Der Boy­kott­auf­ruf, ein Bank­kon­to zu kün­di­gen

Der Boy­kott­auf­ruf an eine Bank, das Kon­to eines bestimm­ten Kun­den aus Tier­schutz­grün­den zu kün­di­gen, stellt einen rechts­wid­ri­gen Ein­griff in das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht des betrof­fe­nen Kun­den dar.

Der Boy­kott­auf­ruf, ein Bank­kon­to zu kün­di­gen

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall dem Deut­schen Tier­schüt­zer­bü­ro e.V. (Beklag­ter) unter­sagt, eine Volks­bank öffent­lich auf­zu­for­dern, das Kon­to des Klä­gers, dem Zen­tral­ver­band Deut­scher Pelz­tier­züch­ter e.V., zu kün­di­gen. Das Deut­sche Tier­schüt­zer­bü­ro for­der­te eine Volks­bank im Land­ge­richts­be­zirk Osna­brück auf, die dort bestehen­de Geschäfts­be­zie­hung mit dem Zen­tral­ver­band Deut­scher Pelz­tier­züch­ter e.V. zu kün­di­gen. Auf sei­ner Web­sei­te berich­te­te es über die­sen Boy­kott­auf­ruf unter der Über­schrift: „Volks­bank – kün­digt die Kon­ten der Nerz­quä­ler, jetzt“, wie folgt: „Stoppt die Zusam­men­ar­beit mit den Nerz­quä­lern. Heu­te haben wir die Volks­bank … auf­ge­for­dert, dem Zen­tral­ver­band Deut­scher Pelz­tier­züch­ter eV das Kon­to zu kün­di­gen. Eine Ant­wort der Volks­bank … steht noch aus. Soll­te sich die Bank nicht klar posi­tio­nie­ren, erwä­gen wir, die Bank­kun­den zu infor­mie­ren, denn man könn­te auch for­mu­lie­ren, dass an dem Geld der Bank Blut klebt“.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Olden­burg sei der Beklag­te zwar nicht gehin­dert, Pro­test­ak­tio­nen zu star­ten und öffent­lich sei­ne Mei­nung zu ver­brei­ten. Aber der hier gestar­te­te Boy­kott­auf­ruf gehe zu weit und stel­le einen rechts­wid­ri­gen Ein­griff in das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht des Klä­gers dar.

Die Inter­es­sen des Klä­gers über­wie­gen gegen­über dem Recht des Beklag­ten auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung. Auch wenn die Zie­le und Moti­ve des Beklag­ten nach­voll­zieh­bar und grund­sätz­lich nicht zu bean­stan­den sei­en, beschrän­ke sich der Beklag­te bei sei­nem Boy­kott­auf­ruf nicht nur auf die geis­ti­ge Ein­fluss­nah­me und Über­zeu­gungs­bil­dung. So über­stei­ge der Boy­kott­auf­ruf hier das Maß einer ange­mes­se­nen und noch zuläs­si­gen Beein­träch­ti­gung des Klä­gers ins­be­son­de­re des­halb, weil in ein kon­kre­tes, bereits bestehen­des Ver­trags­ver­hält­nis ein­ge­grif­fen wer­de. Dem Boy­kott­auf­ruf kom­me auch eine soge­nann­te Prang­er­wir­kung zu, wenn her­vor­ge­ho­ben wer­de, dass an den Geld­ein­la­gen des Klä­gers – und damit letzt­end­lich auch der Volks­bank – Blut kle­be. Hin­zu kom­me, dass dem Klä­ger mit dem Vor­wurf der Tier­quä­le­rei (vgl. § 17 Nr.2 des Tier­schutz­ge­set­zes) zumin­dest Unter­stüt­zung straf­ba­ren, jeden­falls ord­nungs­wid­ri­gen Ver­hal­tens der Pelz­tier­züch­ter vor­ge­wor­fen wer­de.

Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg, Urteil vom 28. Janu­ar 2014 – 13 U 111/​13,