Der Her­aus­ga­be­an­spruch – und sei­ne Titu­lie­rung

Bean­tragt ein Gläu­bi­ger, den Schuld­ner zur Her­aus­ga­be einer Sache zu ver­ur­tei­len, die­sem eine Frist zur Her­aus­ga­be der Sache zu set­zen und ihn wei­ter zu ver­ur­tei­len, nach frucht­lo­sem Ablauf der Frist Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung zu zah­len, liegt in die­sem Antrag ein Ver­lan­gen auf Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung, wenn der Gläu­bi­ger nicht deut­lich macht, sein Wahl­recht erst künf­tig aus­üben zu wol­len.

Der Her­aus­ga­be­an­spruch – und sei­ne Titu­lie­rung

Wird ein Schuld­ner ver­ur­teilt, eine Sache an den Gläu­bi­ger her­aus­zu­ge­ben und nach frucht­lo­sem Ablauf einer ihm zur Her­aus­ga­be gesetz­ten Frist Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung zu zah­len, ist mit Ein­tritt der Bedin­gung des Frist­ab­laufs der im Urteil titu­lier­te Her­aus­ga­be­an­spruch aus­ge­schlos­sen und der Schuld­ner nur noch zur Zah­lung des aus­ge­ur­teil­ten Scha­dens­er­sat­zes ver­pflich­tet, wenn sich nicht aus dem Urteil ergibt, dass die Ver­ur­tei­lung zur Zah­lung von Scha­dens­er­satz unter der wei­te­ren auf­schie­ben­den Bedin­gung eines künf­ti­gen Scha­dens­er­satz­ver­lan­gens des Gläu­bi­gers steht.

Die Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge der Her­aus­ga­be­schuld­ne­rin ist damit nach § 767 Abs. 1 ZPO begrün­det, denn sie kann gel­tend machen, dass die Voll­stre­ckung der Her­aus­ga­be der Sache ‑Num­mer 1 der Urteils­for­mel- unzu­läs­sig ist. Denn sie ist berech­tigt, Ein­wen­dun­gen gegen den im Urteil fest­ge­stell­ten Her­aus­ga­be­an­spruch zu erhe­ben, weil die­se erst nach Rechts­kraft des Beru­fungs­ur­teils im Vor­pro­zess, mit­hin nach dem Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung, in der Ein­wen­dun­gen nach den Vor­schrif­ten der Zivil­pro­zess­ord­nung spä­tes­tens hät­ten gel­tend gemacht wer­den müs­sen, ent­stan­den sind und durch Ein­spruch nicht mehr gel­tend gemacht wer­den kön­nen (§ 767 Abs. 2 ZPO; vgl. Münch­Komm-BGB/Ernst, 7. Aufl., § 281 Rn. 181).

Der Anspruch des Her­aus­ga­be­gläu­bi­gers auf Her­aus­ga­be des Cho­r­ar­chivs aus § 985 BGB ist nach § 281 Abs. 4 BGB aus­ge­schlos­sen, nach­dem die der Her­aus­ga­be­schuld­ne­rin nach § 255 Abs. 1 ZPO gesetz­te Frist abge­lau­fen war, ohne dass sie das Archiv an den Her­aus­ga­be­gläu­bi­ger her­aus­ge­ge­ben hat, und der Her­aus­ga­be­gläu­bi­ger aus­weis­lich des Voll­stre­ckungs­ti­tels für den Fall des erfolg­lo­sen Frist­ab­laufs schon mit der Antrag­stel­lung von der Her­aus­ga­be­schuld­ne­rin Scha­dens­er­satz ver­langt hat. Dies ergibt sich aus dem Titel des Vor­pro­zes­ses, aus dem der Her­aus­ga­be­gläu­bi­ger voll­streckt, in Ver­bin­dung mit sei­ner Antrag­stel­lung im dama­li­gen Rechts­streit.

Zum Ver­ständ­nis des Voll­stre­ckungs­ti­tels ist die Rechts­la­ge sowohl bis zum Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur Moder­ni­sie­rung des Schuld­rechts vom 26.11.2001 1 am 1.01.2002 als auch danach von Bedeu­tung.

