36/​07 ? rechts­kräf­tig