Der 90minütige Schwä­che­an­fall in der Sau­na

Nach der vor­herr­schen­den Ver­kehrs­auf­fas­sung ist der Betrei­ber einer Sau­na nicht ver­pflich­tet, in engen Zeit­ab­stän­den regel­mä­ßi­ge Kon­trol­len durch­zu­füh­ren, um das kör­per­li­che Wohl­be­fin­den der Sau­na­be­nut­zer zu über­wa­chen.

Der 90minütige Schwä­che­an­fall in der Sau­na

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge der hin­ter­blie­be­nen Kin­der einer 75-jäh­ri­gen Frau abge­wie­sen, die an den Fol­gen eines unent­deck­ten Schwä­che­an­falls in der Sau­na ver­starb. Im März 2011 hat­te die erfah­re­ne Sau­na­be­nut­ze­rin aus Wit­ten die orts­an­säs­si­ge Sau­na der beklag­ten Betrei­be­rin besucht. Dabei erlitt sie in der 90 °C hei­ßen Sau­na einen Schwä­che­an­fall, der min­des­tens 90 Minu­ten unent­deckt blieb. Sie zog sich Ver­bren­nun­gen drit­ten Gra­des zu, an denen sie weni­ge Mona­te spä­ter ver­starb. Die hin­ter­blie­be­nen Kin­der haben von der Betrei­be­rin Schmer­zens­geld ver­langt, weil ihre Mut­ter bei regel­mä­ßi­gen Kon­troll­gän­gen im Abstand von 30 Minu­ten kei­ne töd­li­chen Ver­bren­nun­gen erlit­ten hät­te und die von der Betrei­be­rin für den Sau­na­be­reich im mehr­stün­di­gen Abstand fest­ge­leg­ten Kon­troll­zei­ten nicht aus­rei­chend gewe­sen sei­en. Nach­dem die Kla­ge vor dem Land­ge­richt Bochum bereits kei­nen Erfolg hat­te, ver­fol­gen die Kin­der ihr Ziel wei­ter vor dem Ober­lan­des­ge­richt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm habe die Beklag­te kei­ne ihr gegen­über der Ver­stor­be­nen oblie­gen­den Sorg­falts- oder Ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­ten ver­letzt. Die Sau­na habe über einen Not­schal­ter ver­fügt und sei nach ihrer tech­ni­schen Aus­stat­tung und Ein­rich­tung gefahr­los nutz­bar gewe­sen.

Die von der Betrei­be­rin fest­ge­leg­ten Kon­troll­zei­ten sei­en nicht zu bean­stan­den. Nach der vor­herr­schen­den Ver­kehrs­auf­fas­sung sei der Betrei­ber einer Sau­na nicht ver­pflich­tet, in engen Zeit­ab­stän­den regel­mä­ßi­ge Kon­trol­len durch­zu­füh­ren, um das kör­per­li­che Wohl­be­fin­den der Sau­na­be­nut­zer zu über­wa­chen. Die Erwar­tungs­hal­tung der Gäs­te gehe viel­mehr dahin, die Sau­na in Ruhe und ohne stö­ren­de Ein­flüs­se besu­chen zu kön­nen. Die kör­per­li­chen Belas­tun­gen eines Sau­na­be­su­ches sei­en dem Grun­de nach all­ge­mein bekannt. Inso­weit müs­se der Ein­zel­ne, der im Unter­schied zum Betrei­ber sei­nen Gesund­heits­zu­stand ein­schät­zen kön­ne, selbst ent­schei­den, ob er sich den Belas­tun­gen aus­set­zen und das mit einem Sau­na­be­such ver­bun­de­ne gesund­heit­li­che Risi­ko ein­ge­hen wol­le.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 29. August 2012 – I‑12 U 52/​12