Bis zum 1.01.2002 hat der Bun­des­ge­richts­hof auf den Her­aus­ga­be­an­spruch nach § 985 BGB – in Über­ein­stim­mung mit der nahe­zu ein­hel­li­gen Auf­fas­sung in der Lite­ra­tur – die Vor­schrift des § 283 BGB aF ange­wandt. Sie gab dem Gläu­bi­ger die Mög­lich­keit, dem Schuld­ner nach rechts­kräf­ti­ger Ver­ur­tei­lung zur Her­aus­ga­be der Sache eine ange­mes­se­ne Leis­tungs­frist mit Ableh­nungs­an­dro­hung zu set­zen und nach Frist­ab­lauf Scha­dens­er­satz wegen Nicht­er­fül­lung zu ver­lan­gen 2. Dabei hat­te der Eigen­tü­mer die Mög­lich­keit, die Her­aus­ga­be­kla­ge mit der Scha­dens­er­satz­kla­ge zu ver­bin­den. Die ent­spre­chen­de Kla­ge­häu­fung wur­de als zuläs­sig ange­se­hen, weil sie dem Gläu­bi­ger­be­dürf­nis, eine dop­pel­te Pro­zess­füh­rung zu ver­mei­den, ent­spre­che und damit zugleich dem Gebot der Pro­zess­wirt­schaft­lich­keit. Die Zuläs­sig­keit einer auf § 283 Abs. 1 BGB aF gestütz­ten beding­ten Scha­dens­er­satz­kla­ge folg­te aus § 259 ZPO 3. Die­ses Vor­ge­hen hat­te vor allem den Vor­teil, dass nicht nur über die Frist im Sin­ne von § 283 BGB aF ent­schie­den, son­dern der noch unter der Bedin­gung des frucht­lo­sen Ablaufs der Frist ste­hen­de Scha­dens­er­satz­an­spruch auch schon titu­liert war. Damit waren bereits im Pro­zess um den Erfül­lungs­an­spruch kla­re Ver­hält­nis­se für einen etwai­gen Scha­dens­er­satz­an­spruch getrof­fen 4.

Aller­dings konn­te der Gläu­bi­ger nach dem Ablauf der dem Schuld­ner gesetz­ten Frist nach § 283 Abs. 1 Satz 2 BGB aF nur noch Scha­dens­er­satz wegen Nicht­er­fül­lung ver­lan­gen, soweit die Leis­tung nicht recht­zei­tig bewirkt wur­de; der Anspruch auf Erfül­lung war aus­ge­schlos­sen. Der Schuld­ner soll­te nun­mehr davon aus­ge­hen kön­nen, dass von ihm nur noch Scha­dens­er­satz wegen Nicht­er­fül­lung, nicht aber mehr die ursprüng­li­che Leis­tung ver­langt wer­den­konn­te 5. Gleich­wohl war nach Frist­ab­lauf die Voll­stre­ckung des Erfül­lungs­an­spruchs solan­ge nicht gehin­dert, als dies vom Schuld­ner im Wege der Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge nach § 767 ZPO nicht gel­tend gemacht wur­de 6.

Nach neu­em Recht kann der Eigen­tü­mer einer Sache unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 280 Abs. 1 und 3, § 281 Abs. 1 und 2 BGB Scha­dens­er­satz ver­lan­gen, wenn der bös­gläu­bi­ge oder ver­klag­te Besit­zer sei­ne Her­aus­ga­be­pflicht nach § 985 BGB nicht erfüllt 7. Wei­ter­hin muss er nicht in zwei auf­ein­an­der fol­gen­den Pro­zes­sen zunächst den Her­aus­ga­be- und sodann den Scha­dens­er­satz­an­spruch gel­tend machen, son­dern er kann im Wege der Kla­ge­häu­fung nach § 260 ZPO sei­ne Kla­ge auf Scha­dens­er­satz gemäß § 280 Abs. 1 und 3, § 281 BGB für den Fall des frucht­lo­sen Ablaufs der von dem Gericht zur Erfül­lung des Her­aus­ga­be­an­spruchs gesetz­ten Frist (§ 255 Abs. 1 ZPO) unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 259 ZPO bereits zusam­men mit der Her­aus­ga­be­kla­ge erhe­ben 8.

