Dau­er­haf­te Bio-Tat­toos

Ein Täto­wie­rer haf­tet auf Scha­dens­er­satz und Schmer­zens­geld, wenn sich ein soge­nann­tes „Bio-Tat­too“ ent­ge­gen der Ankün­di­gung nicht auf­löst und nun mit­tels Laser­be­hand­lung ent­fernt wer­den kann.

Dau­er­haf­te Bio-Tat­toos

In einem jetzt vom OLG Karls­ru­he ent­schie­de­nen FAll hat­te die beklag­te Täto­wie­re­rin 1998 mit einem Fly­er für das Anbrin­gen eines soge­nann­ten Bio-Tat­toos gewor­ben, das sich in einem Zeit­raum von 3 – 7 Jah­ren wie­der in Nichts auf­lö­sen wür­de. Die Klä­ge­rin las den Fly­er und begab sich im Febru­ar 1998 auf eine Ver­brau­cher­mes­se zu einem Mes­se­stand, wo ihr die Beklag­te noch­mals erklär­te, dass sich die Täto­wie­rung in jedem Fall wie­der voll­stän­dig ver­flüch­ti­gen wer­de, weil sie nur in die obers­te Haut­schicht ein­ge­fräst wer­de und im Übri­gen nur Bio­far­ben ver­wen­det wür­den.

Die Klä­ge­rin ließ sich noch auf der Mes­se um den Bauch­na­bel her­um ein sol­ches Bio-Tat­too in Gestalt einer sti­li­sier­ten Son­ne anbrin­gen. Noch heu­te ist das Tat­too deut­lich sicht­bar und gegen­über dem Zeit­punkt des Anbrin­gens ledig­lich etwas ver­blasst. 2007 schal­te­te die Klä­ge­rin einen Rechts­an­walt ein, nach­dem sie seit dem Jahr 2005 stän­dig dar­auf gewar­tet hat­te, dass das Tat­too nicht nur ver­blas­sen, son­dern voll­stän­dig ver­schwin­den wer­de, was nicht geschah. Die Haft­pflicht­ver­si­che­rung der Beklag­ten lehn­te eine Zah­lung ab.

Das Land­ge­richt Mann­heim hat die Kla­ge wegen Ver­jäh­rung des Anspruchs abge­wie­sen. Die Beru­fung der Klä­ge­rin zum Fach­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he hat­te dage­gen Erfolg. Das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he stell­te fest, dass die Beklag­te ver­pflich­tet ist, der Klä­ge­rin sämt­li­chen mate­ri­el­len und imma­te­ri­el­len Scha­den auf­grund der Anbrin­gung des Bio-Tat­toos zu erset­zen.

Die Klä­ge­rin hat gegen die beklag­te Täto­wie­re­rin einen Anspruch auf Ersatz ihres Scha­dens gemäß § 823 Abs. 1 BGB wegen uner­laub­ter Hand­lung. Das Anbrin­gen des Tat­toos stellt eine Kör­per­ver­let­zung dar, die rechts­wid­rig war. Das Bio-Tat­too ist nicht, wie unter ande­rem auf dem Fly­er der Beklag­ten ver­spro­chen, nach 3 – 7 Jah­ren ver­schwun­den, son­dern auch heu­te, 10 Jah­re spä­ter, noch deut­lich sicht­bar. Da die Klä­ge­rin unstrei­tig kein dau­er­haf­tes Orna­ment haben woll­te, war ihre Ein­wil­li­gung in die Kör­per­ver­let­zung auch für die Beklag­te erkenn­bar nicht dar­auf gerich­tet, einer dau­er­haf­ten Ver­än­de­rung ihres Kör­pers zuzu­stim­men. Die­se ist daher durch die Beklag­te rechts­wid­rig ver­ur­sacht wor­den.

Der Anspruch der Klä­ge­rin ist auch nicht ver­jährt. Die Beklag­te hat­te damit gewor­ben, dass sich das Tat­too in einem Zeit­raum von 3 – 7 Jah­ren in Nichts auf­lö­se. Das war Grund­la­ge der Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en. Die­se 7 Jah­re waren im Febru­ar 2005 abge­lau­fen. Die Ver­jäh­rung konn­te nicht vor Ablauf der 7‑Jah­res-Frist begin­nen. Damit war die Ein­rei­chung der Kla­ge im Febru­ar 2008 noch recht­zei­tig.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 22. Okto­ber 2008 – 7 U 125/​08