Das Scha­dens­er­satz­be­geh­ren wegen einer Krebs­er­kran­kung

Aus einer Brust­krebs­er­kran­kung, die bei einer Vor­sor­ge­un­ter­su­chung durch Tast­be­fund fest­ge­stellt wor­den ist, kann nicht geschlos­sen wer­den, dass ein tast­ba­rer Tumor bereits bei der letz­ten Unter­su­chung im vor­her­ge­hen­den Jahr vor­han­den gewe­sen sein muss. Das begrün­det kei­ne feh­ler­haf­te Beur­tei­lung durch den behan­deln­den Arzt.

Das Scha­dens­er­satz­be­geh­ren wegen einer Krebs­er­kran­kung

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall der Scha­dens­er­satz­kla­ge einer Pati­en­tin kei­nen Erfolg beschie­den und damit die kla­ge­ab­wei­sen­de, erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung des Land­ge­richts Arns­berg bestä­tigt. Die kla­gen­de sei­ner­zeit 40jährige Pati­en­tin befand sich seit 2006 in der Krebs­vor­sor­ge­be­hand­lung des beklag­ten Frau­en­arz­tes aus Sun­dern. Bei zwei im Jah­re 2007 durch­ge­führ­ten Unter­su­chungs­ter­mi­nen – bei einem erhob der Beklag­te auf Wunsch der Klä­ge­rin neben einem Tast- auch einen Sono­gra­fie­be­fund – stell­te der Beklag­te kei­ne Auf­fäl­lig­kei­ten fest. Bei einem Fol­ge­ter­min im Früh­jahr 2008 wies die Klä­ge­rin den Beklag­ten auf eine tast­ba­re auf­fäl­li­ge Brust­ver­här­tung hin, deren wei­te­re Unter­su­chung zur Dia­gno­se eines grö­ße­ren Mam­ma­kar­zi­noms mit Lymph­kno­ten­me­ta­sta­sen führ­te. Das Kar­zi­nom und die Meta­sta­sen muss­ten ope­ra­tiv ent­fernt wer­den, wobei die Klä­ge­rin eine Brust ver­lor. Sie muss­te sich einer vor­be­rei­ten­den Che­mo­the­ra­pie und post­ope­ra­ti­ven Bestrah­lun­gen unter­zie­hen. Mit der Begrün­dung, dass der Beklag­te in Kennt­nis einer fami­liä­ren Vor­be­las­tung ihre Brust­krebs­er­kran­kung zu spät erkannt habe, so dass die­se zu spät behan­delt wor­den sei, hat die Klä­ge­rin Scha­dens­er­satz ver­langt, u.a. ein Schmer­zens­geld von 40.000 Euro, ca. 25.000 Euro Haus­halts­füh­rungs­scha­den sowie – ab Juni 2010 – eine monat­li­che Ren­te von ca. 1.000 Euro. Hier­zu hat sie vor­ge­tra­gen, dass die Beweg­lich­keit ihres rech­ten Arms infol­ge der Krebs­er­kran­kung so stark ein­ge­schränkt wor­den sei, dass sie ihren erlern­ten Beruf als Fri­seu­rin nicht mehr aus­üben kön­ne. Nach­dem sie mit ihrer Kla­ge beim Land­ge­richt Arns­berg kei­nen Erfolg hat­te, hat sie ihr Ziel vor dem Ober­lan­des­ge­richt wei­ter­ver­folgt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm sei eine feh­ler­haf­te Beur­tei­lung der bei den Unter­su­chun­gen aus dem Jah­re 2007 erho­be­nen Befun­de nicht nach­weis­bar. Aus dem im März 2008 erho­be­nen Tast­be­fund sei nicht zu schlie­ßen, dass ein tast­ba­rer Tumor bereits bei der letz­ten Unter­su­chung im Jah­re 2007 vor­han­den gewe­sen sein müs­se. Dem Beklag­ten kön­ne auch nicht vor­ge­wor­fen wer­den, dass er im Jah­re 2007 kei­ne wei­te­ren Befun­de erho­ben, ins­be­son­de­re der Klä­ge­rin nicht zur Durch­füh­rung einer Mam­mo­gra­fie gera­ten habe. Auch unter Berück­sich­ti­gung ihrer fami­liä­ren und per­sön­li­chen Vor­be­las­tun­gen sei die Klä­ge­rin kei­ne Risi­ko­pa­ti­en­tin gewe­sen, bei der eine wei­te­re Befun­dung indi­ziert gewe­sen sei. Fest­stell­bar sei eben­falls nicht, dass der Beklag­te die Sono­gra­fie im Jah­re 2007 feh­ler­haft durch­ge­führt habe.

Unab­hän­gig von der Fra­ge einer feh­ler­haf­ten Behand­lung sei auch nicht bewei­sen, dass der Krank­heits­ver­lauf der Klä­ge­rin weni­ger gra­vie­rend ver­lau­fen wäre, wenn eine Brust­krebs­er­kran­kung bereits im Jah­re 2007 dia­gnos­ti­ziert wor­den wäre. Mit dem vom Ober­lan­des­ge­richt Hamm im August 2013 1 ent­schie­de­nen Fall sei der vor­lie­gen­de Fall inso­weit nicht zu ver­glei­chen, weil dort ein gro­ber Behand­lungs­feh­ler mit der Fol­ge einer Beweis­last­um­kehr zuguns­ten der dor­ti­gen Klä­ge­rin vor­ge­le­gen habe.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 17. Set­em­ber 2013 – 26 U 88/​12

  1. OLG Hamm, Urteil vom 12.08.2013 – 3 U 57/​13[]