Im Unter­schied zur alten Rechts­la­ge ist ein auf den Pri­mär­an­spruch lau­ten­des rechts­kräf­ti­ges Urteil nicht mehr nötig, um Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung zu erhal­ten. Es genügt, dass der Gläu­bi­ger dem Schuld­ner – unter den Vor­aus­set­zun­gen der §§ 280, 281 BGB – erfolg­los eine ange­mes­se­ne Frist zur Leis­tung oder Nach­er­fül­lung bestimmt (§ 281 Abs. 1 Satz 1 BGB). Auch ent­fällt der Anspruch des Gläubigers/​Eigentümers auf die (Pri­mär) Leis­tung nach § 281 Abs. 4 BGB nicht mit frucht­lo­sem Ablauf der Nach­frist 9. Viel­mehr erhält der Gläu­bi­ger mit dem Ein­tritt der Vor­aus­set­zun­gen gemäß § 281 Abs. 1 bis 3 BGB ledig­lich die­Be­fug­nis, Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung zu ver­lan­gen. Er hat nach Frist­ab­lauf die Wahl; vom Schuld­ner ent­we­der die Pri­mär­leis­tung oder Scha­dens­er­satz wegen Nicht­er­fül­lung zu ver­lan­gen 10. Erst mit der Erklä­rung des Scha­dens­er­satz­ver­lan­gens ist der Anspruch auf die Pri­mär­leis­tung nach § 281 Abs. 4 BGB aus­ge­schlos­sen.

Der Gläu­bi­ger kann sich das Wahl­recht erhal­ten, auch wenn er sei­ne Her­aus­ga­be­kla­ge mit der Kla­ge auf Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung ver­bin­det.

Wenn der Gläu­bi­ger Leis­tungs- und Scha­dens­er­satz­kla­ge ver­bin­det, ist der Scha­dens­er­satz­an­trag ein­mal dadurch bedingt, dass der Gläu­bi­ger mit sei­nem Her­aus­ga­be­an­trag Erfolg hat, und wei­ter dadurch, dass der Schuld­ner den Gegen­stand nicht inner­halb der rich­ter­lich gesetz­ten Frist her­aus­gibt 11. In der Lite­ra­tur wird die Fra­ge auf­ge­wor­fen, ob die Ver­ur­tei­lung zum Scha­dens­er­satz zusätz­lich davon abhän­gig gemacht wer­den kann, dass der Gläu­bi­ger den Scha­dens­er­satz­an­spruch künf­tig erst gel­tend macht 12.

Die­se Fra­ge ist zu beja­hen. Durch die Zulas­sung eines sol­chen pro­zes­sua­len Vor­ge­hens wird die in §§ 280, 281 BGB ent­hal­te­ne mate­ri­el­le Rechts­la­ge in das Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren über­tra­gen 13. Es wird gewähr­leis­tet, dass der Gläu­bi­ger auch in der Vollst­re-ckung auf sei­nem mate­ri­el­len Recht auf Pri­mär­leis­tung bestehen kann, ohne des­we­gen den Scha­dens­er­satz­pro­zess in eine unge­wis­se Zukunft ver­schie­ben zu müs­sen 14. Es ist nicht ein­zu­se­hen, dass ein Gläu­bi­ger, der nach Ablauf der dem Schuld­ner gesetz­ten Frist mate­ri­ell­recht­lich die Wahl hat, ob er vom Schuld­ner die Erfül­lung des Pri­mär­an­spruchs oder Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung nach § 281 BGB ver­langt, sich die­ser Wahl­mög­lich­keit bege­ben muss, wenn er in einem Rechts­streit sowohl die Pri­mär­leis­tung als auch Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung begehrt. Eine sol­che Beschrän­kung der pro­zes­sua­len Mög­lich­kei­ten für den Gläu­bi­ger erscheint nicht inter­es­sen­ge­recht. Häu­fig kann der Gläu­bi­ger nicht bereits bei Kla­ge­ein­rei­chung, son­dern erst zu einem spä­te­ren Zeit­punkt genau­er beur­tei­len, ob das Betrei­ben der Her­aus­ga­be­voll­stre­ckung oder umge­kehrt die Voll­stre­ckung des Scha­dens­er­satz­an­spruchs für ihn güns­ti­ger ist 15.

§ 259 ZPO steht einem sol­chen Vor­ge­hen nicht ent­ge­gen. Mit der Kla­ge auf künf­ti­ge Leis­tung nach § 259 ZPO kann der Gläu­bi­ger bei Gefähr­dung sei­nes Anspruchs die­sen gericht­lich gel­tend machen, auch wenn er man­gels Ein­tritts einer auf­schie­ben­den Bedin­gung noch nicht fäl­lig ist 16. Das künf­ti­ge Scha­dens­er­satz­ver­lan­gen des Gläu­bi­gers stellt eine sol­che auf­schie­ben­de Bedin­gung dar. Der Schuld­ner wird dadurch hin­rei­chend geschützt, dass die Bedin­gung in das Urteil auf­zu­neh­men ist 17.

Unter Berück­sich­ti­gung die­ser mate­ri­ell­recht­li­chen und pro­zes­sua­len Vor­ga­ben hat sich der Her­aus­ga­be­gläu­bi­ger im Vor­pro­zess das Wahl­recht nicht erhal­ten. Viel­mehr hat der Her­aus­ga­be­gläu­bi­ger schon durch sei­ne Antrag­stel­lung, die Her­aus­ga­be­schuld­ne­rin zur Her­aus­ga­be und zu Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung nach frucht­lo­sem Ablauf einer ihr gesetz­ten Frist zu ver­ur­tei­len, sein Scha­dens­er­satz­ver­lan­gen – bedingt durch den frucht­lo­sen Ablauf der Frist – erklärt, so dass mit dem Ein­tritt der Bedin­gung des Frist­ab­laufs die Gel­tend­ma­chung des Her­aus­ga­be­an­spruchs aus­ge­schlos­sen ist (§ 281 Abs. 4 BGB). Der Voll­stre­ckungs­ti­tel folgt die­sen Vor­ga­ben des jetzt ver­klag­ten Ver­eins und macht den Scha­dens­er­satz­ti­tel unter Annah­me eines beding­ten Scha­dens­er­satz­ver­lan­gens des jet­zi­gen Her­aus­ga­be­gläu­bi­ger allein vom frucht­lo­sen Frist­ab­lauf abhän­gig.

In der Lite­ra­tur wird die Ansicht ver­tre­ten, dass in dem beding­ten Antrag auf Ver­ur­tei­lung des Schuld­ners zum Scha­dens­er­satz eine mate­ri­ell­recht­li­che Erklä­rung des Scha­dens­er­satz­ver­lan­gens nach § 281 Abs. 4 BGB liegt, wenn die Scha­dens­er­satz­kla­ge nur davon abhän­gig gemacht wird, dass inner­halb der dem Schuld­ner durch das Gericht gesetz­ten Frist kei­ne Her­aus­ga­be­hand­lung erfolgt 18. Ande­rer­seits wird dar­auf ver­wie­sen, dass in einer sol­chen Antrag­stel­lung nur dann das den Pri­mär­an­spruch aus­schlie­ßen­de Scha­dens­er­satz­ver­lan­gen lie­ge, wenn der Gläu­bi­ger deut­lich mache, dass er nach Fris­ten­de nicht mehr an der Pri­mär­leis­tung fest­hal­ten wol­le 19. Der letz­ten Ansicht kann nicht gefolgt werden.Wenn der Gläu­bi­ger im Fall der Kla­ge­häu­fung neben Her­aus­ga­be und Frist­set­zung zusätz­lich Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung begehrt, muss er durch die Art der Antrag­stel­lung oder durch Erklä­run­gen im Schrift­satz deut­lich machen, ob in sei­nem Kla­ge­be­geh­ren bereits das beding­te Scha­dens­er­satz­ver­lan­gen liegt oder ob er sich das Wahl­recht erhal­ten möch­te. Die­se Klar­stel­lung kann dadurch erfol­gen, dass er ent­we­der im Antrag erklärt, für den Fall des frucht­lo­sen Ablaufs der Frist die Pri­mär­leis­tung abzu­leh­nen 20, oder er den Scha­dens­er­satz­an­trag unter die wei­te­re Bedin­gung eines nach Frist­ab­lauf erklär­ten Scha­dens­er­satz­ver­lan­gens stellt. Schon aus Grün­den des Schuld­ner­schut­zes ist es erfor­der­lich, dass im Urteil die Bedin­gung des künf­ti­gen Scha­den­er­satz­ver­lan­gens für den Scha­dens­er­satz­aus­spruch auf­ge­nom­men wird. Dar­auf hat der Gläu­bi­ger durch ent­spre­chen­de Antrag­stel­lung hin­zu­wir­ken. Unter­lässt er dies, ist in dem nur unter die Bedin­gung des frucht­lo­sen Frist­ab­laufs gestell­ten Scha­dens­er­satz­an­trag ein ent­spre­chen­des beding­tes Scha­dens­er­satz­ver­lan­gen zu sehen.

Dies gilt auch hier. Der Her­aus­ga­be­gläu­bi­ger hat im Vor­pro­zess weder erklärt, mit frucht­lo­sem Frist­ab­lauf nur noch Scha­dens­er­satz ver­lan­gen zu wol­len, noch hat er deut­lich gemacht, sich das künf­ti­ge Scha­dens­er­satz­ver­lan­gen vor­be­hal­ten zu wol­len. Viel­mehr hat er nur den Her­aus­ga­be­an­spruch aus § 985 BGB begrün­det. Zwi­schen den Par­tei­en war allein im Streit, wer Eigen­tü­mer des Archivs war. Vor­trag zu sei­nen Anträ­gen auf Frist­set­zung und Scha­dens­er­satz hat der Her­aus­ga­be­gläu­bi­ger nicht gehal­ten. Gleich­wohl kön­nen Anträ­ge und Vor­trag des Her­aus­ga­be­gläu­bi­gers nicht auf­grund einer inter­es­sen­ge­rech­ten Aus­le­gung in dem Sin­ne aus­ge­legt wer­den, er habe sei­nen Antrag unter die wei­te­re Bedin­gung eines künf­ti­gen Scha­dens­er­satz­ver­lan­gens gestellt. Ange­sichts der erkenn­ba­ren imma­te­ri­el­len Bedeu­tung des Archivs für bei­de Sei­ten stell­te die beding­te Scha­dens­er­satz-kla­ge ein wei­te­res Druck­mit­tel für den Her­aus­ga­be­gläu­bi­ger dar, um den Her­aus­ga­be­an­spruch gegen­über der Her­aus­ga­be­schuld­ne­rin durch­zu­set­zen. Dem hät­te es ent­spro­chen, wenn sich der Her­aus­ga­be­gläu­bi­ger die künf­ti­ge Gel­tend­ma­chung des Scha­dens­er­sat­zes vor­be­hal­ten hät­te, weil er nur so die Ent­schei­dungs­ho­heit über das Archiv behal­ten hät­te. Einen ent­spre­chen­den Antrag hat er aber nicht nur nicht gestellt, son­dern er hat zudem Pro­zess­zin­sen auf den Scha­dens­er­satz bereits ab frucht­lo­sem Frist­ab­lauf gel­tend gemacht, die auch zuge­spro­chen wor­den sind. Das aber belegt, dass er Scha­dens­er­satz ab frucht­lo­sem Frist­ab­lauf gel­tend gemacht hat und in sei­nem Antrag ein ent­spre­chen­des beding­tes Scha­dens­er­satz­ver­lan­gen lag. Denn Pro­zess­zin­sen wer­den nach § 291 Abs. 1 Satz 1 BGB erst fäl­lig, wenn die Schuld fäl­lig wird. Der durch das künf­ti­ge Scha­dens­er­satz­ver­lan­gen beding­te Scha­dens­er­satz­an­spruch aber wür­de erst mit der Erklä­rung des Scha­dens­er­satz­ver­lan­gens fäl­lig, nicht bereits durch den Frist­ab­lauf. Schon die­se inso­weit ein­deu­ti­ge Antrag­stel­lung steht einer ande­ren Aus­le­gung sei­nes Kla­ge­be­geh­rens ent­ge­gen.

Das Land­ge­richt hat die Her­aus­ga­be­schuld­ne­rin ent­spre­chend den Anträ­gen des Her­aus­ga­be­gläu­bi­gers ver­ur­teilt. Es hat die Her­aus­ga­be­schuld­ne­rin ohne wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen zur Her­aus­ga­be des Cho­r­ar­chivs ver­ur­teilt, ihr eine Frist zur Her­aus­ga­be gesetzt und sie sodann zur Zah­lung von Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung ver­ur­teilt. Dabei wur­de die Ver­ur­tei­lung zum Scha­dens­er­satz allein unter die auf­schie­ben­de Bedin­gung des frucht­lo­sen Ablaufs der Frist gestellt (§ 158 Abs. 1 BGB). Weder ist in die Urteils­for­mel auf­ge­nom­men wor­den noch ergibt sich sol­ches aus den Ur-teils­grün­den, dass die Scha­dens­er­satz­ver­pflich­tung von einem künf­ti­gen Scha­dens­er­satz­ver­lan­gen des Her­aus­ga­be­gläu­bi­gers abhän­gig sein soll­te, wie es aus Schuld­ner­schutz­grün­den erfor­der­lich gewe­sen wäre.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. Novem­ber 2017 – IX ZR 305/​16

  1. BGBl. I S. 3138[]
  2. BGH, Urteil vom 18.03.2016 – V ZR 89/​15, BGHZ 209, 270 Rn. 18 mwN[]
  3. BGH, Urteil vom 14.12 1998 – II ZR 330/​97, NJW 1999, 954, 955; vom 20.06.2005 – II ZR 366/​03, NJW-RR 2005, 1518; vom 18.03.2016, aaO Rn. 23[]
  4. Schur, NJW 2002, 2518, 2519[]
  5. Staudinger/​Löwisch, BGB, 13. Bear­bei­tung 1995, § 283 Rn. 22[]
  6. Staudinger/​Löwisch, aaO Rn. 34[]
  7. BGH, Urteil vom 18.03.2016 – V ZR 89/​15, BGHZ 209, 270 Rn. 16[]
  8. BGH, Urteil vom 18.03.2016, aaO Rn. 23[]
  9. Staudinger/​Schwarze, BGB, 2014, § 281 Rn. A 14, D 1[]
  10. BGH, Urteil vom 20.01.2006 – V ZR 124/​05, NJW 2006, 1198 Rn. 17: "sog. elek­ti­ve Kon­kur­renz"; vgl. Gsell, JZ 2004, 110, 116; Gruber/​Lösche, NJW 2007, 2815, 2817[]
  11. vgl. Münch­Komm-ZPO/­Be­cker-Eber­hard, 5. Aufl., § 255 Rn. 13[]
  12. für die Zuläs­sig­keit einer sol­chen Ver­ur­tei­lung Beck­OK-ZPO/Ba­cher, 2017, § 255 Rn. 13; Musielak/​Voit/​Foerste, ZPO, 14. Aufl., § 255 Rn. 5; Gsell, JZ 2004, 110, 116; Gruber/​Lösche, NJW 2007, 2815, 2819; ableh­nend Schur NJW 2002, 2518, 2520[]
  13. vgl. Beck­OK-ZPO/Ba­cher, aaO[]
  14. vgl. Gsell, aaO[]
  15. vgl. Gruber/​Lösche, aaO[]
  16. BGH, Urteil vom 16.12 1964 – VIII ZR 47/​63, BGHZ 43, 28, 31; Urteil vom 12.07.2006 – VIII ZR 235/​04, NJW-RR 2006, 1485 Rn. 11[]
  17. vgl. zur Not­wen­dig­keit der Auf­nah­me der Bedin­gung in das Urteil: BGH, Urteil vom 16.12 1964, aaO; vom 18.03.1992 – XII ZR 1/​91, NJW 1992, 1624, 1625; OLG Stutt­gart, Fam­RZ 2006, 1769; Zöller/​Greger, ZPO, 31. Aufl., § 259 Rn. 1; Münch­Komm-BGB/­Be­cker-Eber­hard, 5. Aufl., § 259 Rn. 4; Stein/​Jonas/​Roth, ZPO, 23. Aufl., § 259 Rn. 2; Beck­OK-ZPO/Ba­cher, 2017, § 259 Rn. 4; Musielak/​Voit/​Foerste, ZPO, 14. Aufl., § 259 Rn. 2; Gruber/​Lösche, NJW 2007, 2815, 2819 Fn. 49; Gsell, aaO[]
  18. Saen­ger, ZPO, 7. Aufl., § 255 Rn. 2; Wie­ser, NJW 2003, 2432, 2433; Gruber/​Lösche, NJW 2007, 2815, 2817; vgl. BT-Drs. 14/​6040 S. 141 zu § 281 Abs. 3 RE; juris­PK-BGB/S­eich­ter, 8. Aufl., § 281 Rn. 56; Derleder/​Zänker, NJW 2003, 2777, 2779[]
  19. Gsell, JZ 2004, 110, 115 f[]
  20. vgl. Geis­ler in Prütting/​Gehrlein, ZPO, 9. Aufl., § 255 Rn. 1[]